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Roland Fakler

Showing posts from category: Christentum Kritik

Sklaverei

Wie wurde im Christentum die Sklaverei gerechtfertigt?

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Mehrere christliche Theologen und kirchliche Autoren haben in verschiedenen Epochen die Sklaverei gerechtfertigt oder zumindest als mit dem Christentum vereinbar angesehen.

Antike und Spätantike

Augustinus von Hippo (354–430)

  • Sah Sklaverei als Folge der Erbsünde.

  • Nicht Teil der ursprünglichen göttlichen Ordnung, aber als Strafe und Ordnungsmittel nach dem Sündenfall legitim.

  • Argumentierte, dass geistliche Freiheit wichtiger sei als äußere Freiheit.

➡️ Keine aktive Abschaffung, sondern Akzeptanz als Teil der gefallenen Welt.


Johannes Chrysostomos (ca. 349–407)

  • Kritisch gegenüber Missbrauch von Sklaven.

  • Hielt Sklaverei dennoch für sozial akzeptabel, solange Herren moralisch handelten.

  • Forderte keine institutionelle Abschaffung.


Mittelalter

Thomas von Aquin (1225–1274)

  • Übernahm aristotelische Kategorien.

  • Unterscheidung:

    • Natürliche Freiheit (alle Menschen gleich)

    • Rechtliche Sklaverei (durch menschliches Recht legitimiert)

  • Sah Sklaverei als praktisch nützlich und rechtlich zulässig, wenn auch nicht ideal.

➡️ Sklaverei als sekundäre, aber erlaubte Ordnung.


Kirchliches Recht (kanonisches Recht)

  • Erlaubte Sklaverei z. B.:

    • von Kriegsgefangenen

    • als Strafe

    • bei Nichtchristen

  • Die Kirche besaß selbst Sklaven.


Frühe Neuzeit & Kolonialzeit

Martin Luther (1483–1546)

  • Keine systematische Sklavereitheorie.

  • Betonung des Gehorsams gegenüber weltlicher Ordnung.

  • Rechtfertigte Leibeigenschaft und soziale Hierarchien theologisch.

  • Ablehnung von Bauernaufständen.

➡️ Indirekte Legitimation unfreiwilliger Arbeit.


Jean Calvin (1509–1564)

  • Akzeptierte Sklaverei als Teil der bestehenden Ordnung.

  • Berufung auf biblische Texte (z. B. Paulus).

  • Kein Aufruf zur Abschaffung.


Kolonialtheologen & Missionare (16.–18. Jh.)

Viele rechtfertigten Sklaverei mit:

  • „Zivilisierungsauftrag“

  • angeblicher religiöser Überlegenheit

  • Verweis auf biblische Texte (z. B. Fluch Hams, Eph 6,5)

Beispiele:

  • Juan Ginés de Sepúlveda (Spanien): Rechtfertigte Versklavung indigener Völker.

  • Teile der katholischen und protestantischen Kolonialtheologie.


18.–19. Jahrhundert (USA & Europa)

Protestantische Sklavereitheologen in den Südstaaten

  • James Henley Thornwell

  • Robert Lewis Dabney

Argumente:

  • Sklaverei sei biblisch erlaubt

  • Jesus habe sie nicht verboten

  • Paulus habe Sklavengehorsam gefordert

➡️ Diese Positionen wurden später von Kirchen offiziell verworfen.


Wichtig: Gegenstimmen gab es immer

Zeitgleich existierten christliche Gegner der Sklaverei, z. B.:

  • Gregor von Nyssa (4. Jh.)

  • Pelagius 4.Jh.
  • Bartolomé de las Casas

  • Quäker, Babtisten, Mennoniten, Presbyterianer, Methodisten

  • evangelikale Abolitionisten (z. B. William Wilberforce)


Fazit

  • Viele bedeutende Theologen akzeptierten oder rechtfertigten Sklaverei, meist:

    • aus Bibelauslegung

    • Anpassung an bestehende Machtstrukturen

    • sozialem Ordnungsdenken

  • Das Christentum war nie einheitlich in dieser Frage.

  • Die heutige christliche Theologie lehnt Sklaverei eindeutig und offiziell ab.

Konkrete bibelstellen

Hier sind konkrete Bibelstellen, die historisch zur Rechtfertigung oder Akzeptanz von Sklaverei herangezogen wurden. Ich ordne sie thematisch und gebe kurz an, wie sie verwendet wurden.


1. Altes Testament – explizite Regelungen zur Sklaverei

Exodus 21,2–6

„Wenn du einen hebräischen Sklaven kaufst, soll er sechs Jahre dienen …“

➡️ Wurde als Beleg genutzt, dass Sklaverei gesetzlich geregelt und erlaubt sei.


Levitikus 25,44–46

„Die Sklaven und Sklavinnen, die ihr haben werdet, sollt ihr von den Heidenvölkern kaufen … Ihr könnt sie als Erbbesitz euren Söhnen hinterlassen.“

➡️ Zentrale Rechtfertigungsstelle für dauerhafte Sklaverei von Nichtisraeliten.


Exodus 21,20–21

„Wenn jemand seinen Sklaven mit dem Stock schlägt und er stirbt … bleibt er aber noch einen oder zwei Tage am Leben, so soll er nicht bestraft werden.“

➡️ Wurde als Beleg für Eigentumsstatus des Sklaven gelesen.


2. „Fluch Hams“ – rassistische Umdeutung

Genesis 9,25

„Verflucht sei Kanaan! Ein Knecht der Knechte sei er seinen Brüdern.“

➡️ In der Neuzeit auf Afrikaner übertragen, um rassische Sklaverei zu legitimieren.


3. Neues Testament – Unterordnung statt Abschaffung

Epheser 6,5

„Ihr Sklaven, gehorcht euren irdischen Herren mit Furcht und Zittern …“

➡️ Sehr häufig zur Begründung verwendet, dass Sklaverei mit dem Christentum vereinbar sei.


Kolosser 3,22

„Ihr Sklaven, gehorcht in allem euren irdischen Herren …“

➡️ Betonung des Gehorsams ohne Forderung nach Abschaffung.


1. Timotheus 6,1–2

„Alle, die als Sklaven unter dem Joch sind, sollen ihre Herren aller Ehre wert halten …“

➡️ Besonders beliebt bei Sklavereibefürwortern im 19. Jh.


Titus 2,9

„Die Sklaven sollen sich ihren Herren unterordnen …“


1. Petrus 2,18

„Ihr Hausknechte, ordnet euch mit aller Furcht den Herren unter, nicht allein den gütigen, sondern auch den wunderlichen.“

➡️ Wurde als Rechtfertigung selbst ungerechter Behandlung gelesen.


4. Paulus und der Verzicht auf soziale Revolution

Philemon 10–16

  • Paulus schickt den entlaufenen Sklaven Onesimus zu seinem Herrn zurück.

  • Keine explizite Forderung nach Freilassung.

➡️ Argument: Apostel hätten Sklaverei nicht aufgehoben, also sei sie legitim.


1. Korinther 7,20–21

„Jeder bleibe in dem Stand, in dem er berufen wurde. Bist du als Sklave berufen worden, so sorge dich nicht darum.“

➡️ Häufig als Aufruf zur Akzeptanz des Status quo interpretiert.


5. Zusammenfassung der Rechtfertigungslogik

Diese Texte wurden genutzt, um zu argumentieren:

  • Sklaverei sei göttlich geregelt

  • Jesus habe sie nicht verboten

  • Apostel hätten Gehorsam gefordert

  • Soziale Ordnung sei wichtiger als soziale Gleichheit


Wichtiger Hinweis

Ebenso biblisch begründet wurden Gegenpositionen, z. B.:

  • Genesis 1,27 (alle Menschen im Ebenbild Gottes) Man fragt sich natürlich, warum diese Stelle erst in der Zeit der Aufklärung entdeckt wurde, denn Christen waren Meister im Menschenschinden, Inquisition, Hexenverfolgung, Verfolgung von Heiden, Juden, Ketzern.

  • Galater 3,28 („nicht Sklave noch Freier“) Gilt nur für Christen, nicht für Heiden

  • Exodus-Erzählung als Befreiungstheologie

  •  
  • Fortschritt durch Kritik

 

Sozialdarwinismus

Leserbrief im Tagblatt 2018

Das ist die Wahrheit

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Karin R. beklagte „horrende“ Vorwürfe gegen Säkulare – „bis hin zum Sozialdarwinismusverdacht“

Säkulare Humanisten stünden vor allem bei Christen unter dem Verdacht, „Sozialdarwinisten“ zu sein. Man muss nicht allen Blödsinn widerlegen wollen. Damit das aber mal geklärt ist, werde ich es trotzdem tun.

Im Gegensatz zu vielen anderen Weltanschauungen teilen die säkularen Humanisten die Menschheit nicht in Auserwählte und Verdammte, in minderwertige und hochwertige Menschen ein, sondern sie erstreben eine gerechte und lebenswürdige Welt für alle Menschen.

Der Sozialdarwinismus ist ein missverstandener Darwinismus, bei dem die angeblichen Gesetze der Natur auf die menschliche Gesellschaft übertragen wurden. „Survival of the fittest“ (Darwin) heißt aber nicht, dass der Stärkere überlebt, sondern der am besten an die Umwelt angepasste.

Der Sozialdarwinismus wurde im 19. Jahrhundert von den Kolonialmächten als Rechtfertigung ihrer Herrschaft über angeblich „minderwertigere Rassen“ verstanden.

Wer waren die Kolonialmächte? Es waren zu 99 Prozent „christlich“ geprägte Staaten: Portugal, Spanien, England, Frankreich, Belgien, die Niederlande, Deutschland, Italien, Russland, USA, nur Japan war nicht christlich. Die Eroberung, Ausbeutung, Versklavung anderer Völker fand vom 15. bis 20. Jahrhundert unter dem Zeichen des Kreuzes statt.

Papst Nikolaus V. gab dafür grünes Licht. Er erlaubte in seinen Bullen „Romanus Pontifex“ und „Dum Diversas“ 1455 dem portugiesischen König Alfons V., alle nicht-christlichen Menschen zu versklaven und ihren Besitz zu rauben. Das ist die geschichtliche Wahrheit!

Herr S. schreibt: Ich hätte durch die Lektüre von Karlheinz Deschners „Kriminalgeschichte des Christentums“ einen verzerrten Blick auf die Geschichte

Leider muss ich annehmen, dass Herr S. meine Leserbriefe nicht regelmäßig liest und dass dadurch eine Bildungslücke entstanden ist. Das größte Problem der Weltgeschichte – das habe ich immer wieder geschrieben –  sind totalitäre Herrschaften verschiedenster Art. Das Problem entsteht durch das Machtstreben sogenannter starker Männer, die deswegen nie unkontrollierte Macht bekommen sollten. Dafür müssen aufgeklärte Bürger sorgen. Das ist die wichtigste Lehre aus der Geschichte! Wegen ihrer Machtfülle, während ihrer tausendjährigen totalitären Herrschaft ist die kath. Kirche auch verantwortlich zu machen, für die Verfolgungen, die Kriege, die Ausbeutung, die Entmündigung des Volkes. Nur die „wahre“ Geschichte hilft uns, aus der Geschichte zu lernen. Die Geschichte des Christentums wurde aber in vielfältiger Weise verfälscht und geschönt. Ich möchte nur daran erinnern, wie sehr die beiden Großkirchen ihre schuldhafte Verstrickung in das Naziregime verdrängen und verleugnen, wie Mörder und geistige Brandstifter zu Helden und Heiligen erklärt werden: Paulus, Konstantin, Kyrill, Augustinus, Karl, Luther, Martin, Bernhard, …Deswegen kann man Deschner nur dankbar sein, dass er diese Geschichte akribisch aufgearbeitet und gut belegt hat. Natürlich waren und sind auch der Faschismus, der Kommunismus, der Islam, die Herrschaft Kim Jong Uns, die Herrschaft Assads, Putins und Erdogans…. unheilvoll, eben weil sie auch totalitär, intolerant und verfolgungswütig sind. Die Gründe dafür und die Maßnahmen dagegen habe ich genannt. Sie sollten im Geschichtsunterricht erörtert werden.