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Roland Fakler

Showing posts from: September 2026

Christentum Beitrag

Welchen Beitrag hat das Christentum zur freiheitlichen Demokratie geleistet?

Laut Paulus kommt alle Obrigkeit von Gott. Damit wurde die Herrschaft der Könige von Gottes Gnaden gerechtfertigt, nicht etwa die Volkssouveränität. Jesus war der absolute Boss über gläubige Anhänger. Er schickt alle in die ewige Hölle, die seine Herrschaft nicht anerkennen wollen. Das widerspricht der Weltanschschauungsfreiheit ebenso wie das erste Gebot.

Frauen sollen sich laut Paulus den Männern unterordnen, d.h. keine Gleichberechtigung der Geschlechter.

Homosexuelle und freche Knaben verdienen laut Bibel NT den Tod.

 Die Idee der Demokratie stammt, wie die Idee der Gleichwertigkeit aller Menschen, aus der griechischen Philosophie der Stoa und wurde in der Zeit der Aufklärung weiterentwickelt, gegen die Kirchen, die stets auf Seiten der Herrschenden standen, im Bauernkrieg 1525, bei der Revolution von 1848, im Faschismus 1933, und die, wie Luther, die hierarchische Ordnung als unverrückbare göttliche Ordnung verteidigten.

Der Vatikan ist heute die letzte absolute Monarchie in Europa.

Durch Kritik und Machtverlust konnte das Christentum humanisiert und demokratisiert werden. 

Das Problem ist heute der Islam, dem klar gemacht werden muss, dass hier das Grundgesetz über der Scharia steht.

Religion – Demokratie

Wie viel Religion verträgt und braucht die Demokratie?

Meine Antwort ist eindeutig: Die Demokratie braucht keine Religion. Sie braucht Menschenrechte, Vernunft und Humanität.

Menschenrechte sind die Lehren aus der Weltgeschichte, die Leid mindern und Willkürherrschaft verhindern.

Religion darf in einer Demokratie selbstverständlich ihren Platz haben. Jeder Mensch soll glauben dürfen, was er möchte – im Rahmen unserer weltlichen Gesetze. Aber ebenso selbstverständlich muss jeder Mensch das Recht haben, nicht zu glauben.

Für mich liegt hier die Grenze: Religion darf nicht nach politischer Herrschaft und besonderen Privilegien streben. Sie darf ihre Vorstellungen in die gesellschaftliche Diskussion einbringen – aber sie darf ihre religiösen „Wahrheiten“ nicht zum staatlichen Gesetz für alle Menschen machen, denn letzlich sind die religiösen Gesetze und Dogmen auch von Menschen gemacht, vor 2000 oder 1400 Jahren im Vorderen Orient und mit wesentlich weniger Wissen.

Religion ja – religiöse Herrschaft nein

Eine Demokratie muss Christen, Muslime, Juden, Angehörige anderer Religionen und Atheisten gleich behandeln. Warum sollte eine religiöse Organisation mehr politische Rechte haben als eine säkulare, weltanschauliche Organisation?

Deutschland ist davon allerdings noch weit entfernt. Besonders die beiden großen Kirchen verfügen über zahlreiche Privilegien: Der Staat zieht die Kirchensteuer ein, konfessioneller Religionsunterricht ist an staatlichen Schulen verankert und kirchliche Einrichtungen erhalten umfangreiche öffentliche Finanzierung.

Bei Kindergärten, Krankenhäusern und Pflegeheimen muss man allerdings differenzieren. Dort wird vielfach eine konkrete gesellschaftliche Leistung finanziert und nicht einfach „die Religion“. Trotzdem stellt sich die Frage:

Warum sollte der Staat soziale Leistungen gerade über religiöse Träger organisieren und ihnen dadurch eine besondere gesellschaftliche Stellung und ein besonderes Arbeitsrecht sichern?

War das Christentum die Voraussetzung für unsere Demokratie?

Immer wieder höre ich das Argument: Unsere Demokratie beruhe auf dem christlichen Menschenbild.

Ich halte diese Aussage für nicht belegbar.

Europa war über viele Jahrhunderte eine christlich dominierte Gesellschaft. Wobei das Christentum mit sehr viel Täuschung und Gewalt verbreitet wurde. Praktisch jeder wurde zwangsgetauft und musste sich in dieser religiösen Ordnung bewegen. Deshalb waren auch viele spätere Aufklärer formal Christen oder stammten aus christlichen Familien.

Aber daraus folgt nicht, dass ihre neuen Ideen aus dem Christentum stammten. Im Gegenteil: Ein großer Teil der modernen Freiheit entstand gerade aus der Kritik und Ablehnung religiöser und monarchischer Autorität. Sie musste gegen die Kirchen erkämpft werden, beim Bauerkrieg 1525, bei der Revolution von 1848, in der Weimarer Republik 1919. 1933 standen die Kirchen wieder auf Seiten der Unterdrücker.

Die Aufklärung stellte zunehmend die Vernunft über die kirchliche Autorität, die Gewissensfreiheit über den Glaubenszwang und die Volkssouveränität über die Herrschaft „von Gottes Gnaden“.

Das moderne Menschenrecht lautet nicht: Du musst die richtige Religion haben.

Es lautet: Du hast das Recht, selbst zu entscheiden, woran du glaubst.

 Jesus war kein Demokrat

Auch Jesus wird heute manchmal rückwirkend zum Begründer unserer humanistischen Demokratie gemacht. Dafür gibt es keinen überzeugenden historischen Grund.

Jesus war kein politischer Theoretiker. Er entwickelte keine Lehre von Demokratie, Gewaltenteilung, Menschenrechten oder Volkssouveränität. Staatstheorie hat ihn nicht interessiert. Seine Verkündigung war stark von der baldigen Erwartung des kommenden Reiches Gottes geprägt.

Er lebte in einer hierarchischen Gesellschaft und trat gegenüber seinen Jüngern als religiöse Autorität auf. Er war der Boss und seine Jünger waren gläubige Zuhörer. Das ist nicht dasselbe wie ein demokratisches Menschenbild.

Natürlich gibt es in der Jesusüberlieferung Gedanken, die wir heute als human wertvoll betrachten können: die Nächstenliebe, die Barmherzigkeit, die Hilfe für Arme und Ausgegrenzte und die Forderung, sogar seine Feinde zu lieben.

Aber daneben steht der Anspruch auf religiöse Wahrheit und Erlösung. Im Johannesevangelium sagt Jesus:

„Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“

Das ist ein absoluter Wahrheitsanspruch. Er war nicht tolerant, sondern schickt alle ins ewige Feuer, die ihn nicht als Herren anerkennen. Paulus hält die Frauen für  minderwertiger, freche Knaben und Homosexuelle verdienen gemäß der Bibel NT den Tod. Das sind Werte, die unserer freiheitlichen Demokratie absolut widersprechen.

Ein moderner Humanist würde dagegen sagen: Niemand besitzt die letzte Wahrheit über das Leben, und niemand darf anderen Menschen vorschreiben, was sie glauben müssen.

Was die Demokratie wirklich braucht.

Ich bestreite deshalb nicht, dass christliche Traditionen zur europäischen Kultur und auch zur Entwicklung bestimmter ethischer Vorstellungen beigetragen haben. Aber ich bestreite, dass die Demokratie aus dem Christentum entstand. Die Wurzeln der Demokratie liegen in Griechenland und Rom. Auch die Idee der Gleichwertigkeit aller Menschen findet man schon in der griechischen Philosophi von Sokrates und den Stoikern. 

Die Demokratie braucht keine göttliche Offenbarung. Sie braucht keine Kirche, die ihr die Moral vorgibt.

Sie braucht etwas viel Einfacheres:

  • die Anerkennung der Menschenwürde,
  • die gleichen Rechte für alle,
  • Freiheit des Denkens und Glaubens,
  • Freiheit vom Glauben,
  • Vernunft und kritisches Denken,
  • Toleranz gegenüber Andersdenkenden,
  • und vor allem die Begrenzung und Kontrolle von Macht.

Diese Werte können vor allem mit der Vernunft begründet werden. Es sind die Werte, die letztlich Frieden und  Freiheit in einer gerechten Gesellschaft garantieren und Willkürherrschaft verhindern.

Die entscheidende Grenze

Für mich ist deshalb nicht die Frage entscheidend, wie viel Religion die Demokratie verträgt.

Die entscheidende Frage lautet:

Wie viel Macht darf Religion besitzen?

Das Problem ist nicht der Glaube, sondern der Machtanspruch, der meist mit dem Glauben an eine absolute Wahrheit verbunden ist.

Wer glaubt, darf glauben. Wer beten möchte, soll beten. Wer seine Religion öffentlich vertreten möchte, soll das tun können, solange er damit nicht andere stört.

Aber niemand darf sagen:

„Meine Religion ist die Wahrheit – deshalb müssen alle anderen nach meinen religiösen Regeln leben.“

Genau an diesem Punkt beginnt die Gefahr für die Demokratie.

Freiheit für den Glauben – Freiheit vom Glauben

Ich wünsche mir deshalb einen weltanschaulich neutralen Staat. Eine Trennung von Religion und Staat. Der Staat soll nicht entscheiden, welcher Gott existiert. Er soll nicht entscheiden, welche Religion die richtige ist. 

Er soll nur eines garantieren:

Jeder Mensch hat die gleiche Freiheit.

Vielleicht ist das die wichtigste Lehre aus der Geschichte: Nicht nur politische Macht muss begrenzt werden. Auch religiöse Macht muss dort ihre Grenze finden, wo sie die Freiheit anderer Menschen beschneiden will.

Die Demokratie verlangt nicht, dass wir dasselbe glauben. Sie verlangt nur, dass wir einander die gleichen Rechte zugestehen.

Das ist für mich Humanismus.

Denken statt glauben. Freiheit für den Glauben – und Freiheit vom Glauben.