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Roland Fakler

Einschübe im NT

Zehn spätere Zusätze im Neuen Testament

Das Neue Testament ist kein unverändert überlieferter Text. Über Jahrhunderte wurde es von Hand abgeschrieben. Dabei entstanden nicht nur Schreibfehler, sondern auch Ergänzungen und Veränderungen. Die moderne Textkritik kann anhand der erhaltenen Handschriften einige dieser späteren Zusätze mit hoher Wahrscheinlichkeit erkennen.

Zehn wichtige Beispiele

1. Johannes 7,53–8,11 – Die Ehebrecherin

Die berühmte Geschichte „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein“ fehlt in den ältesten wichtigen Handschriften des Johannesevangeliums. Sie wurde offenbar erst später in den Text eingefügt. Dabei erscheint Jesus besonders verständnisvoll und tolerant.

2. Markus 16,9–20 – Der lange Markusschluss

Das Markusevangelium endet in den ältesten wichtigen Handschriften bereits bei 16,8. Die späteren Verse berichten von Erscheinungen des auferstandenen Jesus, seiner Himmelfahrt und enthalten den Satz: „Wer glaubt und getauft wird, wird gerettet werden, wer nicht glaubt, wird verdammt werden..“ Das dürfte mit ziemlicher Sicherheit eine Drohbotschaft der kath. Kirche sein.

3. 1. Johannes 5,7 – Das „Comma Johanneum“

Die Worte über den Vater, das Wort und den Heiligen Geist – „und diese drei sind eins“ – fehlen in den frühen griechischen Handschriften. Sie gelangten über die lateinische Überlieferung später in einige griechische Handschriften und wurden dadurch Bestandteil mancher Bibelübersetzungen. Damit sollte das Dogma der Trinität biblisch legitimiert werden.

4. Apostelgeschichte 8,37 – Das Taufbekenntnis

Vor der Taufe des äthiopischen Kämmerers findet sich in späteren Handschriften das Bekenntnis: „Ich glaube, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist.“ In den ältesten wichtigen Handschriften fehlt dieser. Verstärkung des Glaubens.

5. Johannes 5,3–4 – Der Engel am Teich Bethesda

Die Erklärung, dass ein Engel das Wasser des Teiches bewegte und der Erste, der danach hineinstieg, geheilt wurde, gilt ebenfalls als späterer Zusatz. Botschaft: Wunder sind möglich.

6. Lukas 22,43–44 – Der Engel und der Blutschweiß Jesu

Jesus wird im Garten Gethsemane von einem Engel gestärkt; sein Schweiß fällt „wie Blutstropfen“ zu Boden. Diese Verse fehlen in mehreren frühen Handschriften. Ihre ursprüngliche Zugehörigkeit zum Lukasevangelium ist deshalb umstritten. Damit sollte wohl das Leiden Jesu auch sein Menschsein drastisch geschildet werden?

7. Lukas 23,34 – „Vater, vergib ihnen“

Der Satz „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“ fehlt ebenfalls in einigen wichtigen frühen Handschriften. Deshalb wird auch hier eine spätere Ergänzung diskutiert. Jesus verflucht seine Henker nicht, sondern verzeiht ihnen.

8. 1. Korinther 14,34–35 – „Die Frauen sollen schweigen“

Die Aufforderung an Frauen, in den Gemeinden zu schweigen, steht in manchen Handschriften an einer anderen Stelle. Deshalb vermuten einige Textkritiker einen späteren Einschub. Die Frage ist allerdings nicht endgültig geklärt. Damit wollte die Kirche wohl die Frauen zum Schweigen und zur Unterordnung bringen.

9. Markus 16,18 – Schlangen und Gift

Die spektakuläre Aussage, Gläubige würden Schlangen anfassen und tödliches Gift trinken können, ohne Schaden zu nehmen, gehört ebenfalls zum späteren Markusschluss 16,9–20. Fester Glaube schützt vor allen Gefahren? Das hat schon manchen Gläubigen das Leben gekostet.

10. Markus 16,19–20 – Die Himmelfahrt Jesu

Auch die ausführliche Schilderung der Erscheinungen Jesu, seines Missionsauftrags und seiner Himmelfahrt gehört zu dem späteren Markusschluss und fehlt im wahrscheinlich ursprünglichen Ende des Evangeliums. Damit rechtfertigt die Kirche ihren Missionsauftrag. Jesus wollte lediglich das Judentum reformieren.

Was bedeutet das?

Diese Beispiele zeigen, dass der Text des Neuen Testaments nicht von Anfang an in genau der Form existierte, in der er heute in vielen Bibeln steht.

Besonders deutlich ist dies beim langen Markusschluss, bei der Geschichte von der Ehebrecherin und beim sogenannten Comma Johanneum. Bei anderen Stellen ist die Forschung vorsichtiger und diskutiert weiterhin über ihre ursprüngliche Zugehörigkeit.

Das bedeutet nicht, dass das gesamte Neue Testament eine spätere Erfindung ist. Aber es zeigt, dass zwischen den ursprünglichen Schriften und den späteren Bibelhandschriften eine lange Überlieferungsgeschichte mit Veränderungen, Ergänzungen und Auslassungen liegt. Ziel ist es fast immer, diesen Glauben den Dogmen und Herrschaftsinteressen der kath. Kirche anzupassen.

Warum wurden diese Einschübe gemacht? MEINE Vermutungen in Rot