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Schuldbekenntnis
Schuldbekenntnis der katholischen Kirche

Es scheint sich in den Kirchen tatsächlich etwas zu bewegen. Erfreulich ist auch ein neues Schuldbekenntnis der katholischen Kirche – in gewisser Weise eine Ergänzung zum Stuttgarter Schuldbekenntnis der EKD von 1945. Alle Achtung.
Wir klagen uns an, dass wir – um unserer Macht willen – seit dem Konzil von Nicäa (325) von uns geschaffene Dogmen zu „göttlichen Wahrheiten“ erhoben haben. Wir klagen uns an, aus einem Wanderprediger den Sohn Gottes gemacht zu haben; dass wir – um unsere Lehre hemmungslos verbreiten zu können und dem Bischof von Rom die Vorherrschaft zu sichern – die Bibel verfälscht und auf ihr unsere Herrschaft gegründet haben.
Wir klagen uns an, unsere katholische und christliche Religion zur einzig wahren erklärt und damit unsägliches Leid sowie Verfolgung über Andersgläubige gebracht zu haben; dass uns jedes Mittel recht war, Gegner zum Schweigen zu bringen, sie zu foltern und zu vernichten – selbst wenn dabei ganze Völkerschaften zugrunde gingen.
Die Friedensbotschaft Jesu verkündend, haben wir zu Kriegen aufgerufen, wenn sie uns nützlich erschienen. Wir klagen uns an, dass es uns nicht um das Heil dieser Welt ging, nicht um das Wohl der Armen, Kranken und Benachteiligten, sondern um die Maximierung unseres Reichtums und die Absolutheit unserer Herrschaft.
Wir klagen uns an, dass wir nicht schon viel früher dogmatische Verblendung sowie Auserwähltheits- und Größenwahn als Ursachen unseres Fehlverhaltens erkannt und öffentlich eingestanden haben; dass wir die von unseren Kirchen zu verantwortenden Lügen und ungesühnten blutigen Gräueltaten nicht mutiger bekannt, das Leben der Menschen nicht treuer geachtet, uns nicht entschiedener in den Dienst der Bedürftigen und Unterdrückten gestellt und nicht leidenschaftlicher die Wahrheit gesucht haben.
Nun soll in unseren Kirchen ein neuer Anfang gemacht werden: Wir werden Mahnmale für die Opfer unserer Verblendung errichten und die Erinnerung an unsere Gräueltaten in unseren Gottesdiensten wachhalten.
Karl der Große
Zwang und Glaube:
Die Christianisierung unter Karl dem Großen

Einleitung
Karl der Große gilt als eine der bedeutendsten Gestalten der europäischen Geschichte. Er wird als Förderer von Bildung, Ordnung und christlicher Kultur dargestellt.
Dieser Artikel beleuchtet diese oft verdrängte Seite und ordnet sie historisch ein.
Die Sachsenkriege: Eroberung und Bekehrung
Zwischen 772 und 804 führte Karl der Große einen jahrzehntelangen Krieg gegen die Sachsen.
- Widerstand gegen fränkische Herrschaft
- Ablehnung der Christianisierung
- Zerstörung heidnischer Heiligtümer (Irminsul)
Nach militärischen Siegen folgten häufig Massentaufen.
Taufe bedeutete hier nicht Glaubensentscheidung – sondern Unterwerfung.
Gesetzlicher Zwang
Mit der Capitulatio de partibus Saxoniae wurde der Glaube gesetzlich erzwungen:
- Todesstrafe für Taufverweigerung
- Todesstrafe für Rückkehr zum alten Glauben
- Strenge Strafen gegen religiöse Abweichung
Das Blutgericht von Verden
782 ließ Karl der Große nach einem Aufstand tausende Sachsen hinrichten.
- ca. 4.500 Tote (laut Quellen)
- Abschreckung als Strategie
- Gewalt als Mittel der Ordnung
Die Rolle der Kirche
Die Kirche war eng in diese Prozesse eingebunden:
- Missionare begleiteten Feldzüge
- Gründung von Bistümern
- Stabilisierung der Herrschaft
Gleichzeitig gab es Kritik:
„Der Glaube ist eine freie Sache und kann nicht erzwungen werden.“ – Alkuin von York
Religion als Machtinstrument
- Religiös: Ausbreitung des Christentums
- Politisch: Kontrolle und Integration
Ein einheitlicher Glaube bedeutete auch eine stabilere Herrschaft.
Historische Einordnung
Im Frühmittelalter waren Religion und Politik untrennbar:
- Glaube als Grundlage von Ordnung
- Abweichung als Bedrohung
- Einheit als Ziel
Fazit
Die Christianisierung unter Karl dem Großen war ein Zusammenspiel aus:
- Glauben
- Macht
- Gesetz
- Gewalt
Ausblick
Die Fragen dieser Zeit sind bis heute relevant:
- Kann Glaube erzwungen werden?
- Welche Rolle spielt Religion im Staat?
- Wo liegen die Grenzen von Macht?