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Roland Fakler

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Mohammed

Mohammed

Mohammed wurde nach der Überlieferung 570 in Mekka geboren. Über den Tag werden unterschiedliche Angaben gemacht. Wie es sich für einen „Großen Mann“ gehört, sollen auch bei seiner Geburt Zeichen und Wunder geschehen sein…wenn sie nicht, wie üblich, von seinen Anhängern erfunden wurden. Geschichten von Wundern sind keine Wunder, sondern Geschichten. Der Vater Mohammeds, ein Kaufmann, starb schon vor der Geburt des Sohnes. Auch die Mutter starb, als er erst sechs Jahre alt war. Das Kind wurde von einer Amme aufgezogen und später von der Familie seines Onkels aufgenommen.  

> Waisenkinder, denen der irdische Vater fehlte, entwickeln oft ein besonders enges Verhältnis zum himmlischen Vater.

Mohammed blieb sein Leben lang Analphabet, lernte aber als Karawanenführer die damalige Welt, die Kulturen und Religionen des Vorderen Orients, d.h. vor allem das Judentum und das Christentum, kennen. Das Analphabetentum war für seine Anhänger der Beweis dafür, dass er seine Botschaften wirklich von höherer Stelle empfangen hatte – er konnte sie ja nicht irgendwo gelesen,… aber vielleicht gehört, haben – während dies für seine Gegner gerade der Beweis für seine Unbildung war. Offensichtlich war er mit den Verhältnissen, die er in seinem Land vorfand, nicht zufrieden. Vor allem störten ihn die Vielgötterei und die Zersplitterung der arabischen Stämme.  

Frauen – Heirat Im Alter von 25 Jahren heiratete er die 15 Jahre ältere Witwe Chadidscha. Sie schenkte ihm zwei oder drei Söhne und vier Töchter. Darunter seine Lieblingstochter Fatima, von der allein seine Nachkommen stammen, die späteren Fatimiden Herrscher.

Die Fatimiden waren eine bedeutende schiitisch-ismailitische Dynastie, die von 909 bis 1171 ein mächtiges Gegenkalifat im Mittelmeerraum errichtete. Die Herrscher leiteten ihren Namen von Fatima ab. Sie war die Tochter des Propheten und die Ehefrau von Ali, der auch sein Vetter war. Sie beanspruchten damit die direkte Blutlinie zum Propheten. Sie erkannten die sunnitische Vormachtstellung der Abbasiden in Bagdad nicht an. Stattdessen erhoben sie selbst Anspruch auf die Führung der gesamten muslimischen Welt. 

Chadidscha war die erste, die an seine Offenbarungen glaubte. Das war sicher ein Beitrag zu einer harmonischen Ehe, denn im Koran Sure 9:23 heißt es:  „O die ihr glaubt, nehmt nicht eure Väter und eure Brüder zu Freunden, wenn sie den Unglauben dem Glauben vorziehen. Und die von euch sie zu Freunden nehmen – das sind die Ungerechten.“ Dass hier nicht von Ehefrauen und Müttern die Rede ist, liegt wohl daran, dass man ihnen keine eigene Meinung zutraute.  Bei seinem Tod hinterließ Mohammed einen Harem mit elf Frauen, einigen Konkubinen und Sklavinnen. Seine Lieblingsfrau Aischa soll er schon mit sechs bzw. mit neun Jahren (Ehe vollzogen) geheiratet haben. Sie soll ihm von Gott in einem Traum zur Frau versprochen worden sein. Da sieht man, wozu der Glaube an Gott gut ist. Nach dem Koran wurde es Mohammed ausdrücklich erlaubt, mehr als die sonst im Islam maximal gestatteten vier Ehen gleichzeitig einzugehen. Schließlich hat er den Koran nicht umsonst verfasst. Wer die Gesetze macht, darf dabei auch an sich denken. Haha! Interessant ist, dass er auch seine Cousine Zaynab begehrte und schließlich heiratete, nachdem die Ehe zwischen ihr und seinem freigelassenen Sklaven und Adoptivsohn Zaid geschieden wurde.

Die Heirat unter nahen Verwandten ist unter Muslimen heute weit verbreitet…mit zum Teil verheerenden Folgen.

Geld: Nach einer ärmlichen Kindheit und Jugend als Schafhirte brachte er es als Karawanenführer und insbesondere durch die Heirat mit der reichen Chadidscha zu ansehnlichem Wohlstand. Dies genügte ihm offensichtlich nicht. 

Auserwählt Er beanspruchte eine wichtigere, eine weltgeschichtliche Rolle. Er kannte die Lehren der Christen und Juden, die auf der arabischen Halbinsel angesiedelt waren. Wie die Juden wollte oder konnte er in Jesus nicht den Sohn Gottes erkennen. Er entwickelte eine geniale Idee, die ihm und nicht Jesus den zweiten Rang hinter Gott sichern sollte, – natürlich mit Gottes Einverständnis. Er beanspruchte die Rolle des letzten und wichtigsten Propheten. Und Jesus? Der soll einer von ihnen, allerdings ein geringerer Prophet gewesen sein. Eine originelle Idee. Wir sehen hier, wie sich ein „Großer“ aus den Gegebenheiten seiner Zeit eine möglichst bedeutende Rolle zuschanzt.  Mohammed sieht sich als „das Siegel der Propheten“, das heißt, als Beglaubiger der früheren Propheten oder als letzten Propheten in der Geschichte der Menschheit. Nach ihm soll nichts mehr kommen, jedenfalls nichts von Bedeutung. Diese Rolle sollte auch durch alte jüdische und christliche Schriften von Heiligen und Gelehrten bestätigt werden. Wie schon die Christen, so suchten auch die Muslime mit den alten „heiligen Texten“ der Bibel, ihre „Glaubens-Wahrheiten“ zu untermauern. Mohammed gilt im Gegensatz zu Jesus als Mensch. Man schreibt ihm allerdings einige Wunder zu, z.B. eine spektakuläre Himmelfahrt, einen Ritt auf einem geflügelten Tier nach Jerusalem, wo er sich mit den wichtigsten alten Propheten, wie Abraham, Moses und Jesus und Gott selbst getroffen haben soll. Deswegen wurde Jerusalem für die Muslime zur heiligen Stadt.

In einer Höhle am Berg Hira bei Mekka, wohin er sich öfter in die Einsamkeit zurückzog, erschien ihm ab dem 39. Lebensjahr immer wieder der Engel Gabriel im Traum und überbrachte ihm die Offenbarungen, die später im Koran Eingang fanden. Dabei wurde er von starken Kopfschmerzen und Albträumen geplagt. War es Epilepsie? Immerhin kannte er die Einsamkeit, die notwendig ist, um sich selbst zu finden. 

Kämpfe: Als er seine Botschaft in Mekka verkündete, fand er dort wenig Anklang. Im Gegenteil, man war ihm feindlich gesinnt, weil er die alte, von der herrschenden Elite verehrte, polytheistische Götterwelt in Frage stellte. 

 > Propheten und Neuerer stoßen bei denen, die nichts ändern wollen, bei den eingesessenen Eliten, verständlicherweise immer auf Ablehnung und sie wurden auch oft verfolgt.

Schließlich war die Ablehnung in Mekka so groß, dass daraus Feindschaft gegen Mohammed entstand. Er musste fliehen und sich in das 300 Kilometer entfernte, spätere Medina zurückziehen (Hijra 622). Dort entstand die erste muslimische Gemeinschaft, der zunächst auch Juden und Christen angehörten. Der Koran nennt sie Heuchler, weil sie wohl keine überzeugten Muslime waren, sondern nur so taten, als ob sie es wären. Wen wundert es?  

> Heuchelei entsteht, wenn freie Meinungsäußerung mit Nachteilen verbunden ist.  Wahrscheinlich wären alle vertrieben oder ermordet worden, wenn sie ehrlich gewesen wären. Belege dafür gibt es genug: In Medina ließ er mehrere Personen ermorden, die ihn kritisierten, darunter Dichter, einen 100-jährigen Greis, eine Mutter von fünf Kindern, einen Freund seiner Familie und eine Frau, die es abgelehnt hatten, an ihn zu glauben. Insgesamt wirft man ihm 40 Morde an Gegnern vor. 

Nachdem die Juden und Christen sich ihm, entgegen seiner Erwartung, nicht angeschlossen und ihn nicht als einen Propheten anerkannt hatten, behauptete Mohammed, dass die Schriften der Juden und Christen gefälscht wurden und dass er der einzig wahre Prophet der alten Religion Abrahams sei. Zwischen Mekka und Medina brach eine offene Feindschaft aus. Es kam zu Überfällen auf Karawanen der Mekkaner und zu Angriffen der Mekkaner auf Medina, die allerdings abgewehrt werden konnten. Wie so oft in der Geschichte entschied letztlich nicht der freie Wille, nicht Überzeugung, sondern militärische Stärke über die Religion in diesen Städten.  

Nur ein bewaffneter Prophet hat Erfolg!“ Machiavelli 

Er brauchte Gewalt, weil er nicht überzeugen konnte. 

> Wer nicht groß genug ist, kann nicht überzeugen, wer nicht überzeugen kann, fühlt sich verschmäht und neigt zur Gewalt.

Nach einem Sieg Mohammeds über die Mekkaner wurden die Juden aus Medina vertrieben. Er warf ihnen Verrat vor. Zwei der dortigen jüdischen Hauptstämme durften nach dem muslimischen Sieg abziehen, aber der dritte (die Quraiza) erlitt ein trauriges Schicksal. Seine 600 bis 900 Männer wurden auf dem Marktplatz von Medina hingerichtet, Mohammed schaute zu, die Frauen und Kinder wurden versklavt, 627. Aus der Beute, die den Juden abgeknöpft wurde, erhielt Mohammed ein Fünftel und eine Sklavin namens Savia. Ihr Vater Huyayy ibn Akhtab war der Anführer der Banu Nadir. Savia war zwar schon verheiratet, aber auch ihr Ehemann war bei dem Massaker getötet worden. Später wurde sie seine 11. Ehefrau. Man nennt das heute Stockholm-Syndrom, wenn das Opfer sich mit dem Täter arrangiert, weil es ihm hilflos ausgeliefert ist und an dieser Situation nicht zerbrechen möchte.

 > Letztlich ging es ihm um Macht, Reichtum und Sex; dazu erfand er den Koran. Religion ist nur das Deckmäntelchen, um dies zu verschleiern. Auf die Juden Medinas bezieht sich die Sure 59:3-5Wenn Gott nicht die Verbannung für sie bestimmt hätte, hätte er sie im Diesseits (auf andere Weise) bestraft. Im Jenseits aber haben sie die Strafe des Höllenfeuers zu erwarten. Dies dafür, dass sie gegen Gott und seinen Propheten Opposition getrieben haben. Wenn ihr […] Palmen umgehauen habt – oder habt stehen lassen, – geschah das mit Gottes Erlaubnis. Auch wollte er [auf diese Weise] die Frevler zuschanden machen“.

Wer gegen Mohammed war, war also gegen Gott. Jedenfalls soll dieser Anschein erweckt werden. Es gab wohl keinen König, keinen Feldherrn, keinen Führer („der Größte aller Zeiten“ sowieso), der nicht davon überzeugt war, dass Gott auf seiner Seite stand. Wer Gott auf seiner Seite hat, hat auch immer die Wahrheit und das Recht auf seiner Seite. Er kann damit die „Falschdenkenden“ bedenkenlos abschlachten.  „Gott mit uns“, wurde zum Schlachtruf in den Kreuzzügen. Dieser Schlachtruf stand im Ersten wie im Zweiten Weltkrieg auf den Koppelschlössern der deutschen Soldaten. Aber natürlich glaubten auch ihre Feinde, dass Gott mit ihnen und mit ihnen allein sei. 

> Für „Rechtgläubige“ sind „Andersgläubige“ immer „Falschgläubige“, weil man nicht an zwei Religionen glauben kann. Sie sind nie gleichwertig, sondern immer minderwertig, deswegen bleibt zu wünschen, dass alle Menschen Ungläubige, säkulare Humanisten werden und sich dann verbrüdern, denn solange sie Gläubige sind, haben sie ein Feindbild: die Ungläubigen und die Falschgläubigen.  

Mohammed sprach zu den Juden: … „nehmt zur Kenntnis, dass das Land Gott und seinem Gesandten zusteht und dass ich euch von hier vertreiben werde. Wer von euch Eigentum hat, soll es verkaufen. Wenn er dies nicht tut, so nehmt zur Kenntnis, dass das Land Gott und seinem Gesandten zusteht“ Bericht des Abu Huraira

Wer Gott am nächsten ist, dem gehört auch Gottes Land, deswegen konnten sich später auch die Spanier, die Engländer und alle anderen Kolonialmächte das Land der Eingeborenen ohne Gewissensbisse unter den Nagel reißen: Sie wussten Gott auf ihrer Seite, zumindest den „richtigen“ Gott. 

Die Enteignung der jüdischen Stämme erklärt Mohammed damit, dass es auf der arabischen Halbinsel keine zwei Religionen geben darf. Warum eigentlich nicht? Da sieht er wohl seine Machtposition in Gefahr. Außerdem will Gott das nicht. Das ist die beste Erklärung für alles, was man selbst nicht will.  Wie die Christen sich einst von den Juden, so distanziert er sich jetzt bewusst von beiden älteren Religionsgemeinschaften, indem er nicht den Sabbat der Juden oder den Sonntag der Christen, sondern den Freitag als Feiertag einführt und die Gebetsrichtung nach Mekka anordnet, anstatt nach Jerusalem. Mit den folgenden Suren distanziert er sich weiter von Judentum und Christentum. 

Sure 98:6Wahrlich, jene, die ungläubig sind unter dem Volk der Schrift (Christen/Juden) und den Götzendienern, werden im Feuer der Hölle sein, um darin zu bleiben. Sie sind die schlechtesten Geschöpfe.” 

Sure 4:89Sie möchten gern, ihr wäret … ungläubig, so wie sie (selber) ungläubig sind, damit ihr (alle) gleich wäret. Nehmt euch daher niemand von ihnen zu Freunden, solange sie nicht (ihrerseits) um Gottes willen auswandern! Und wenn sie sich abwenden (und eurer Aufforderung zum Glauben kein Gehör schenken), dann greift sie und tötet sie, wo (immer) ihr sie findet, …“ Übersetzung: Rudi Paret 

Bis 630 gelang es Mohammed schließlich, Mekka widerstandslos einzunehmen. Dort ließ er alte Götterbilder zerstören. Er bekämpfte das Heidentum, die Christen und die Juden.  

Sure 5:51. „O die ihr glaubt! Nehmet nicht die Juden und die Christen zu Freunden. Sie sind Freunde gegeneinander. Und wer von euch sie zu Freunden nimmt, der gehört fürwahr zu ihnen. Wahrlich, Allah weist nicht dem Volk der Ungerechten den Weg. „

Natürlich muss man diese Aussagen Mohammeds, wenn sie überhaupt so gemacht wurden, aus seiner Zeit und aus seiner Situation heraus verstehen. Er wollte seine neue Religion gegen die jüdische und christliche Religion abgrenzen. Der Islam betrachtet Juden und Christen nicht als Gleichberechtigte. In einem islamischen Staat werden und wurden sie bestenfalls als Personen minderen Rechtes geduldet und auch nur, um Steuern zu zahlen. Nicht geduldet werden Atheisten. 

Sure 9:29Kämpft gegen diejenigen, die nicht an Gott und nicht an den Jüngsten Tag glauben und nicht verbieten, was Gott und sein Gesandter verboten haben, und nicht der Religion der Wahrheit angehören von denen, denen das Buch zugekommen ist, bis sie von dem, was ihre Hand besitzt, Tribut entrichten als Erniedrigte.“ 

Wie soll man die unverhohlenen Drohungen im Koran gegen jene verstehen, die es wagen, von ihrem gesunden Menschenverstand Gebrauch zu machen, die es wagen zu zweifeln. Es gibt kaum eine Seite im Koran, in der nicht gegen Ungläubige gehetzt und mit Höllenqualen gedroht wird… und Ungläubige sind alle, die Mohammed nicht als letzten Propheten, Allah nicht als einzig wahren Gott, der keinen Sohn hat, Sure 72:3 und den Koran nicht als unfehlbares Buch anerkennen wollen, Sure 2:2, weiter unten auf dieser Seite. Wer behauptet, der Koran sei nur Menschenwort, wird ins Feuer geworfen.  Sure 74:24. Und sprach: „Das ist nichts als Zauberei, die weiter getragen wird; 25.Das ist nur Menschenwort“.26 Bald werde Ich ihn ins Feuer der Hölle werfen.  Veränderungen am Koran sind nicht möglich:  Sure 50:29 „Und Allah wird sprechen: Streitet nicht in meiner Gegenwart, da ich euch ja schon früher meine Drohungen habe wissen lassen; 30 mein Wort duldet keine Veränderung, und ich tue meinen Dienern kein Unrecht.” 

Was will man da noch diskutieren? Man kann nur hoffen, dass das heute niemand mehr ernst nimmt. Mit Menschen, die es ernst nehmen, kann es kein friedliches Zusammenleben geben. Sie wollen in ihrem Sinne herrschen und ich will mich nicht beherrschen lassen.

Der Koran gilt bei Muslimen als das direkt von Gott verkündete Wort, an dem es nichts mehr zu rütteln geben soll und an dem sich das islamische Recht, die Scharia, ausrichtet. 

Sure 2:2.Dies ist ein vollkommenes Buch; es ist kein Zweifel darin: eine Richtschnur für die Rechtschaffenen.“  

Der Koran ist ursprünglich in arabischer Sprache verfasst worden. Aber warum sprach Gott arabisch? Es ist klar, dass jede Übersetzung z.B. ins Deutsche auch eine Auslegung und damit eine Entfernung vom Urtext ist. Ich entnehme meine Koranzitate meist aus einer Übersetzung des renommierten Tübinger Islamwissenschaftlers Rudi Paret 1901- 1983. 

Aus einem urmenschlichen Wunsch, in einer Welt, die fließt, feste Maßstäbe und Orientierung zu finden, neigen Gläubige dazu, heilige Texte für unfehlbar zu halten. Sie wünschen sich ein Buch, das man jederzeit aufschlagen, zu allen Dingen befragen und „Amen“ sagen kann. Die Herrschenden fördern diesen Glauben, wenn er ihre Herrschaft festigt.  Schon der Gesetzgeber Hammurabi, -1728 bis -1686, König von Babylon, wollte seinem Volk glauben machen, dass seine Gesetze direkt von Gott kommen. Auch Moses will ja die „Zehn Gebote“ direkt aus Gottes Hand empfangen haben. Dadurch erhalten die Texte mehr Gewicht und können von den Menschen nicht mehr so leicht angezweifelt, hinterfragt oder gar missachtet werden. Aber was ist, wenn angeblich heilige Texte unvernünftige Dinge enthalten, wenn sie Feindschaft zu anderen Menschen predigen? Dann fehlt jede Korrektur, weil Kritik an göttlichen Texten nicht erlaubt ist. 

Sure 9:5.Und wenn die verbotenen Monate verflossen sind, dann tötet die Götzendiener, wo ihr sie trefft, und ergreift sie, und belagert sie, und lauert ihnen auf in jedem Hinterhalt. Bereuen sie aber und verrichten das Gebet und zahlen die Zakat, (Steuer) dann gebt ihnen den Weg frei. Wahrlich, Allah ist allverzeihend, barmherzig.“

Sollen das die Worte eines Gottes sein, der für alle Menschen da ist? Nein, es sind die Worte eines Stammesführers, der seine Feinde verfluchen und besiegen und dafür Gott auf seine Seite ziehen will.

 > Es gibt nichts Gefährlicheres als wenn Texte für heilig und unfehlbar gehalten werden, in denen zu Feindschaft, Mord und Totschlag aufgefordert wird. Das gilt sowohl für die Bibel als auch für den Koran. Wenn ein Buch dazu auffordert, Andersdenkende zu verfolgen, sollte man daran zweifeln, dass es ein „heiliges“, von Gott inspiriertes Buch ist.  Wie kommt es, dass der Gott der Araber arabisch spricht und den Arabern hilft, dass der Gott der Juden hebräisch spricht und den Hebräern hilft, dass die Götter der Griechen griechisch sprechen und den Griechen helfen? Weil nicht Gott die Menschen, sondern die Menschen ihre Götter nach ihren Wünschen erschaffen haben.  Wohin führt dieser Satz Sure 17:19.Wer aber das Jenseits begehrt und es beharrlich erstrebt und gläubig ist – derer Streben wird belohnt werden.“  

Mit solchen Sätzen werden irdische Probleme sicher nicht gelöst, im Gegenteil. Alles Streben wird darauf ausgerichtet, möglichst schnell ins Jenseits zu gelangen.  Christen und Muslime glauben, dass die Welt erst in Ordnung ist, wenn alle Menschen Christen bzw. Muslime sind, deswegen erregen Andersgläubige, z.B. die Juden bei den Christen solches Unbehagen. Eher wird aber ein Kamel durch ein Nadelöhr gehen, als dass alle Menschen einen Glauben haben werden. 

Wäre es nicht ein erstrebenswertes Ziel, wenn die Menschen weniger gläubig, in Frieden miteinander leben könnten. Gerade dies wird aber durch die Rivalität der Religionen und ihre widersprüchlichen Lehren verhindert.   

Nach dem Sieg über Mekka wurde Mohammed zum Beherrscher fast der ganzen arabischen Halbinsel. Je mehr Beute sie machte, desto mehr Zulauf erhielt die Räuberbande. Er wurde reich und mächtig. Er beanspruchte für sich den fünften Teil der Beute. Die muslimischen Streitkräfte drangen bis in den Süden Syriens vor. 632 unternahm er seine letzte Pilgerfahrt von Medina nach Mekka (Hadsch) und starb kurz nach seiner Rückkehr. Angeblich wurde er von einer Jüdin vergiftet, deren Angehörige er zuvor in der Schlacht bei Chaibar ermordet hat.

Nach dem Glauben der Muslime wurde er von Gott eines Nachts von Mekka nach Jerusalem geführt und stieg vom Felsendom in den Himmel zu Gott empor, wie schon vor ihm Romulus, Herakles, Moses, Jesus, Maria, Cäsar und andere Größen. Über seinem Wohnhaus in Medina wurde seine Gruft mit der heute zweitgrößten Moschee errichtet.   

Wirkung  Indem Mohammed sich zum letzten Propheten erklärt hat, hat er erreicht, was „Mann“ auf Erden für erstrebenswert hält: Ruhm, Macht, Reichtum, Frauen, Unsterblichkeit. Er wollte für die Araber eine monotheistische Religion schaffen, die Stämme einigen und mit der Erfüllung dieser Aufgabe reich und mächtig werden und ein sinnvolles Leben haben. Ist ihm das gelungen? Jedenfalls nicht ohne Terror, Gewalt und Blutvergießen! Mit dem Islam fühlten sich die Araber als das von Gott erwählte Volk… Wieder ein auserwähltes Volk.  

Sure 5:3Heute habe ich euch eure Religion vervollständigt (so dass nichts mehr daran fehlt) und meine Gnade an euch vollendet, und ich bin damit zufrieden, dass ihr den Islam als Religion habt.“

Er empfiehlt, die Ungläubigen, Juden, Christen, Atheisten zu bekämpfen: Sure 9:123. „O die ihr glaubt, kämpfet wider jene der Ungläubigen, die euch benachbart sind, und lasst sie in euch Härte finden; und wisset, dass Allah mit den Gottesfürchtigen ist. „

Die Lust zu strafen und zu foltern scheint eine göttliche Eigenschaft zu sein. In Wirklichkeit ist es natürlich eine menschliche, die sie ihren Göttern andichten.  

Sure 4:56.Die Unseren Zeichen Glauben versagen, die werden wir bald ins Feuer stoßen. Sooft ihre Haut verbrannt ist, geben wir ihnen eine andere Haut, damit sie die Strafe auskosten. Wahrlich, Allah ist allmächtig, allweise.“

Ergebnis  Wir haben hier wieder ein klassisches Beispiel, wie Verfolgung entsteht: Einer fühlt sich auserwählt, weil er vom Erzengel Gabriel angeblich Botschaften empfangen hat. Viele sind bereit, ihm zu glauben, weil jeder gerne glauben möchte, zu den Auserwählten zu gehören,  andere aber sind aus verschiedenen Gründen dazu nicht bereit, z.B. weil sie nicht leichtgläubig sind, weil sie an übernatürliche Erscheinungen nicht glauben und ihrer Vernunft vertrauen, weil sie wissen, dass sich Menschen gerne wichtig machen wollen oder weil sie bereits eine andere, für sie überzeugendere Religion haben. Katholiken glauben lieber an die Botschaften der heiligen Maria, die ja viel öfter und viel mehr Menschen erschienen ist als der Erzengel Gabriel. Auch sie sendet regelmäßig, ob von Fatima oder Lourdes, ihre Drohbotschaften aus, um die Menschen zum wahren, katholischen Glauben zu nötigen. Der Auserwählte zweifelt nicht an sich. Er ist sich sicher und fühlt sich überlegen. Er sieht nur sich und sein Ziel. Er darf alle Mittel anwenden, gegen jene, die nicht auserwählt, d.h. minderwertiger sind, weil sie nicht glauben und erkennen können oder bösartig nicht erkennen wollen, was er zu erkennen glaubt. Von diesen muss man sich auch im täglichen Leben distanzieren, weil sie „unrein“ sind und den Gläubigen in der „Festigkeit“, man könnte auch sagen: „Engstirnigkeit“, seines Glaubens schwächen. Das ist der Grund, weshalb sich Sekten immer von der Gesellschaft und von Informationen abschotten. Die Auserwählten glauben nun, solange kämpfen zu müssen, bis sie ihr Ziel, in diesem Fall, den Gottesstaat unter islamischer Führung erreicht haben. Erst dann kann es Frieden geben. Mohammed wird böse, wenn die anderen seine Botschaft nicht glauben wollen, schließlich weiß er den allerhöchsten Gott auf seiner Seite. Wie kann man gegen Gott und seinen Propheten sein? Er fängt an zu drohen und sobald er die Macht dazu hat, bekämpft und verfolgt er die Ungläubigen nicht nur mit Worten.  Juden, Christen und Heiden werden in einem islamischen Gottesstaat nicht als Gleichberechtigte geduldet. Das war im christlichen Gottesstaat Europas von Karl d. Großen bis in die Neuzeit nicht anders. Auch im alten Europa wurden Juden, Heiden, Andersgläubige, sogar Menschen mit anderen christlichen Bekenntnissen nur widerwillig in untergeordneten Stellungen geduldet…und sehr oft nicht geduldet, sondern verfolgt und vertrieben. 

Der Kodex Omar, 580 bis 644, regelte das Verhältnis der Muslime zu den Ungläubigen im arabischen Herrschaftsbereich, „so durften Christen keine politischen Ämter bekleiden oder Muslime als Dienstboten beschäftigen. Auch war es ihnen verboten, Waffen zu tragen und Pferde zu reiten; sie durften keine neuen Gotteshäuser bauen und in der Öffentlichkeit keine religiösen Feiern abhalten. Es war ihnen auch nicht gestattet, Bekehrungen vorzunehmen. Genaue Kleidervorschriften sollten darüber hinaus Nichtmuslime von der übrigen Bevölkerung unterscheiden; Juden sollten als Erkennungszeichen gelbe Flicken an ihren Ärmeln tragen, Christen dagegen einen dunkelblauen Flicken. Ebenso wurde eine Kopf- und Grundsteuer für Juden eingeführt“. Encarta 2009 

Sure 9:33.Er ist es, der seinen Gesandten geschickt hat mit der Führung und dem wahren Glauben, auf dass er ihn obsiegen lasse über alle (andern) Glaubensbekenntnisse, mag es den Götzendienern auch zuwider sein.“ 

Und noch eine Ermutigung für Glaubenskrieger, ihr Leben einzusetzen:

Sure 4:95 „Die unter den Gläubigen, die stillsitzen – ausgenommen die Gebrechlichen -, und die, welche für Allahs Sache ihr Gut und Blut einsetzen im Streit, sie sind nicht gleich. Allah hat die mit ihrem Gut und Blut Streitenden im Range erhöht über die Stillsitzenden. Einem jeden aber hat Allah Gutes verheißen; doch die Gottesstreiter hat er vor den Stillsitzenden ausgezeichnet durch einen großen Lohn.“ 

Mohammed mag eine charismatische Persönlichkeit und ein erfolgreicher Feldherr gewesen sein, aber er war auch ein Machtmensch, der für seinen Vorteil über Leichen ging und eines war er eben nicht:

Wie alle, die ich in meinem  Buch über Verfolger und Verfolgte behandle, war er nicht so groß, dass man hätte zu ihm kommen können, dass man ihn hätte haben wollen. Man musste ihn haben und man muss es immer noch. Jedenfalls will ich nicht, dass er oder der Islam über mich herrschen. Sie wirken nicht befreiend, sondern bedrückend. Ich lasse mich von meiner Vernunft leiten und unterwerfe mich nicht unvernünftigen Regeln. Ist man ein guter Mensch, weil man kein Schweinefleisch isst? Muss man unvernünftige Märchen glauben, um in den Himmel zu kommen? Ich kann nicht tolerant sein gegenüber einer Religion, die mich bedrohen, beherrschen, unterwerfen und in die Hölle schicken will!

Mohammed hat den Koran erfunden, um für sich und seine Clique Herrschaft, Sex und Beute zu gewinnen. Er war nicht groß genug, um ohne Lügen zu überzeugen. Schon zu seinen Lebzeiten ist er damit bei vielen vernünftigen Menschen, die nicht bereit waren, seine Märchen zu glauben und sich zu unterwerfen, auf Widerstand gestoßen.

Dabei ist noch zweifelhaft, ob er überhaupt gelebt hat. Die erste Biografie wurde hundert Jahre nach seinem Tod verfasst.

Weil Mohammed auf Kritik stieß, hat er, wie jeder Diktator, Kritiker, Dichter, Leute, die sich über ihn lustig gemacht haben, ermordet, sobald er nach seinem Sieg über Mekka die Macht dazu hatte. Hamed Abdel-Samad nennt 40 Morde. Diesen Terror verbreiten Muslime heute noch, wo sie die Macht dazu haben. Als auch die Juden nicht bereit waren, ihn als Propheten anzuerkennen, entwickelte er eine heftige Feindschaft gegen sie. In Medina ließ er zwei jüdische Stämme vertreiben, bei einem anderen ließ er alle Männer ermorden, Frauen und Kinder als Sklaven verkaufen.

Mohammed hatte über ein Dutzend Frauen, darunter ein minderjähriges Mädchen und einige Sklavinnen.

Er lebte mit seinen Gefährten von Kriegen und Beutemachen. Er hat sein Leben lang Kriege geführt. Zuerst wurde Mekka erobert, wo er alle anderen religiösen Kulte außer dem Islam verbot. Wie kann so ein Mann Vorbild sein?

Nach seinem Tod kam es zu einer Revolte gegen den Islam, aber die Revolte wurde niedergeschlagen und die Eroberungszüge des Islams gingen weiter.

In 1400 Jahren hinterließ der Islam eine Blutspur von der arabischen Halbinsel bis nach Spanien, Afghanistan und Indien… Er verfolgte, vertrieb oder unterwarf die Juden (Medina, Spanien, Kleinasien), die Christen (Kleinasien, Nordafrika, Europa…), die Zoroastrier und Bahai (Persien), die Kopten (Ägypten), die Armenier (Kleinasien), die Yazidis (Irak), die Buddhisten (China, Südostasien) und Hindus (Indien, Indonesien). Die Eroberung Indiens durch den Islam um 1000 von Mahmud von Ghazni gehört zu den schlimmsten Völkermorden der Menschheitsgeschichte.

Religionen, die mit Hilfe ihres nicht erkennbaren Gottes Herrschaften errichten wollten, waren der größte Fluch für die Menschheit. Sie sollten in ihre Grenzen verwiesen werden, indem wir eine klare Trennung zwischen Religion und Staat ziehen. Gesetze wurden noch immer von Menschen gemacht, auch die angeblich göttlichen. Deswegen wäre es für den  Frieden auf Erden hilfreicher, die Gebote der Menschlichkeit zu befolgen als die unmenschlichen Gebote, die von Königen und Priestern zur Errichtung von Herrschaften erfunden und für göttlich erklärt wurden. 

 

Humanismus

Den Humanismus nahe bringen!

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Zum Artikel: “Den Glauben nahebringen” Es ging darum, Schülern einer Rottenburger Realschule das Judentum und den Islam näher zu bringen. Dazu wurden ein Vertreter des Islams und eine Vertreterin des Judentums zur Diskussion eingeladen.

Die ständige Förderung dieser in ihren Fundamenten intoleranten, undemokratischen, frauen- und menschenfeindlichen abrahamitischen Religionen, hält die Menschheit auf einer Kulturstufe fest, die ohne sie längst überwunden wäre… und damit viele Konflikte in der Welt, die eben durch diese Religionen angeheizt werden. Es mag tröstlich sein, an einen lieben Gott zu glauben, aber in ihren Fundamenten sind diese Religionen intolerante, totalitäre Stammesreligionen aus vormodernen Zeiten, die die Menschen in Rechtgläubige und Falschgläubige, in Auserwählte und Verdammte, in Wertvolle und Wertlose einteilen, und sich dabei auf ein nicht erkennbares Wesen und zweifelhafte Texte berufen. Seit ewigen Zeiten benutzen Herrscher die Religion und die Götter zur Rechtfertigung unrechtmäßiger Herrschaft über ein unmündiges, gläubiges Volk. In demokratischen Schulen sollte deswegen in einem Ethikunterricht vor allem der Humanismus gefördert werden, der die Schüler mit den Werten verbindet, die uns Frieden, Freiheit, Demokratie und Menschenrechte gesichert haben. Wer junge Menschen zu mündigen Staatsbürgern erziehen will, bindet sie nicht an alte Dogmen und nichtexistierende Geister, sondern lehrt sie, selbst zu denken!

Hauptkritikpunkte: Dogmatismus: Religion verlangt Glauben statt Erkenntnis Intoleranz: Besonders monotheistische Religionen neigen dazu, sich als allein wahr zu sehen Machtinstrument: Religion wird von Herrschern zur Stabilisierung ihrer Macht genutzt Jenseitsfixierung: Moral wird an Belohnung/Strafe geknüpft, nicht an Mitgefühl.

Den Leserbrief findet man auch in der Bürgerredaktion.

Asyl

Wer sollte Asyl erhalten?

Asyl

Die politische Debatte in Deutschland leidet an einem fundamentalen Realitätsverlust: Man weigert sich beharrlich, zwischen Schutzbedürftigen und ideologischen Gegnern der offenen Gesellschaft zu unterscheiden. Statt Klarheit herrscht eine Mischung aus moralischer Selbstbefriedigung  und politischer Feigheit.

Echte Asylanten sind geflohen, weil sie ihre Stimme gegen die drückenden Verhältnisse in ihren Ländern erhoben haben und deswegen von ihrer Regierung verfolgt werden. Sie sollten hier gemäß dem Asylrecht Schutz finden und bestmöglich integriert werden. Das sind Regimekritiker,  die kämpferisch für die freiheitliche Demokratie eintreten, wie beispielsweise  Mina Ahadi, Hamed Abdel-Samad, Achmed Mansour…Die Regimefreunde sind ihre Feinde.

Deutschland ist kein wertneutrales Siedlungsland, sondern eine säkulare Republik mit humanistischen Werten, die sich bewährt haben, die in einer langen und blutigen Geschichte gegen drückende, monarchische und totalitäre Regime erkämpft werden mussten, im Bauernkrieg, in der Revolution von 1848, in der Weimarer Republik und schließlich gegen ein faschistisches und kommunistisches Regime. Diese Werte sind die Lehren aus unserer schrecklichen Geschichte. Diese Werte müssen aktiv verteidigt werden, wenn unsere ganze Geschichte einen Sinn gehabt haben soll.

Diese freiheitlichen Werte stehen aber in glattem Widerspruch zur islamischen Scharia, in der es keine Gleichberechtigung von Gläubigen und Ungläubigen, von Mann und Frau, von Homosexuellen und Heterosexuellen gibt, keine Trennung von Religion und Staat, keine Weltanschauungsfreiheit, keine Meinungs- und Pressefreiheit…

Hier massenhaft Leute aufzunehmen, die diese  Werte ablehnen, ist eine  gefährliche Dummheit. Niemand, der die freiheitliche Demokratie ablehnt, sollte hier Asyl erhalten und niemand, der die Scharia über das Grundgesetz stellt, sollte hier eingebürgert werden.  Dabei geht die Gefahr weniger von den Schutzsuchenden aus, die unter dem Grundgesetz freier leben können als unter der Scharia und die selbst die ersten Opfer frühkindlicher Indoktrination waren, die Gefahr geht von den gut organisierten und ferngesteuerten Imamen aus, die hier einen Gottesstaat gemäß dem Koran errichten wollen, weil Allah und Erdogan es so gebieten und unser Staat das in seiner ideologischen Blindheit großzügig fördert. 

Hitler

War Hitler ein Christ oder ein Oportunist?

Seit mindestens 5000 Jahren versuchen Herrscher ihre Herrschaft mit göttlicher Autorität zu legitimieren, von den ägyptischen Pharaonen über die Herrscher Mesopotaniens, der Perser, der Assyrer, vom christlichen Abendland, bis nach China, Japan und Amerika. Siehe dazu meinen Artikel über die Könige von Gottes Gnaden.

Auch in der Gegenwart versuchen Diktatoren und Staatsmänner, wie Erdogan, Putin, Modi, Trump… göttliche Unterstützung zu erhalten, indem sie eine besondere Nähe zu Gott oder den Göttern zeigen oder nur vortäuschen.

Wie hielt es der deutsche Diktator Adolf Hitler mit der Religion?

Historiker sind sich einig, dass Hitler seine Religion öffentlich instrumentalisiert hat. Ob er „privat gläubiger Christ“ war, ist umstritten. Die Quellenlage ist widersprüchlich.

  1. Was er öffentlich gesagt hat

In Reden bis ca. 1937/38 bezog er sich oft positiv auf „Vorhersehung“, „Gott“, „christliche Werte“ und den Kampf gegen den „gottlosen Bolschewismus“. Die NSDAP schrieb 1920 in Punkt 24 des Parteiprogramms: „Die Partei vertritt den Standpunkt eines positiven Christentums“. Das war strategisch: Über 90% der Deutschen waren 1933 katholisch oder evangelisch. Ohne die Kirchen konnte er keine Macht gewinnen.

  1. Was aus privaten Quellen überliefert ist:

Ab Mitte der 1930er wird sein Ton in internen Gesprächen kritischer. Die „Tischgespräche im Führerhauptquartier“ – Notizen von Bormann/Picker – zeigen ihn ab 1941 sehr ablehnend gegenüber Christentum und Kirchen. Er sah das Christentum als „jüdischen Schwindel“ und „schwächend“. Öffentlich hat er das nie so gesagt.

Seine Erziehung: Getauft und gefirmt als Katholik in Österreich, Ministrant. Später trat er formal nicht aus der Kirche aus, ließ sich aber auch nicht kirchlich trauen. Privat soll er sich eher als „deistisch“ bezeichnet haben – Glaube an eine höhere Vorsehung, in der er eine besondere Rolle spielt, aber nicht an die Bibel / Kirche.

  1. Einschätzung der Historiker

Die Mehrheit sieht ihn als Opportunisten/strategischen Nutzer der Religion

– Solange er die Kirchen für Machterhalt brauchte, nutzte er die christliche Sprache.

– Sein langfristiges Ziel war laut Kershaw, Longerich u.a. eine „Entchristlichung“ Deutschlands und Ersatz durch einen völkischen Kult um „Blut, Boden, Rasse“. Letzlich wollte er sich selbst in den Mittelpunkt dieser Verehrung stellen. Quasi als der neue Gott.

– „Gottgläubig“ war die NS-Formulierung für Leute die aus der Kirche austraten, aber nicht atheistisch sein wollten. Hitler ließ sich so bei seiner Eheschließung mit Eva Braun eintragen.

Fazit: Öffentlich = christliche Rhetorik als Machtinstrument. Privat = sehr kritisch bis ablehnend gegenüber dem institutionellen Christentum. „Überzeugter Christ“ im kirchlichen Sinn war er nach heutigem Forschungsstand nicht.

Hitler sprach von Gott. Von Vorsehung. Vom Christentum.

Aber er glaubte nicht — er benutzte die Religion.

Wer die Sprache des Glaubens spricht, gewinnt Vertrauen, ohne sich rechtfertigen zu müssen.

Religion verleiht Macht, einen moralischen Anstrich. Und genau das machte sie für ihn und alle, die sie benutzen wertvoll.

Hinter verschlossenen Türen zeigte sich ein anderes Bild.

Das Christentum erschien ihm als:

  • schwach
  • lebensfeindlich
  • hinderlich im Kampf

________________________

Hitler war kein Atheist

Zum Symbol seiner Partei „erhob er das Hakenkreuz. Es war ihm aus seiner Grundschulzeit im Kloster Lambach (1896-1898) vertraut, zierte es doch Wappen, Ring und Kanzel des von ihm hochverehrten Benediktiner-Abtes.“ Tischgespräche Dr. Henry Picker

Hitler war kein Atheist. Hitler hat sich von Anfang (Mein Kampf) bis zum Ende (Tischgespräche) als Werkzeug und Vorsehung Gottes gefühlt.

Hitler war katholisch getauft, glaubte von Kindheit an bis zum bitteren Ende an einen Schöpfergott, dem er schließlich auch seine Legitimation als gottgesandter Führer, als göttliche Vorsehung, quasi als „Führer von Gottes Gnaden“ zu verdanken hatte. Er blieb bis zu seinem Tod Mitglied der katholischen Kirche. Ein Atheist war er nie, aber ein Kirchenkritiker. Die Katholische Kirche und seine Bewegung, die NSDAP, waren dennoch Brüder im Geiste. Die hierarchischen Strukturen der Kirche lobte er über alles, während er die Demokratie verachtete. In beiden Bewegungen ging es um Befehl und Gehorsam, um blinden Glauben und göttliche Vorsehung für einen Führer und ein auserwähltes Volk. Es ging nicht um das Glück des Individuums im Diesseits, sondern um das Opfer des Individuums für eine höhere Sache, das Volk, bzw. das Seelenheil im Jenseits.

Er war sich sicher: Vom Schöpfer des Universums war ihm eine Mission zugewiesen worden. Eine Mission, für die das deutsche Volk unter seiner Führung heranzureifen habe.

„Allmächtiger Gott, segne dereinst unsere Waffen; sei so gerecht, wie du es immer warst; urteile jetzt, ob wir die Freiheit nun verdienen; Herr, segne unseren Kampf!“ Aus Mein Kampf

Wo es um Kampf geht, braucht man auch einen klar definierten Feind. Das waren die Juden, die Bolschewisten, die Demokraten, die Freidenker. 1933 wurden die säkularen Verbände von den Nationalsozialisten zerschlagen. In ihrem Büro in Berlin richteten die Nazis eine „Wiedereintrittsstelle“ der evangelischen Kirche ein. Ihr Kopf Max Sievers wurde 1944 von Roland Freisler hingerichtet.

Schon 1925 formulierte er in Mein Kampf eines seiner Ziele: „So glaube ich heute im Sinne des allmächtigen Schöpfers zu handeln: Indem ich mich des Juden erwehre, kämpfe ich für das Werk des Herrn.“

Wir tolerieren niemanden in unseren Reihen, der die Ideen des Christentums angreift. Unsere Bewegung ist christlich. Hitler 27.10.1928 Passau.

Atheismus in der SS war verboten; 95% der deutschen Bevölkerung war evangelisch oder katholisch.

Hitler leistet seinen Eid: „Ich schwöre bei Gott“

„Meine christlichen Gefühle leiten mich, ein Kämpfer zu sein, für meinen Herrn und Erlöser.“

Papst Pius XI. lobte Hitler in mehreren Audienzen als Vorkämpfer.

Kardinal Faulhaber begrüßte in einem Schreiben an die bayerischen Staatsminister, München, 5.5.1933 „… dass sich im öffentlichen Leben unter der neuen Regierung manches gebessert hat: Die Gottlosenbewegung ist eingedämmt, die Freidenker können nicht mehr offen gegen Christentum und Kirche toben, die Bibelforscher können nicht mehr ihre amerikanisch-kommunistische Tätigkeit entfalten“

Schon mit einer Rede auf einer NSDAP-Versammlung in München am 9.1.1922, ( Polizeibericht. In: Schirrmacher, Thomas. Kriegsreligion. Band 2.) fängt Hitler die Kirchen, wenn er sagt: Das Werk, welches Christus angefangen habe, aber nicht beenden konnte, werde er (Hitler) zu Ende führen. Der Nationalsozialismus sei nichts anderes als eine praktische Befolgung der Lehre Christi.“

„Gott beschütze unseren Führer und seine Mitregierenden und unsere Wehrmacht zu Lande, zu Wasser und in der Luft“, das hörte man jeden Sonntag in den Kirchen während des Krieges.

Und noch am 8. November 1943 propagierte Hitler, mehr als neun Monate nach der Niederlage von Stalingrad, im Münchener Löwenbräukeller seinen Glauben an die Vorsehung, die ihn ausersehen habe als Führer der arischen Rasse und des deutschen Volkes auf dem Weg zur Weltherrschaft: „Auch ich bin religiös, und zwar tief innerlich religiös. Und ich glaube, dass diese Vorsehung die Menschen wägt, und dass derjenige, der vor den Prüfungen und unter den Prüfungen der Vorsehung nicht bestehen kann, der an ihnen zerbricht, dass der von der Vorsehung nicht bestimmt ist zu Größerem, dass das eine in der Natur gegebene Notwendigkeit ist, dass nur aus einer Auslese die Stärkeren übrigbleiben.“ Tischgespräche

Nach dem Attentat vom 20 Juli 1944 stellte er fest: „Es lag in der Hand der Vorsehung, am 20. Juli durch die Bombe, die eineinhalb Meter neben mir krepierte, mich auszulöschen und damit mein Lebenswerk zu beenden. Dass mich der Allmächtige an diesem Tag beschützte, sehe ich als Bekräftigung des mir erteilten Auftrages an.“

Hitler kritisierte zwar die Kirchen und ihre Dogmen „Durch Evolution werde seines Erachtens die Kirche in ihrer heutigen Form und Aussage überwunden werden; sie werde «abfaulen wie ein brandiges Glied» blieb aber bis zu seinem Tode auf seine Art religiös, Kirchenmitglied und „gottgläubig“. Er zwang Bormann zur Rücknahme eines Parteierlasses über die «Unvereinbarkeit von Nationalsozialismus und Christentum» und verspottete in unserer Runde (Picker) den Partei-Ideologen Alfred Rosenberg und den Reichsführer SS Himmler wegen ihrer selbstgebastelten «Germanen-Mythen» als «spinnerige Jenseitsapostel». Hitler war aber zutiefst davon überzeugt, dass die Religion der Zukunft nur auf einem Gottesbegriff beruhen könne, der dem menschlichen Geist zugänglich und mit den jeweiligen wissenschaftlichen Erkenntnissen einer Zeit in Einklang zu bringen sei und der klar auf den Natur- und Lebensgesetzen basiere. Christus war für Hitler eine einzigartige religiöse und historische Persönlichkeit und als Galiläer ein «Arier», der in seiner Ethik und religiösen Verkündung der Menschheit zeitlose Werte gesetzt hatte. Aber die christlichen Kirchen hatten nach Hitlers Ansicht in ihrem jeweiligen kirchlichen Eigeninteresse die Lehren Christi uminterpretiert und dadurch «entstellt».

Aber nicht Unglaube oder Atheismus dürfe an ihre Stelle treten, sondern nur ein «Glaube, der den Menschen die Religion als Demut vor der göttlichen Schöpferkraft» lehre (Tischgespräche Nr. 9, 11 und 30 Dr. Henry Picker).

Der Nationalsozialismus war selbstverständlich eine Religion mit Führer von Gottes Gnaden (Hitler), unfehlbarer, heiliger Schrift Bibel (Mein Kampf), Apostel (Himmler, Goebbels, Göring, Hess, Bormann, Heydrich, Speer, Röhm, Eichmann,  Hölle (KZ für rassisch Minderwertige) und Erlösung (Weltherrschaft der germanischen Rasse).

Faschismus und Katholizismus

Faschismus und kath. Christentum haben gemeinsam: die Hierarchische Ordnung und das Führerprinzip; gegen Liberalität und Individualität; Glauben und Gehorchen sind Tugenden; Denken ist verboten; der Führer befiehlt, die Herde hat blind zu folgen. Gemeinschaft ist wichtiger als Individualität. Die Menschheit wird eingeteilt in Rechtgläubige Anhänger und Falschgläubige Gegner. Das Leben im Diesseits muss einem höheren Ziel geopfert werden, weil es ohnehin nichts wert ist; erst nach dem (Helden)tod bekommt der Mensch seinen Lohn.

Ein gerechter Staat kann nicht auf irrationalem Glauben, sondern muss auf vernünftigen Prinzipien gründen! Die jahrhundertelange Erziehung der Deutschen unter dem Chrtistentum zum Glauben und Gehorchen war der beste Nährboden für eine auf Irrationalität gegründete Diktatur.

1848

Die Märzrevolution von 1848 und ihre Helden Robert Blum, Friedrich Hecker, Gustav Struve und Carl Schurz

Die Märzrevolution von 1848 in den deutschen Staaten hatte mehrere tiefgreifende Ursachen, die sich über Jahre – teils Jahrzehnte – aufgebaut hatten. Man kann sie gut in politische, soziale, wirtschaftliche und ideelle Ursachen gliedern:

Politische Ursachen

  • Fehlende politische Mitbestimmung: Die meisten deutschen Staaten waren monarchisch regiert, Parlamente hatten kaum Macht.
  • Unterdrückung durch das „System Metternich“: Nach dem Wiener Kongress 1815 wurden liberale und nationale Bewegungen stark überwacht und unterdrückt (z. B. durch die Karlsbader Beschlüsse von 1819).
  • Zensur und Repression: Pressefreiheit gab es praktisch nicht, oppositionelle Stimmen wurden verfolgt.

Soziale und wirtschaftliche Ursachen

  • Soziale Not durch Industrialisierung: Viele Handwerker und Arbeiter verarmten, traditionelle Berufe gingen verloren.
  • Bevölkerungswachstum: Mehr Menschen konkurrierten um Arbeit und Nahrung.
  • Missernten 1845–1847: Führten zu Hungerkrisen und steigenden Lebensmittelpreisen.
  • Frühe Arbeiterbewegung: Forderungen nach besseren Lebens- und Arbeitsbedingungen wurden lauter.

Ideelle und geistige Ursachen

  • Liberalismus: Forderung nach Grundrechten, Verfassungen und Bürgerfreiheit.
  • Nationalismus: Wunsch nach einem einheitlichen deutschen Nationalstaat statt vieler Einzelstaaten.
  • Vorbild Frankreich: Die Februarrevolution 1848 in Paris wirkte als unmittelbarer Auslöser – sie zeigte, dass ein Umsturz möglich war.
  • Frühere Bewegungen: Ereignisse wie das Hambacher Fest (1832) hatten die Ideen von Freiheit und Einheit bereits verbreitet.

Unmittelbare Auslöser (1848)

  • Nachrichten von der Revolution in Paris verbreiteten sich schnell.
  • In vielen deutschen Städten kam es zu Massendemonstrationen.
  • Die Bevölkerung stellte die sogenannten „Märzforderungen“ (Pressefreiheit, Verfassungen, nationale Einheit usw.).
  • In Städten wie Berlin und Wien eskalierte die Lage zu Barrikadenkämpfen.

Zusammengefasst

Die Märzrevolution entstand aus einem Zusammenspiel von langfristiger Unzufriedenheit und akuten Krisen:

  • politische Unterdrückung
  • soziale Not
  • wirtschaftliche Krisen
  • neue Ideen von Freiheit und Nation

1848 war dann der Moment, in dem all diese Spannungen gleichzeitig „explodierten“.

Die Helden der Revolution

Robert Blum – der parlamentarische Weg

Blum verkörpert vor allem die politischen und ideellen Ursachen der Revolution:

  • Er kämpfte für Pressefreiheit, Grundrechte und eine Verfassung
  • Als Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung setzte er auf Reform durch Diskussion und Gesetzgebung
  • Gleichzeitig war er kein bloßer Theoretiker: In Wien stellte er sich auf die Seite der Aufständischen

Verbindung zu den Ursachen:

  • Politische Unterdrückung → sein Engagement für parlamentarische Rechte
  • Liberalismus → sein Glaube an Vernunft, Debatte und Recht
  • Nationale Frage → Einsatz für ein geeintes Deutschland

Tragik: Seine Erschießung 1848 zeigt brutal, dass selbst gemäßigte Reformversuche noch als Bedrohung galten.

Friedrich Hecker – der radikale Aufbruch

Hecker steht für die Ungeduld gegenüber den politischen Zuständen:

  • Forderte sofort die Republik statt Monarchie
  • Organisierte den berühmten Heckerzug (bewaffneter Aufstand in Baden)
  • Wollte die Revolution aktiv erzwingen, nicht nur verhandeln

Verbindung zu den Ursachen:

  • Politische Repression → Ablehnung aller Kompromisse mit Fürsten
  • Vorbild Frankreich → Glaube an den revolutionären Umsturz
  • Soziale Spannungen → Mobilisierung breiter Bevölkerungsschichten

Konsequenz: Sein Scheitern zeigt, dass die revolutionäre Energie zwar groß war, aber schlecht organisiert.

Gustav Struve – der ideologische Radikale

Struve geht noch einen Schritt weiter als Hecker:

  • Verknüpfte politische Freiheit mit sozialen Reformen
  • Rief mehrfach die Republik in Baden aus
  • War beeinflusst von frühsozialistischen Ideen

Verbindung zu den Ursachen:

  • Soziale Not → Forderung nach sozialer Gerechtigkeit
  • Liberalismus + Frühsozialismus → Verbindung von Freiheit und Gleichheit
  • Enttäuschung über gemäßigte Kräfte → Radikalisierung

Bedeutung: Struve zeigt, dass die Revolution nicht nur politisch, sondern auch sozial gedacht wurde.

Blum → Hoffnung auf Recht und Vernunft

Hecker → Drang zur Tat und zum Umsturz

Struve → Vision von sozialer und politischer Gleichheit

Carl Schurz –der späte Erfolg der Revolution

Carl Schurz gehörte 1848 nicht zu den großen Führungsfiguren der Revolution, sondern zur jungen Generation der Begeisterten. Als Student in Bonn wurde er vom liberalen und nationalen Geist erfasst und schloss sich 1849 dem badisch-pfälzischen Aufstand an. Er kämpfte in den letzten Gefechten der Revolution, unter anderem bei der Verteidigung von Rastatt.

Was wurde aus den Freiheitskämpfern?

Robert Blum – das Opfer der Reaktion

  • Blum ging im Oktober 1848 nach Wien, um die Revolution zu unterstützen
  • Nach der Niederschlagung des Aufstands wurde er verhaftet und standrechtlich erschossen
  • Das war besonders brisant, weil er als Abgeordneter eigentlich Immunität hatte

Bedeutung: Blum wurde zum Märtyrer der Freiheit. Sein Tod zeigte:

  • Selbst gemäßigte Liberale waren nicht sicher
  • Die alten Mächte waren bereit, jede Opposition gewaltsam zu brechen

Friedrich Hecker – der Emigrant

  • Nach dem Scheitern seines Aufstands musste Hecker fliehen
  • Er emigrierte in die USA (wie viele „Forty-Eighters“)
  • Dort kämpfte er später im Amerikanischen Bürgerkrieg auf Seiten der Union

Bedeutung:

  • Die Revolution exportierte ihre Ideen ins Ausland
  • Deutschland verlor viele seiner politisch engagierten Köpfe

Gustav Struve – der Unbeugsame

  • Führte auch 1849 noch einen neuen Aufstand in Baden
  • Wurde mehrfach verhaftet und eingesperrt
  • Später ebenfalls Exil in den USA, kehrte aber zurück

Bedeutung: Struve steht für die, die nicht aufgaben, aber politisch zunächst scheiterten.

Carl Schurz

Nach der Niederlage blieb ihm nur die Flucht. Wie viele andere „Forty-Eighters“ verließ er Deutschland – nicht aus politischer Distanz, sondern aus politischer Notwendigkeit. Doch im Gegensatz zu vielen blieb er nicht bedeutungslos. In den Vereinigten Staaten fand er ein politisches System, das seine Fähigkeiten aufnahm.

Dort stieg er später bis in höchste Ämter auf, bis zum Innenminister der USA.

So zeigt Schurz eine bittere Umkehrung der deutschen Erfahrung von 1848:

Nicht die Ideen scheiterten – sondern der politische Raum, sie zu verwirklichen.
Und manche Revolutionäre wurden erst dort wirksam, wo ihre Heimat sie bereits verloren hatte.

Deutschland nach 1848 – Sieg der alten Mächte

Nach der Revolution geschah zunächst das Gegenteil dessen, was viele erhofft hatten:

Kurzfristig:

  • Die Fürsten gewannen die Kontrolle zurück
  • Die Frankfurter Nationalversammlung scheiterte
  • Die angebotene Kaiserkrone wurde von Preußens König abgelehnt
  • Der Deutsche Bund wurde wiederhergestellt

Man spricht von der „Reaktion“: Rückkehr zu alten Machtstrukturen

Langfristig:

  • Viele Ideen von 1848 verschwanden nicht:
    • Grundrechte
    • nationale Einheit
    • Verfassung
  • 1871 entstand das Deutsche Reich – aber:
    • „von oben“, durch Otto von Bismarck
    • nicht demokratisch, sondern unter preußischer Führung

Bedeutung: Die Ziele der Revolution wurden teilweise erfüllt, aber ohne echte Volkssouveränität.

Die Revolution von 1848 scheiterte nicht an ihren Ideen, sondern an der Machtfrage.

Robert Blum glaubte an Recht und Parlament. Er wollte Freiheit durch Argumente erzwingen. Seine Erschießung in Wien machte die Grenze sichtbar: Wo Macht bedroht ist, endet das Gespräch.

Friedrich Hecker setzte auf den Aufstand. Doch Begeisterung ersetzte keine Organisation. Sein Weg führte in die Emigration – wie der vieler anderer, die Deutschland verließen, weil es ihre Freiheit nicht wollte.

Gustav Struve dachte weiter: politische Freiheit und soziale Gleichheit. Gerade deshalb scheiterte er doppelt – an den Fürsten und an der Zaghaftigkeit der Gemäßigten. Gefängnis und Exil blieben.

Deutschland selbst ging einen anderen Weg. Die Fürsten siegten, die Revolution wurde zurückgedrängt, die Freiheit vertagt.

Als die Einheit kam, kam sie nicht aus dem Volk, sondern durch Otto von Bismarck – durch Macht, nicht durch Recht.

So bleibt von 1848 eine harte Lehre:

Freiheit ohne Macht bleibt Wunsch. Macht ohne Freiheit bleibt Herrschaft.

 

Ronge

Vom katholischen Pfarrer zum Freigeist
 
Audio
 
https://rolandfakler.de/wp-content/uploads/2026/06/Ronge.mp3
 
Johannes Ronge (1813–1887), Bauernsohn aus Oberschlesien (Preußen), trug maßgeblich zur religiösen, gesellschaftlichen und politischen Aufklärung im deutschen Vormärz bei, indem er die Vernunft über kirchliche Dogmen stellte und den Deutschkatholizismus als Variante eines aufgeklärten Christentums begründete. Er übertrug die philosophischen Prinzipien der Aufklärung – wie die religiöse Selbstbestimmung und die Pflicht zum eigenen Denken – direkt in die kirchliche und soziale Praxis des 19. Jahrhunderts. [1, 2]
Seine wichtigsten Beiträge zur Aufklärung lassen sich in vier Kernbereiche unterteilen:
 
1. Kampf gegen religiösen Aberglauben und Dogmatismus
  • Kritik am Reliquienkult: Berühmt wurde der ehemals katholische Priester 1844 durch seinen „Offenen Brief“ an den Bischof von Trier. Darin prangerte er die Massenwallfahrt zum „Heiligen Rock“ als mittelalterlichen Aberglauben, Götzenfest und „Werkheiligkeit“ an. [1] Der „Heilige Rock Jesu“ ist eine Reliquie, die die heilige Helena angeblich aus Jerusalem mitgebracht haben soll.  Ronge empörte sich über diese Verdummung des Volkes. Er schrieb in einem offenen Brief an den Bischof, die Wallfahrt sei eine bewusste Täuschung ungebildeter und einkommensschwacher Menschen, denen bei der Reise ungerechtfertigte Entbehrungen abverlangt würden. Das von ihnen kassierte Opfergeld sei ein Geschäft mit dem Aberglauben, Christus habe den Gläubigen bekanntlich seinen Geist, nicht seinen Rock hinterlassen. Für diese Äußerungen wurde Ronge exkommuniziert[1)
  • Forderung nach Kirchenreformen: Er forderte die Abschaffung des Zölibats, der Ohrenbeichte, des lateinischen Gottesdienstes und der hierarchischen Vorherrschaft Roms. [1, 2]
2. Etablierung einer vernunftbasierten Religion
  • Vernunft und Wissenschaft: Nach seiner Exkommunikation gründete Ronge 1845 die deutschkatholische Bewegung. Diese basierte auf einem rationalen Religionsverständnis. Für Ronge musste sich Religion unter Einbeziehung von Vernunft und wissenschaftlichen Erkenntnissen ständig weiterentwickeln. [1]
  • Mündigkeit des Einzelnen: Er lehnte den traditionellen christlichen Erlösungs- und Gnadengedanken ab. Stattdessen sah er den Menschen als völlig frei und selbstverantwortlich im religiösen Bereich an. 
3. Demokratisierung der Gesellschaft
  • Sammelbecken für Liberale: Seine neu gegründeten Gemeinden organisierten sich basisdemokratisch. Laien erhielten weitreichende Mitspracherechte. Damit boten die Gemeinden ein Sammelbecken für demokratische, liberale Kräfte vor der Revolution von 1848. [1]
  • Politisches Engagement: Im Sinne der Aufklärung verknüpfte er die Befreiung des Geistes mit politischer Freiheit. Ronge verstand die demokratische Erneuerung Deutschlands als religiöse Pflicht und zog als Abgeordneter in das Frankfurter Vorparlament ein. [1]
4. Soziale Emanzipation und Bildung
  • Gleichberechtigung der Frauen: Die von ihm inspirierten Gemeinden förderten egalitäre Tendenzen. Ronge unterstützte die Gründung von Frauenvereinen, sowie die aktive Beteiligung von Frauen am Gemeindeleben. 
  • Reformpädagogik: Während seines späteren Exils in England setzte er sich gemeinsam mit seiner Frau Bertha für die Verbreitung von Fröbelschen Kindergärten ein, um eine freie, aufgeklärte Erziehung von Kindesbeinen an zu ermöglichen. 
Zusammenfassend holte Johannes Ronge die Aufklärung aus den gelehrten Studierzimmern und trug sie mitten in die bürgerliche Masse des Volkes, was ihn zu einem der populärsten Kulturreformer des deutschen Vormärz machte. 
 
Welche Rolle spielt Jesus?
 
Johannes Ronge betrachtete Jesus Christus nicht als übernatürlichen Gottessohn, sondern in erster Linie als menschliches Vorbild, Reformer und Verkünder einer Religion der Liebe und Vernunft.
Im Zuge seiner Abkehr von der römisch-katholischen Kirche und der Begründung des Deutschkatholizismus entwickelte Ronge ein rationalistisches und historisch-kritisches Christusbild, das stark von der Aufklärung geprägt war. 
Ronges Denken über Jesus lässt sich in folgenden Punkten zusammenfassen:
 
1. Ablehnung der kirchlichen Dogmen
  • Keine göttliche Natur: Ronge lehnte die traditionelle Lehre von der Dreifaltigkeit (Trinität) und die Vorstellung ab, dass Jesus im physischen Sinne Gott selbst war.
  • Kein magischer Erlöser: Er wies den klassischen Glauben zurück, dass Jesu Kreuzigung ein blutiges Sühneopfer zur Tilgung der menschlichen Erbsünde war. Für Ronge war der Mensch selbst für seine moralische Vervollkommnung verantwortlich. [1]
2. Jesus als der „Ur-Reformer“
  • Befreier vom Gesetz: Ronge sah in Jesus einen historischen jüdischen Reformer. Seiner Ansicht nach hatte Jesus die Religion zu ihren wahren, reinen Ursprüngen zurückgeführt, indem er starre Gesetze, Hierarchien und die Macht der Priesterkaste bekämpfte. [1]
  • Parallele zum Vormärz: Ronge zog eine direkte Parallele zwischen Jesu Kampf gegen die Pharisäer und seinem eigenen Kampf gegen die römisch-katholische Hierarchie und den Papst. 
3. Das moralische und menschliche Vorbild
  • Lehrer der Humanität: Für Ronge lag die Bedeutung Jesu in seiner Lehre von allgemeiner Bruderliebe, Freiheit, Licht und Wahrheit.
  • Praktisches Christentum: Er betonte, dass man Jesus nicht durch das Anbeten von Reliquien oder das Aufsagen von Dogmen nachfolgt, sondern indem man wie Jesus handelt: tolerant, sozial engagiert und vernunftorientiert. 
4. Einordnung im Leipziger Glaubensbekenntnis (1845)
Auf dem ersten Konzil der Deutschkatholiken in Leipzig wurde festgelegt, worauf sich die Bewegung einigte. Dort hieß es im Geiste von Ronges Theologie: 
  • „Wir glauben an Jesus Christus, unseren Erlöser, der uns durch seine Lehre, sein Leben und seinen Tod aus der Knechtschaft der Sünde, d. h. des Irrtums und des Bösen, zur Freiheit des Geistes erhoben hat.“
Das Wort „Erlöser“ wurde hier also rein moralisch und pädagogisch umgedeutet: Jesus erlöste die Menschen nicht durch ein Wunder, sondern indem er ihnen zeigte, wie sie durch eigenen Verstand und Nächstenliebe geistig frei werden können. 
 
Für Johannes Ronge war die Vorstellung einer Erbsünde ein überholtes, dogmatisches Konstrukt, das dem Verstand widersprach und die menschliche Freiheit blockierte. [1]
Da es in seiner Theologie keine Erbsünde gab, konnte Jesus die Menschheit auch nicht davon erlösen. 
Ronges Ablehnung dieser Lehre und seine Neudefinition von „Sünde“ und „Erlösung“ basierten auf folgenden Prinzipien:
 
1. Ablehnung der Erbsünde
  • Der Mensch ist von Natur aus gut: Die traditionelle Kirche lehrte, dass jeder Mensch durch den Sündenfall Adams bereits mit Schuld befleckt geboren wird und der göttlichen Gnade bedarf. Ronge und die Deutschkatholiken lehnten diese Idee radikal ab. 
  • Vernunftwidrig: Für Ronge widersprach es der göttlichen Gerechtigkeit, Menschen für Taten zu bestrafen, die sie nicht selbst begangen hatten.
2. Was bedeutete „Sünde“ für Ronge?
  • Persönlicher Irrtum statt Erbfluch: Sünde war für ihn keine vererbbare, metaphysische Last, sondern ganz konkret Ignoranz, mangelnde Vernunft, Egoismus und das Beharren auf Irrtümern.
  • Unmündigkeit: Wer nicht selbst dachte und sich blind kirchlichen Dogmen oder Aberglauben (wie dem Reliquienkult) unterwarf, lebte für Ronge im Zustand der Sünde. 
3. Was bedeutete „Erlösung“ durch Jesus?
Weil die Sünde kein magischer Fluch war, brauchte es auch kein magisches Blutopfer am Kreuz, um sie abzuwaschen. Erlösung bedeutete bei Ronge stattdessen „Befreiung des Geistes“. 
  • Erlösung durch Aufklärung: Jesus erlöste die Menschen, indem er ihnen eine Lehre der Liebe, der Freiheit und der Gleichheit brachte. Er befreite sie aus der geistigen Knechtschaft des damaligen Establishments.
  • Hilfe zur Selbsthilfe: Jesus ist nicht der Erlöser, der stellvertretend die Strafe für die Menschen bezahlt. Er ist der Wegweiser. Die eigentliche Arbeit der Erlösung – das moralische Handeln und das rationale Denken – muss jeder Mensch durch seinen eigenen freien Willen selbst leisten. 
Zusammenfassend: Bei Ronge mutiert die Erlösung von einem übernatürlichen, göttlichen Akt (Rettung vor der Hölle/Erbsünde) zu einem pädagogischen und gesellschaftlichen Prozess (Bildung, Vernunft und moralischer Fortschritt).
Für Johannes Ronge war Gott kein persönlicher Herrscher auf einem Himmelsthron, sondern ein unendlicher, unpersönlicher Weltgeist – die „Urvernunft“ und schöpferische Urkraft, die das Universum und die Menschheit durchdringt. 
 
Wer ist Gott?
 
Sein Gottesbild war zutiefst von der Aufklärung, dem Idealismus und dem sogenannten Rationalismus geprägt. Ein berühmtes Zitat, das unter Ronges Porträts gedruckt wurde, fasst seine Sichtweise zusammen: „Gott ist ein Geist, und wer ihn anbetet, soll ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten“ (nach Johannes 4,24). 
Ronges Gottesbegriff lässt sich durch folgende Kernmerkmale beschreiben:
 
1. Gott als der „Weltgeist“ und die „Urvernunft“
Ronge löste sich von der traditionellen christlichen Vorstellung eines vermenschlichten Gottes (Gott als alter Mann mit Bart), der willkürlich Strafen verteilt oder Wunder wirkt.
  • Gott im Menschen: Für Ronge manifestiert sich Gott in der menschlichen Vernunft und im Gewissen. Wenn der Mensch logisch denkt, nach Wahrheit strebt und moralisch gut handelt, lässt er den göttlichen Geist in sich wirken. 
  • Gott in der Natur: Gott zog sich für Ronge nicht nach der Schöpfung zurück, sondern er lenkt die Welt durch die von ihm geschaffenen, vernünftigen Naturgesetze.
2. Ablehnung des „göttlichen Despoten“
Ronge bekämpfte vehement das Gottesbild der damaligen römisch-katholischen Kirche, das er als Instrument zur Unterdrückung des Volkes ansah.
  • Keine Angstreligion: Er lehnte einen Gott ab, vor dem man Angst haben müsste, der mit der Hölle droht oder der durch den Kauf von Ablässen und das Anbeten von Reliquien (wie dem Heiligen Rock) besänftigt werden müsste. [1]
  • Keine Willkür: Gott greift laut Ronge nicht durch magische Wunder in den Alltag ein, um Naturgesetze zu brechen. Das Gebet diente für ihn nicht dazu, Gott um eine Planänderung zu bitten, sondern das eigene Gewissen zu reinigen.
3. Gott fordert die Freiheit des Menschen
Im traditionellen Glauben ist der Mensch ein sündiges, ohnmächtiges Wesen, das völlig von Gottes Gnade abhängig ist. Ronge drehte dieses Verhältnis um: 
  • Gott will mündige Menschen: Da Gott dem Menschen die Vernunft geschenkt hat, ist es die höchste Pflicht des Menschen, diese auch zu benutzen. [1]
  • Demokratie als Gottes Wille: Für Ronge war der Kampf für Freiheit, Menschenrechte und Demokratie ein zutiefst religiöser Akt. Wer für gesellschaftliche Gerechtigkeit kämpfte, erfüllte den Willen des göttlichen Weltgeistes. 
Zusammenfassung
Im offiziellen Glaubensbekenntnis der von Ronge mitbegründeten Deutschkatholiken (Leipzig 1845) einigte man sich nüchtern auf den Satz: „Wir glauben an Gott den Vater, welcher durch sein allmächtiges Wort die Welt erschaffen hat und sie in Weisheit, Gerechtigkeit und Liebe regiert.“ Doch hinter dem Begriff „Vater“ steckte für Ronge kein patriarchaler Herrscher, sondern die Liebe und die Vernunft als Urprinzipien der Welt. 
 
Kritik
Radikale Denker und Philosophen: Kritik von links
Interessanterweise erntete Ronge auch Kritik von den radikalsten Denkern seiner Zeit, den sogenannten Junghegelianern (wie Karl Marx oder dem Religionsphilosophen Ludwig Feuerbach). 
  • Kritik an der Inkonsequenz: Für diese radikalen Aufklärer ging Ronge nicht weit genug. Feuerbach argumentierte damals bereits, dass Gott ohnehin nur eine Projektion des menschlichen Geistes sei.
  • Die „halbe Sache“: Aus Sicht der extremen Linken versuchte Ronge bloß, eine alte, sterbende Religion künstlich zu modernisieren, anstatt die Menschen komplett vom religiösen Glauben zu befreien. Karl Marx sah in Ronges religiöser Bewegung eher ein Ablenkungsmanöver von den eigentlichen, harten wirtschaftlichen Problemen der Arbeiterklasse.
  • Heutige Aufklärer würden auch fragen: War der Bibeljesus, der alle, die nicht an ihn glauben, in die ewige Hölle schickt, tolerant? War der Austreiber böser Geister, der Wunder wirkte, unfruchtbare Feigenbäume verfluchte, vernunftorientiert? [1, 2] Können wir überhaupt wissen was Jesus gesagt hat, wenn die Kirche ihn von Anfang an für ihre Machtinteressen missbraucht und verfälscht hat?
  • Kann ein allmächtiger Gott die Welt erschaffen haben und regiert er sie in Weisheit, Gerechtigkeit und Liebe? [1]  Man könnte bei Betrachtung des Weltgeschehens zu anderen Schlüssen kommen.
Die staatliche Obrigkeit und die Fürsten sahen in Johannes Ronge und seiner Bewegung eine massive, hochgefährliche politische Bedrohung. Sie betrachteten seine religiösen Reformen keineswegs als harmlose Kirchenaustrittswelle, sondern als getarnte politische Rebellion, die das Fundament ihrer absolutistischen Herrschaft untergrub.
Im Deutschen Bund des Vormärz galt das Prinzip: „Thron und Altar“ gehören unzertrennlich zusammen. Die Fürsten legitimierten ihre Macht über das Gottesgnadentum und die treue, gehorsame Unterwerfung der Kirchenmitglieder. Wer die Struktur der Kirche angriff, griff damit automatisch auch die Herrschaft der Fürsten an.
Die Reaktion der Regierungen und Fürsten war daher von harter Repression und Überwachung geprägt:
 
1. Das Verbot der Bewegung
  • Bayern und Österreich vornweg: In streng katholischen Staaten wie Bayern und dem Kaiserreich Österreich wurde die deutschkatholische Bewegung sofort verboten. Wer sich Ronges Bewegung anschloss, verlor seine bürgerlichen Rechte, Beamte wurden entlassen.
  • Preußen als Zauderer: Das protestantische Preußen zögerte anfangs, da man die Schwächung der katholischen Kirche zunächst nicht ungern sah. Doch als Friedrich Wilhelm IV. erkannte, dass Ronges Gemeinden basisdemokratische Keimzellen waren, griff auch Preußen hart durch und schränkte die Bewegung massiv ein.
2. Angst vor der „Graswurzel-Demokratie“
Was den Fürsten die größte Angst einjagte, war die Organisation der neuen Gemeinden:
  • In den deutschkatholischen Gemeinden gab es keine Bischöfe oder Fürsten, die Befehle erteilten. Die Mitglieder wählten ihre Pfarrer selbst und entschieden demokratisch über alle Belange unter Einbeziehung von Laien und Frauen.
  • Für die Geheimpolizei der Fürsten war völlig klar: Wer sonntags in der Kirche die Demokratie übt, fordert am Montag die Abschaffung der Monarchie. Die Gemeinden wurden als politische Klubs unter dem Deckmantel der Religion eingestuft.
3. Zensur und Reiseverbote
  • Polizeiliche Überwachung: Ronges Schriften wurden von den staatlichen Zensurbehörden streng überwacht und oft beschlagnahmt.
  • Reisebeschränkungen: Wenn Ronge durch Deutschland reiste, um Gemeinden zu gründen, wurde er von Spionen verfolgt. Mehrere Bundesstaaten erteilten ihm Einreise- oder Redeverbote, um zu verhindern, dass er die Massen politisch anheizte.
Das bittere Ende nach 1848
Die Befürchtungen der Fürsten bewahrheiteten sich: Als 1848 die Märzrevolution ausbrach, standen Ronge und seine Anhänger in den vordersten Reihen der demokratischen Bewegung. Ronge selbst wurde Abgeordneter. 
Als die Revolution scheiterte und die Fürsten die Macht zurückeroberten (die Phase der Reaktion), gingen sie mit voller Härte gegen die Bewegung vor: Gemeinden wurden zwangsaufgelöst und Johannes Ronge musste ins Exil nach England fliehen, um einer Verhaftung zu entgehen. 
 
Nach dem Scheitern der Märzrevolution von 1848/49 und dem harten Durchgreifen der Fürsten verlief die Entwicklung in Deutschland für die Bewegung und für Johannes Ronge persönlich in getrennten, aber prägenden Phasen. Gewalt siegte über Vernunft, aber die Ideen der Freigeisterei waren nicht mehr aus der Welt zu schaffen.
 
1. Die Bewegung im Untergrund und der Übergang zu den „Freireligiösen“
Da die deutschkatholischen Gemeinden politisch als hochgradig verdächtig galten, wurden sie in den 1850er-Jahren (der sogenannten Reaktionsära) massiv verfolgt, drangsaliert oder direkt verboten. Die Bewegung überlebte jedoch, indem sie sich inhaltlich anpasste:
    • Die Fusion von 1859: Da ein Zurück in die traditionellen Kirchen unmöglich war, schlossen sich die verbliebenen Deutschkatholiken 1859 in Gotha mit den liberalen protestantischen „Lichtfreunden“ zusammen.
    • Geburt der Freireligiösen: Aus diesem Zusammenschluss entstand der Bund freier religiöser Gemeinden (heute bekannt als Freireligiöse). Sie legten das Etikett „katholisch“ endgültig ab, strichen den Dogmenzwang komplett und verstanden sich fortan als eine Gemeinschaft, die auf rein humanistischen Werten, Aufklärung und freier Geistigkeit basierte. Diese Gemeinden existieren in Deutschland in kleinerer Form bis heute.
2. Johannes Ronges Rückkehr aus dem Exil
Nachdem er über ein Jahrzehnt im Londoner Exil verbracht und dort mit seiner Frau Bertha Pionierarbeit bei der Verbreitung von Fröbelschen Kindergärten geleistet hatte, wendete sich das Blatt im Jahr 1861: 
  • Die Amnestie (1861): Im Zuge einer politischen Entspannung in Preußen wurde eine Amnestie für die „48er-Revolutionäre“ erlassen. Ronge durfte legal nach Deutschland zurückkehren.
  • Verlust des Einflusses: Zurück in der Heimat stellte er fest, dass die Welt sich weiterbewegt hatte. Er zog nach Frankfurt und später nach Darmstadt. Er versuchte zwar, eine „Deutsche Nationalkirche“ ins Leben zu rufen, konnte aber nie wieder an die massenhafte, popstarähnliche Begeisterung aus der Zeit vor 1848 anknüpfen. In den neuen freireligiösen Strukturen spielte er organisatorisch keine führende Rolle mehr. Er engagierte sich allerdings noch stark gegen den aufkommenden Antisemitismus.
Johannes Ronge verstarb schließlich 1887 während einer Reise in Wien. Auch wenn seine Vision einer großen deutschen Nationalkirche scheiterte, blieb sein Erbe über die freireligiösen Gemeinden und die Etablierung des modernen Kindergartenwesens in Deutschland bis in die Gegenwart sichtbar. [1] Auf seine freigeistigen Ideen berufen sich heute die Humanisten in Deutschland und weltweit.
 
Für mich stellt sich abschließend die Frage: 
Was wäre der Welt und Deutschland erspart geblieben, hätten die Revolutionäre schon 1848 gesiegt? Seit Konstantin steht die Katholische Kirche auf seiten der Verfolger. 1933 hat sie nochmal versucht, sich mit dem NS-Regime ihre Macht zu sichern und heute hofiert sie den Islam für gemeinsame Privilegien und Machtinteressen, auf Kosten der Unmündigkeit des Volkes, dem weiterhin Dogmen und Märchen als Wahrheiten gelehrt werden sollen.
 
Siehe meine Gedanken über die Religion.
 
Quellen: 
 
 

Reichtum der Kirche

Reichtum der Kirche

Über Jahrhunderte hinweg war die katholische Kirche nicht nur eine religiöse Institution, sondern auch eine machtvolle politische und wirtschaftliche Organisation. Kritiker werfen ihr vor, ihren enormen Reichtum oft mit fragwürdigen Methoden aufgebaut und gesichert zu haben.

Hinter einem Schein von Wohltätigkeit verbarg sich die wahre Unmenschlichkeit und Geldgier dieser Kirche…und so wäre es immer geblieben, wenn sie nicht ihre Macht verloren hätte und wenn nicht Aufklärer, hinter die Fassade geschaut hätten.

Unrechtmäßiger Besitz von Kirche und Adel. Es kommt doch darauf an, dass die Adligen genauso wie die Kirche, ihre Güter in einer Zeit an sich gerafft haben, als das Volk sich in unmündiger und rechtloser Stellung befand und für den Wohlstand dieser Herren gleichsam Sklavenarbeit leisten musste. Die Gesellschaftsordnung, in der diese ungerechte Verteilung der Güter möglich war, schufen diese oberen Stände: Adel und Geistlichkeit.

Man muss sich fragen, wie die Kirche – insbesondere die katholische – von der Erhebung des Christentums zur Staatsreligion unter Kaiser Theodosius im Jahr 380 bis zur Reformation 1517 und darüber hinaus, zu einer der reichsten und mächtigsten Institutionen Europas werden konnte.

Zu den wichtigsten Quellen ihres Reichtums gehörten:

  • staatliche Privilegien bereits seit Konstantin, darunter Steuerfreiheit und umfangreiche Landschenkungen;
  • Erbschaften und Spenden von Witwen und Adligen, denen Himmel und Hölle eindringlich vor Augen geführt wurden;
  • Drohungen mit Hölle und Fegefeuer sowie der Ablasshandel, bei dem Gläubige glaubten, sich durch Gebete oder Geldzahlungen von Sünden freikaufen zu können;
  • der Verkauf kirchlicher Ämter (Simonie);
  • Handel mit echten und gefälschten Reliquien;
  • Wundererzählungen und Wallfahrten, die oft erheblichen finanziellen Gewinn brachten;
  • Urkundenfälschungen zur Erweiterung kirchlichen Besitzes, etwa die gefälschte „Konstantinische Schenkung“, mit der der Kirchenstaat legitimiert wurde;
  • Ausbeutung von Sklaven, Leibeigenen, Klosterpersonal und abhängigen Bauern;
  • Kriegszüge und Eroberungen gegen Alemannen, Sachsen, Albigenser und andere Gruppen sowie Beteiligung an kolonialer Expansion, Sklavenhandel und Goldraub;
  • Verfolgung von Juden, sogenannten Ketzern und angeblichen Hexen durch die Inquisition – häufig verbunden mit Enteignung und Vermögenseinzug;
  • verpflichtende Zehntabgaben und weitere wirtschaftliche Belastungen der Bevölkerung.

Zusammengefasst sehen Kritiker die Geschichte der Kirche geprägt von Machtpolitik, wirtschaftlicher Ausbeutung und religiöser Einschüchterung – verbunden mit Praktiken wie Sklaverei, Leibeigenschaft, Ämterverkauf, Reliquienhandel, Urkundenfälschung, Inquisition sowie der Verfolgung von Juden und angeblichen Hexen.

Wenn man weiß, wie die kath. Kirche in fast zwei Jahrtausenden zu ihrem Reichtum gekommen ist, muss es wie Hohn in den Ohren der Opfer klingen, dass sie auch noch Entschädigung für die Ablösung der Staatsleistungen verlangt, die seit 1803 an sie gezahlt werden. 2025 waren es etwa 600 Millionen an beide Kirchen.

Staatsleistungen Google KI

Die Zahlungen von Staatsleistungen an die beiden großen Kirchen haben ihren Ursprung im frühen 19. Jahrhundert (insbesondere durch den Reichsdeputationshauptschluss von 1803). Der Staat verpflichtete sich damals, die Kirchen für die massiven Enteignungen von Kirchengütern (Säkularisation) zu entschädigen. [1, 2, 3, 4, 5]

Diese Zahlungen werden bis heute (mit Ausnahme von Bremen und Hamburg) von den Bundesländern geleistet. Die wichtigsten Eckpunkte zu diesem Thema: [1, 2]
  • Historischer Grund: Entschädigung für die Enteignung von Kirchengütern. [1, 2, 3]
  • Verfassungsauftrag: Bereits in der Weimarer Verfassung von 1919 wurde die Ablösung dieser historischen Leistungen festgelegt. Dieser Auftrag wurde in Artikel 140 des Grundgesetzes (in Verbindung mit Art. 138 der Weimarer Reichsverfassung) übernommen. [1, 2, 3, 4]
  • Aktueller Stand: Trotz des jahrzehntealten Auftrags, diese Zahlungen durch Einmalzahlungen abzulösen, ist dies bis heute nicht geschehen. Die Bundesländer überweisen daher weiterhin jährlich rund 600 Millionen Euro an die evangelische und katholische Kirche. [1, 2, 3, 4, 5]

Schuldbekenntnis

Schuldbekenntnis der katholischen Kirche

Es scheint sich in den Kirchen tatsächlich etwas zu bewegen. Erfreulich ist auch ein neues Schuldbekenntnis der katholischen Kirche – in gewisser Weise eine Ergänzung zum Stuttgarter Schuldbekenntnis der EKD von 1945. Alle Achtung.

Wir klagen uns an, dass wir – um unserer Macht willen – seit dem Konzil von Nicäa (325) von uns geschaffene Dogmen zu „göttlichen Wahrheiten“ erhoben haben. Wir klagen uns an, aus einem Wanderprediger den Sohn Gottes gemacht zu haben; dass wir – um unsere Lehre hemmungslos verbreiten zu können und dem Bischof von Rom die Vorherrschaft zu sichern – die Bibel verfälscht und auf ihr unsere Herrschaft gegründet haben.

Wir klagen uns an, unsere katholische und christliche Religion zur einzig wahren erklärt und damit unsägliches Leid sowie Verfolgung über Andersgläubige gebracht zu haben; dass uns jedes Mittel recht war, Gegner zum Schweigen zu bringen, sie zu foltern und zu vernichten – selbst wenn dabei ganze Völkerschaften zugrunde gingen.

Die Friedensbotschaft Jesu verkündend, haben wir zu Kriegen aufgerufen, wenn sie uns nützlich erschienen. Wir klagen uns an, dass es uns nicht um das Heil dieser Welt ging, nicht um das Wohl der Armen, Kranken und Benachteiligten, sondern um die Maximierung unseres Reichtums und die Absolutheit unserer Herrschaft.

Wir klagen uns an, dass wir nicht schon viel früher dogmatische Verblendung sowie Auserwähltheits- und Größenwahn als Ursachen unseres Fehlverhaltens erkannt und öffentlich eingestanden haben; dass wir die von unseren Kirchen zu verantwortenden Lügen und ungesühnten blutigen Gräueltaten nicht mutiger bekannt, das Leben der Menschen nicht treuer geachtet, uns nicht entschiedener in den Dienst der Bedürftigen und Unterdrückten gestellt und nicht leidenschaftlicher die Wahrheit gesucht haben.

Nun soll in unseren Kirchen ein neuer Anfang gemacht werden: Wir werden Mahnmale für die Opfer unserer Verblendung errichten und die Erinnerung an unsere Gräueltaten in unseren Gottesdiensten wachhalten.

Karl der Große

Zwang und Glaube:

Die Christianisierung unter Karl dem Großen

Einleitung

Karl der Große gilt als eine der bedeutendsten Gestalten der europäischen Geschichte. Er wird als Förderer von Bildung, Ordnung und christlicher Kultur dargestellt.

Doch ein zentraler Aspekt seiner Herrschaft bleibt oft im Hintergrund: Die Christianisierung seines Reiches erfolgte nicht durch Überzeugung – sondern vor allem durch Zwang und Gewalt.

Dieser Artikel beleuchtet diese oft verdrängte Seite und ordnet sie historisch ein.

Die Sachsenkriege: Eroberung und Bekehrung

Zwischen 772 und 804 führte Karl der Große einen jahrzehntelangen Krieg gegen die Sachsen.

  • Widerstand gegen fränkische Herrschaft
  • Ablehnung der Christianisierung
  • Zerstörung heidnischer Heiligtümer (Irminsul)

Nach militärischen Siegen folgten häufig Massentaufen.

Taufe bedeutete hier nicht Glaubensentscheidung – sondern Unterwerfung.

Gesetzlicher Zwang

Mit der Capitulatio de partibus Saxoniae wurde der Glaube gesetzlich erzwungen:

  • Todesstrafe für Taufverweigerung
  • Todesstrafe für Rückkehr zum alten Glauben
  • Strenge Strafen gegen religiöse Abweichung
Religion wurde damit Teil staatlicher Gewalt.

Das Blutgericht von Verden

782 ließ Karl der Große nach einem Aufstand tausende Sachsen hinrichten.

  • ca. 4.500 Tote (laut Quellen)
  • Abschreckung als Strategie
  • Gewalt als Mittel der Ordnung

Die Rolle der Kirche

Die Kirche war eng in diese Prozesse eingebunden:

  • Missionare begleiteten Feldzüge
  • Gründung von Bistümern
  • Stabilisierung der Herrschaft

Gleichzeitig gab es Kritik:

„Der Glaube ist eine freie Sache und kann nicht erzwungen werden.“ – Alkuin von York

Religion als Machtinstrument

  • Religiös: Ausbreitung des Christentums
  • Politisch: Kontrolle und Integration

Ein einheitlicher Glaube bedeutete auch eine stabilere Herrschaft.

Historische Einordnung

Im Frühmittelalter waren Religion und Politik untrennbar:

  • Glaube als Grundlage von Ordnung
  • Abweichung als Bedrohung
  • Einheit als Ziel

Fazit

Die Christianisierung unter Karl dem Großen war ein Zusammenspiel aus:

  • Glauben
  • Macht
  • Gesetz
  • Gewalt
Sie zeigt, wie eng Religion und Herrschaft historisch verbunden waren.

Ausblick

Die Fragen dieser Zeit sind bis heute relevant:

  • Kann Glaube erzwungen werden?
  • Welche Rolle spielt Religion im Staat?
  • Wo liegen die Grenzen von Macht?

Blutgericht

Blutgericht von Cannstatt (746) Machtpolitik statt christlicher Milde?

Einleitung

Das sogenannte Blutgericht von Cannstatt im Jahr 746 gehört zu den einschneidendsten Ereignissen der frühmittelalterlichen Geschichte Südwestdeutschlands. Unter der Führung von Karlmann, Onkel Karls d.Gr., wurden zahlreiche alamannische Adlige hingerichtet – nicht in einer offenen Schlacht, sondern im Rahmen einer gezielten politischen Säuberung. Dieses Ereignis wirft eine grundlegende Frage auf: Wie passt ein solches Vorgehen zu einer Zeit, die sich bereits als christlich verstand?

Was geschah in Cannstatt? Beim Blutgericht von Cannstatt ließ Karlmann, ein Sohn Karl Martells, die Führungsschicht der Alamannen zu einer Versammlung zusammenrufen. Dort wurden viele von ihnen festgesetzt und anschließend hingerichtet. Es handelte sich dabei nicht um ein spontanes Gewaltverbrechen, sondern um eine geplante Aktion mit klarer Zielsetzung:

Ausschaltung der regionalen Elite Beendigung alamannischer Eigenständigkeit Sicherung fränkischer Herrschaft

Cannstatt (heute Stuttgart) wurde so zum Schauplatz eines politischen Einschnitts. Die eigentlichen Motive: Macht, nicht Religion. 

Obwohl das Frankenreich zu dieser Zeit bereits christianisiert war, lagen die Gründe für das Vorgehen nicht primär im Religiösen.

1. Zerschlagung regionaler Autonomie Die Alamannen waren zwar Teil des Frankenreichs, verfügten jedoch über eine eigene Führungsschicht und strebten immer wieder nach Unabhängigkeit. Für Karlmann stellte dies eine dauerhafte Bedrohung dar.

2. Aufbau zentraler Herrschaft Die Karolinger waren dabei, ihre Macht systematisch auszubauen. Ziel war es, aus einem lockeren Stammesgefüge ein stärker zentralisiertes Reich zu formen. Das Blutgericht folgt dabei einem typischen Muster vormoderner Politik: Eliten ausschalten – Kontrolle übernehmen – eigene Strukturen etablieren.

3. Abschreckung als Strategie Die Hinrichtungen hatten eine klare Signalwirkung über Alamannien hinaus. Sie sollten zeigen, dass Widerstand gegen die fränkische Führung nicht geduldet wird.

4. Die Rolle der Kirche Karlmann arbeitete eng mit kirchlichen Reformern wie Bonifatius zusammen. Kirche und Herrschaft unterstützten sich gegenseitig: Die Kirche stabilisierte die politische Ordnung Die Herrschaft förderte die Christianisierung Dennoch bleibt festzuhalten: Die Gewalt diente der Machtpolitik – die Religion lieferte die Legitimation.

War das außergewöhnlich?

Das Blutgericht war ein brutaler Akt. Im historischen Kontext war es jedoch kein Einzelfall. Ähnliche Vorgehensweisen finden sich: im Römischen Reich in späteren Maßnahmen Karls des Großen (z. B. gegen die Sachsen) in vielen anderen vormodernen Reichen. Herrschaft wurde oft durch gezielte Gewalt gegen Eliten gesichert. Was sie allerdings nicht rechtfertigt und entschuldigt. 

Am Anfang der deutschen Geschichte steht dieses monströse Verbrechen, begangen vom fränkischen Adel mit Billigung der katholischen Kirche. Karlmann war sehr fromm und ging 747 freiwillig ins Kloster.

Chlodwig und der Heilige Remigius, Karlmann und der Heilige Bonifatius,

weltlich – kirchliche Doppelgespanne zur Sicherung der Macht.

Bedeutung für die Geschichte Das Blutgericht von Cannstatt hatte weitreichende Folgen: Ende einer eigenständigen alamannischen Führungsschicht stärkere Einbindung Südwestdeutschlands in das Frankenreich Grundlage für die spätere Großmachtstellung der Karolinger Ohne solche Maßnahmen wäre die Entstehung eines stabilen Großreichs kaum denkbar gewesen.

Aber warum müssen Herrscher dauernd Großreiche schaffen, geht es den Schweizern und Finnen nicht mindestens so gut wie den Russen und den Chinesen? Reiche, die nur durch Gewalt und Eroberung entstanden, sind es nicht wert erhalten zu werden.

Fazit Das Blutgericht von Cannstatt zeigt exemplarisch den Widerspruch zwischen religiösem Anspruch und politischer Realität im frühen Mittelalter. Es war kein Ausdruck christlicher Lehre, sondern ein Instrument der Macht: Nicht der Glaube bestimmte das Handeln – sondern die Logik der Herrschaft. Damit steht das Ereignis stellvertretend für ein grundlegendes Muster der Geschichte: Moralische Ideale und politische Praxis fallen oft auseinander – besonders dort, wo Macht auf dem Spiel steht.