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Roland Fakler

Antidemokraten

Warum lehnten Schmitt, Spengler und Moeller die Demokratie ab?

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Die Weimarer Republik war nicht nur politisch instabil – sie war auch geistig umkämpft. Einige der einflussreichsten Intellektuellen ihrer Zeit entwickelten fundamentale Kritik an Liberalismus und parlamentarischer Demokratie. Besonders prägend waren Carl Schmitt, Oswald Spengler und Arthur Moeller van den Bruck.

Ihre Argumente sind zwar nur noch historisch – aber sie wirken bis heute nach.


Carl Schmitt: Entscheidung statt Debatte

Carl Schmitt war Staatsrechtler und wohl der schärfste Kritiker des Parlamentarismus. Für ihn lebte das Parlament ursprünglich von ehrlicher, öffentlicher Diskussion. In der Realität sah er jedoch Parteitaktik, Machtinteressen und Kompromisspolitik.

Sein berühmter Satz lautet:
„Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet.“ ???

In einer echten Demokratie ist das das Parlament. Schmitt meinte: In echten Krisen brauche ein Staat klare Entscheidungen – keine endlosen Debatten. Demokratie verstand er nicht als Wettbewerb verschiedener Meinungen, sondern als politische Einheit eines homogenen Volkes. Pluralismus erschien ihm als Schwäche.

Ich: Das Leben ist nicht einfältig, sondern vielfältig. Das homogene Volk gibt es nicht. Der Staat muss der Vielfalt gerecht werden, indem er vielfältiges Leben ermöglicht, weil sonst all leiden, die nicht in dieses einfältige Schema passen. Wer den Andersdenkenden als Feind betrachtet, ist schon nahe an seiner Verfolgung.

Als ob Hitler und die Nazis keine Machtinteressen gehabt hätten, als ob die Entscheidungen Hitlers immer gut gewesen wären. Er hat schließlich Deutschland und die Welt in die schlimmste Katastrophe geführt. Dasselbe kann man von Cäsar, Stalin, Mao…praktisch von jedem Diktator sagen. 


Oswald Spengler: Demokratie als Zeichen des Niedergangs

Spengler war Kulturphilosoph. In seinem Werk „Der Untergang des Abendlandes“ beschrieb er Kulturen wie Organismen mit Aufstieg und Verfall. Die westliche Welt sah er bereits im Stadium des Niedergangs.

Demokratie bedeutete für ihn nicht Herrschaft des Volkes, sondern „Herrschaft des Geldes“. Medien und Parteien würden von wirtschaftlichen Interessen gesteuert. Am Ende stehe nicht mehr Demokratie, sondern der „Cäsar“ – eine starke Führerfigur.

Für Spengler war autoritäre Herrschaft weniger Ideologie als historische Konsequenz.

Ich: Jeder Diktator und jede Diktatur war bisher ein Fluch für die Menschheit. Das hängt wesentlich mit der Beschaffenheit des menschlichen Gehirns zusammen. Jede Diktatur teilt das Volk in Anhänger und Gegner ein. Die Anhänger bekommen alle Privilegien und können Reichtum scheffeln, die Gegner werden benachteilgt, verfolgt, oft ausgerottet.

Nur in einer Demokratie werden die Menschen zur Mündigkeit angeleitet und nicht zum Buckeln und Lügen. Außerdem muss es zur Kontrolle der Regierung Gewaltenteilung, Meinungs- und Pressfreiheit geben, was es in autoritären Staat nie gibt.

Demokratie ist also nicht Niedergang, sondern erwachen zur Mündigkeit und Mitsprache.


Arthur Moeller van den Bruck: Einheit statt Parteien

Moeller van den Bruck lehnte sowohl Liberalismus als auch Marxismus ab. In seinem Buch „Das Dritte Reich“ forderte er eine nationale Erneuerung Deutschlands.

Parteien und Parlament galten ihm als Ausdruck von Zersplitterung. Stattdessen propagierte er eine autoritär geführte Volksgemeinschaft. 

Er gehört zur sogenannten „Konservativen Revolution“, einer Strömung, die die demokratische Moderne überwinden wollte.

Ich: Ich frage mich auch immer, warum es überhaupt Leute geben darf, die anderer Meinung sind als ich, wo doch ganz klar ist, dass ich die einzig richtige Meinung habe. Warum können nicht einfach alle Leute so sein wie ich bin und so denken wie ich denke, dann gäbe es nämlich die Einheit. 


Was verbindet diese Denker?

Trotz unterschiedlicher Ansätze zeigen sich klare Gemeinsamkeiten:

Demokratie galt ihnen als schwach, unehrlich oder dekadent.


Warum ist das heute noch relevant?

Diese Ideen sind nicht verschwunden.

Schmitt wird bis heute in Debatten über Ausnahmezustände und staatliche Souveränität diskutiert. Spenglers Niedergangsdiagnosen tauchen immer wieder in Krisenzeiten auf. Moeller dient manchen Strömungen als ideengeschichtlicher Bezugspunkt.

Die zentrale Frage bleibt aktuell:
Wie viel Streit hält eine Demokratie aus – und wie viel Einheit braucht sie?

Moderne Demokratietheorie beantwortet das anders als diese Autoren: Konflikt und Pluralismus gelten nicht als Schwäche, sondern als Wesensmerkmal demokratischer Freiheit.

Demokratie bedeutet Rechtsstaatlichkeit, Machtbegrenzung, Machtkontrolle, sowie Mitsprache und Teilhabe der Bürger.

Autokratie hingegen heißt Willkürherrschaft, Machtmissbrauch, Vetternwirtschaft und das Festklammern von Eliten und Familienclans an der Macht…bis zur Schmerzgrenze des Volkes. Siehe: Iran