Antidemokraten
Warum lehnten Schmitt, Spengler und Moeller die Demokratie ab?

Die Weimarer Republik war nicht nur politisch instabil – sie war auch geistig umkämpft. Einige der einflussreichsten Intellektuellen ihrer Zeit entwickelten fundamentale Kritik an Liberalismus und parlamentarischer Demokratie. Besonders prägend waren Carl Schmitt, Oswald Spengler und Arthur Moeller van den Bruck.
Ihre Argumente sind historisch – aber sie wirken bis heute nach.
Carl Schmitt: Entscheidung statt Debatte
Carl Schmitt war Staatsrechtler und wohl der schärfste Kritiker des Parlamentarismus. Für ihn lebte das Parlament ursprünglich von ehrlicher, öffentlicher Diskussion. In der Realität sah er jedoch Parteitaktik, Machtinteressen und Kompromisspolitik.
Sein berühmter Satz lautet:
„Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet.“
Schmitt meinte: In echten Krisen brauche ein Staat klare Entscheidungen – keine endlosen Debatten. Demokratie verstand er nicht als Wettbewerb verschiedener Meinungen, sondern als politische Einheit eines homogenen Volkes. Pluralismus erschien ihm als Schwäche.
Ich: Das Leben ist nicht einfältig, sondern vielfältig. Der Staat muss dieser Vielfalt gerecht werden, indem er vielfältiges Leben ermöglicht.
Vielfalt Oswald Spengler: Demokratie als Zeichen des Niedergangs
Spengler war Kulturphilosoph. In seinem Werk „Der Untergang des Abendlandes“ beschrieb er Kulturen wie Organismen mit Aufstieg und Verfall. Die westliche Welt sah er bereits im Stadium des Niedergangs.
Demokratie bedeutete für ihn nicht Herrschaft des Volkes, sondern „Herrschaft des Geldes“. Medien und Parteien würden von wirtschaftlichen Interessen gesteuert. Am Ende stehe nicht mehr Demokratie, sondern der „Cäsar“ – eine starke Führerfigur.
Für Spengler war autoritäre Herrschaft weniger Ideologie als historische Konsequenz.
Ich: Jeder Diktator, jede Diktatur war bisher ein Fluch für die Menschheit. Das hängt wesentlich mit der Beschaffenheit des menschlichen Gehirns zusammen. Jede Diktaur teilt das Volk in Anhänger und Gegner ein. Die Anhänger bekommen alle Privilegien und können Reichtum scheffeln, die Gegner werden benachteilgt, verfolgt, oft ausgerottet.
Arthur Moeller van den Bruck: Einheit statt Parteien
Moeller van den Bruck lehnte sowohl Liberalismus als auch Marxismus ab. In seinem Buch „Das Dritte Reich“ forderte er eine nationale Erneuerung Deutschlands.
Parteien und Parlament galten ihm als Ausdruck von Zersplitterung. Stattdessen propagierte er eine autoritär geführte Volksgemeinschaft. Sein Begriff „Drittes Reich“ war ursprünglich als geistiges Erneuerungsprojekt gedacht – wurde später jedoch politisch anders besetzt.
Er gehört zur sogenannten „Konservativen Revolution“, einer Strömung, die die demokratische Moderne überwinden wollte.
Ich: Ich frage mich auch immer, warum es überhaupt Leute gibt, die anderer Meinung sein können als ich, wo doch ganz klar ist, dass ich die einzig richtige Meinung habe.
Was verbindet diese Denker?
Trotz unterschiedlicher Ansätze zeigen sich klare Gemeinsamkeiten:
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Ablehnung des Liberalismus
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Skepsis gegenüber Parteien und Parlament
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Kritik am Pluralismus
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Betonung politischer Einheit
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Offenheit für autoritäre Führung
Demokratie galt ihnen als schwach, unehrlich oder dekadent.
Warum ist das heute noch relevant?
Diese Ideen sind nicht verschwunden.
Schmitt wird bis heute in Debatten über Ausnahmezustände und staatliche Souveränität diskutiert. Spenglers Niedergangsdiagnosen tauchen immer wieder in Krisenzeiten auf. Moeller dient manchen Strömungen als ideengeschichtlicher Bezugspunkt.
Die zentrale Frage bleibt aktuell:
Wie viel Streit hält eine Demokratie aus – und wie viel Einheit braucht sie?
Moderne Demokratietheorie beantwortet das anders als diese Autoren: Konflikt und Pluralismus gelten nicht als Schwäche, sondern als Wesensmerkmal demokratischer Freiheit.
Demokratie bedeutet Rechtsstaatlichkeit, Machtbegrenzung, Machtkontrolle, sowie Mitsprache und Teilhabe der Bürger. Autokratie hingegen heißt Willkürherrschaft, Machtmissbrauch, Vetternwirtschaft und das Festklammern von Eliten und Familienclans an der Macht…bis zur Schmerzgrenze des Volkes. Siehe: Iran