Messias
Posted by rofa on 24. Februar 2026

Die Frage, warum Jesus von den meisten Juden nicht als Messias anerkannt wurde, hat vor allem theologische und historische Gründe.
Kurz gesagt: Die Erwartungen an den Messias im Judentum unterscheiden sich grundlegend von dem, was Christen in Jesus sehen.
Hier die wichtigsten Punkte:
1. Unterschiedliche Messias-Erwartung im Judentum
Im Judentum ist der Messias (hebräisch Maschiach = „Gesalbter“) ein menschlicher Nachkomme König Davids, kein göttliches Wesen.
Er soll:
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das Volk Israel sammeln
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den Tempel in Jerusalem wieder aufbauen
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Frieden auf der ganzen Welt bringen
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die Tora vollständig durchsetzen
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eine Ära weltweiten Gotteserkennens einleiten
Zur Zeit Jesu stand Israel unter römischer Besatzung. Viele erwarteten einen politischen Befreier, der Israel national wiederherstellt.
Da Jesus weder das römische Reich stürzte noch ein weltweites Friedensreich sichtbar begann, sahen viele jüdische Zeitgenossen diese Kriterien als nicht erfüllt an.
2. Kein göttlicher Messias im klassischen Judentum
Im Christentum gilt Jesus als:
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Sohn Gottes
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Teil der Dreifaltigkeit
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auferstanden
Das Judentum hält jedoch strikt am Ein-Gott-Glauben fest (z. B. „Sch’ma Jisrael“ in 5. Mose 6,4).
Die Vorstellung, ein Mensch sei göttlich oder „Gottes Sohn“ im metaphysischen Sinn, widerspricht dem jüdischen Gottesverständnis.
3. Leidender Messias?
Christen beziehen viele Prophezeiungen – z. B. aus dem Buch Jesaja – auf Jesus, besonders das „Gottesknecht“-Lied (Kapitel 53).
In der jüdischen Auslegung wird dieser „leidende Gottesknecht“ jedoch oft:
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auf das Volk Israel selbst
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oder auf einen gerechten Menschen
bezogen – nicht auf einen sterbenden Erlöser-Messias.
4. Die Kreuzigung
Für viele Juden war die Kreuzigung ein starkes Gegenargument:
Im 5. Buch Mose heißt es sinngemäß: „Verflucht ist, wer am Holz hängt.“
Ein von Gott gesandter Messias – so die Argumentation – würde nicht als Verbrecher hingerichtet.
Für Christen hingegen ist gerade Kreuzigung und Auferstehung der Kern der Erlösung. Damit hat vor allem Paulus sein Christentum geprägt.
5. Spätere Entwicklung
Wichtig:
Jesus selbst war Jude. Auch seine ersten Anhänger waren Juden.
Die Trennung zwischen Judentum und Christentum entwickelte sich erst im 1.–2. Jahrhundert n. Chr., besonders nach:
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der Zerstörung Jerusalems 70 n. Chr.
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der Ausbreitung des Christentums unter Nichtjuden
Das Christentum interpretierte die hebräische Bibel neu, während das rabbinische Judentum seine eigene Auslegungstradition weiterentwickelte.
Zusammengefasst
Aus jüdischer Sicht:
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Die messianischen Kriterien sind nicht erfüllt.
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Der Messias ist kein göttliches Wesen.
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Die Welt ist nicht erlöst.
Aus christlicher Sicht:
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Jesus erfüllte die Prophezeiungen geistlich.
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Sein Reich ist nicht politisch, sondern geistlich.
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Die endgültige Vollendung steht noch aus (Wiederkunft).
Vergleich: Messias im Judentum und Christentum
| Thema | Judentum | Christentum |
|---|---|---|
| Bedeutung des Wortes | „Maschiach“ = Gesalbter (König aus Davids Linie) | „Christus“ (griech. für Gesalbter) – Titel für Jesus |
| Natur des Messias | Mensch, Nachkomme Davids | Mensch und zugleich Sohn Gottes |
| Göttlichkeit | Nicht göttlich | Göttlich (Teil der Dreifaltigkeit) |
| Hauptaufgabe | Politische und geistliche Wiederherstellung Israels | Erlösung von Sünde und Tod |
| Tempel | Wiederaufbau des Tempels in Jerusalem | Jesus selbst als „neuer Tempel“ verstanden |
| Frieden | Sichtbarer Weltfriede | Geistlicher Friede; endgültiger Friede bei Wiederkunft |
| Gesetz (Tora) | Vollständige Einhaltung und Durchsetzung | Gesetz erfüllt durch Christus |
| Leiden und Tod | Messias stirbt nicht als verfluchter Verbrecher | Kreuzigung zentraler Heilsakt |
| Erfüllung der Propheten | Noch nicht erfüllt | In Jesus erfüllt (z. B. in Jesaja 53) |
| Zeitpunkt | Messias kommt noch | Messias ist gekommen und wird wiederkommen |
Kurz zusammengefasst
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Im Judentum ist der Messias ein zukünftiger menschlicher König, der konkrete historische Veränderungen bringt.
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Im Christentum ist Jesus der bereits erschienene Messias, dessen Reich zunächst geistlich ist und sich am Ende der Zeiten vollendet.