Wie die Schwaben Christen wurden
Wie die Schwaben Christen wurden
Ab 260 haben die aus Norden kommenden Alemannen die Römer weitgehend aus dem Südwesten verdrängt, so dass die Erlasse der römischen Kaiser Konstantin 337, Theodosius I. u. II., Gratian, Justinian zur Zwangskatholisierung des Römischen Reiches wohl wenig Einfluss auf unser Land hatten. Entscheidend war, dass der Frankenkönig Chlodwig, der unter dem Einfluss seiner Frau Chrodechild und vor allem des Bischofs Remigius, bei Abwägung aller Vorteile, zum katholischen Glauben übergetreten war, nachdem er die Alemannen in der Schlacht bei Zülpich 496. besiegt und unterworfen hatte. Das Konzil von Orléans 511 hat den katholischen Glauben zur einzig gültigen Staatsreligion im Frankenreich gemacht und die germanische Religion allmählich verboten. Bis etwa 700 dürfte sich die Christianisierung im Südwesten vorangeschritten sein, erkennbar an den Begräbnissen mit Goldblattkreuzen.
Das Blutgericht zu Cannstatt war die Beseitigung des alemannischen Herzogtums durch den karolingischen Hausmeier Karlmann im Jahr 746. Die alemannischen Adligen hatten ihren Treueid auf die merowingischen Könige geschworen. Nachdem diese aber durch die karolingischen Hausmeier abgesetzt worden waren, kam es zu einem Loyalitätskonflikt. Die Alemannen wagten es, gegen die als unrechtmäßig empfundenen Karolinger aufzustehen. Karlmann, Sohn Karl Martells, zitierte daraufhin die alemannischen Adligen zu einer Thingversammlung nach Cannstatt, dort wurden sie der Untreue angeklagt und hingerichtet. So wurde der letzte Aufstand der alemannischen Herzöge gegen die fränkische Unterwerfung blutig niedergeschlagen. Bei diesem Blutgericht von Cannstatt soll der ganze alemannische Adel ausgelöscht und ihre Güter an fränkische Adlige und Klöster gekommen sein. An ihre Stellen traten nun fränkische Grafen zur Verwaltung des Reiches. Davon profitierte vor allem das Kloster Reichenbach und die Diözese Konstanz. Theutbald, der Sohn des von Karl Martell unterworfenen Lantfrid, hatte versucht, das Herzogtum zu erneuern.
1534 nach der Reformation entschied sich Herzog Ulrich, nach einem Streit mit dem kath. Kaiser, bei Abwägung aller Vorteile, den protestantischen Glauben in Württemberg einzuführen. So wurde er Herr der Kirche, konnte alle Kirchengüter einziehen und das Volk hatte sich zu fügen, gemäß dem Grundsatz: Cuius regio, eius religio (Wem das Land gehört, der kann auch über die Religion des Landes entscheiden).
So sind die Schwaben gläubige Protestanten geworden, haben ihre germanischen Götter für einen orientalischen Gott aufgegeben und glauben immer noch, dass das freiwillig war und dass sie schon immer Christen waren.
Es ist nicht leicht festzustellen, wieviel Zwang angewendet wurde, um z.B. die Alemannen von ihrem Glauben an Wotan und Freya abzubringen und sie zum Christentum zu bekehren. Chlodwig I. konnte nach dem Konzil von Orleans 511, wo der katholische Glaube als alleingültiger im Frankenreich festgelegt wurde, nicht mehr viel bewirken, weil er im selben Jahr verstarb.
Es lief wohl so wie in jeder Diktatur: Die herrschenden Franken besetzten die führenden Stellen im Staat, Rechtgläubige, also Katholiken, bekamen alle Privilegien, die Falschgläubigen, also Heiden, auch die arianischen Christen, wurden benachteiligt und entrechtet.
Man fand in den zerstörten germanischen und römischen Heiligtümern auch gefesselte Leichen und vermutet, dass es sich dabei um heidnische Priester gehandelt hat. Dass bei der Christianisierung der Alemannen, „keine Zwangsmittel“ angewendet wurden, ist auf jeden Fall falsch.
„552 berief Childebert ein weiteres Nationalkonzil nach Paris. Er erließ ein Edikt gegen das Heidentum, lebendig vor allem noch im nördlichen und östlichen Frankenreich. Er verfolgte jeden scharf, der Götterbilder an den Feldern errichtete und ihre Zerstörung durch Priester nicht litt. Er verbot sogar heidnische Gelage, Lieder, Tänze, ohne freilich die Zwangsbekehrung direkt zu fordern.“ Deschner
„Denn in der Regel gewannen die Propagandisten des Christentums erst die Großagrarier und errichteten dann auf deren Land einen Stützpunkt, hinterließen meist ein Kirchlein, Schüler – und zogen zum nächsten Herrn. Nicht allzu mühereich unterwarf man sich so viele »Barbaren«, die bald ehrfürchtig zu all den »heiligen« Priestern und Mönchen emporsahen, mächtig beeindruckt durch Exorzismen, Zeremonien, Mirakel. Gläubig übernahmen sie die so fremden Mysterien, so fremden Dogmen und dienten in scheuer Andacht diesem übermächtigen Schamanentum des Südens, anscheinend nur noch von dem Wunsch beseelt, die Kirche reich und mächtig zu machen – zum Heil der eignen Seele, aus Horror vor dem Höllenfeuer, aus Verlangen nach dem Paradies.“ Deschner