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Roland Fakler

Schuldbekenntnis

Schuldbekenntnis der katholischen Kirche

Es scheint sich in den Kirchen tatsächlich etwas zu bewegen. Erfreulich ist auch ein neues Schuldbekenntnis der katholischen Kirche – in gewisser Weise eine Ergänzung zum Stuttgarter Schuldbekenntnis der EKD von 1945. Alle Achtung.

Wir klagen uns an, dass wir – um unserer Macht willen – seit dem Konzil von Nicäa (325) von uns geschaffene Dogmen zu „göttlichen Wahrheiten“ erhoben haben. Wir klagen uns an, aus einem Wanderprediger den Sohn Gottes gemacht zu haben; dass wir – um unsere Lehre hemmungslos verbreiten zu können und dem Bischof von Rom die Vorherrschaft zu sichern – die Bibel verfälscht und auf ihr unsere Herrschaft gegründet haben.

Wir klagen uns an, unsere katholische und christliche Religion zur einzig wahren erklärt und damit unsägliches Leid sowie Verfolgung über Andersgläubige gebracht zu haben; dass uns jedes Mittel recht war, Gegner zum Schweigen zu bringen, sie zu foltern und zu vernichten – selbst wenn dabei ganze Völkerschaften zugrunde gingen.

Die Friedensbotschaft Jesu verkündend, haben wir zu Kriegen aufgerufen, wenn sie uns nützlich erschienen. Wir klagen uns an, dass es uns nicht um das Heil dieser Welt ging, nicht um das Wohl der Armen, Kranken und Benachteiligten, sondern um die Maximierung unseres Reichtums und die Absolutheit unserer Herrschaft.

Wir klagen uns an, dass wir nicht schon viel früher dogmatische Verblendung sowie Auserwähltheits- und Größenwahn als Ursachen unseres Fehlverhaltens erkannt und öffentlich eingestanden haben; dass wir die von unseren Kirchen zu verantwortenden Lügen und ungesühnten blutigen Gräueltaten nicht mutiger bekannt, das Leben der Menschen nicht treuer geachtet, uns nicht entschiedener in den Dienst der Bedürftigen und Unterdrückten gestellt und nicht leidenschaftlicher die Wahrheit gesucht haben.

Nun soll in unseren Kirchen ein neuer Anfang gemacht werden: Wir werden Mahnmale für die Opfer unserer Verblendung errichten und die Erinnerung an unsere Gräueltaten in unseren Gottesdiensten wachhalten.