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Wert für die Weltgemeinschaft
Werte für eine Weltgemeinschaft fördern, statt religiösen Wahn!
Zum Artikel „Islamzentrum mit großen Plänen“. 19.03.2016
Ein Leserbrief ist keine wissenschaftliche Abhandlung, zwangsläufig kurz und leider auch oft einseitig. Ein „Fundi“ bin ich insofern, als ich mir tatsächlich fundamentale Gedanken über Gott, das Leid in der Welt, die Propheten und ihre Religionen mache, die leider allzu oft Ursache dieses Leids waren. Der ständige Rückgriff auf widersprüchliche, verwirrende, bisweilen unmenschliche Texte hält die Menschheit auf einer Kulturstufe fest, die längst überwunden sein sollte! Judentum und Islam sind als Stammesreligionen entstanden und hatten als solche wichtige Funktionen, nämlich den Stamm zusammenzuhalten, gemeinsame Sitten und Moralvorstellungen zu pflegen und sich vor allen anderen Völkern auserwählt zu fühlen. Im Namen des richtigen Gottes konnten so die Falschgläubigen bedenkenlos abgeschlachtet, ihr Land und ihre Frauen geraubt werden. Leider haben Christen viel davon übernommen, was sicher nicht im Sinne des Erfinders war.
Heute leben wir in einer Weltgemeinschaft, in der sich der Auserwähltheitswahn einzelner Religionsgemeinschaften ziemlich störend auswirkt. Deswegen würde ich es für sinnvoller halten, statt einem islamischen ein humanistisches Zentrum in Tübingen einzurichten, wo man sich weniger Gedanken über mythologische Texte, über Götter und Propheten, über nicht-existierende Höllen und Teufel als über vernünftige Werte machen sollte, die notwendig sind, um eine bessere Welt, jenseits von religiösem Wahn, zum Wohle der Erde und der Menschheit zu schaffen!
Diese Werte wurden im Zeitalter der Aufklärung entwickelt und müssen stets gegen ihre Feinde, das sind totalitäre und autokratische Herrschaftssysteme, verteitigt werden.
Museumsanweisung für Muslime
Der Besuch des iranischen Präsidenten Rohani in Italien hat einiges verändert!
In den Museen wurden nackte Skulturen verhüllt. – So könnte es in Deutschland weitergehen!
Mein Kampf, Bibel und Koran
Heilige Hetzschriften
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Leserbrief: Zu ihrem Artikel im Tagblatt 2015. Ohne Kommentar voll strafbar. Hitlers Hetzschrift „Mein Kampf“ soll nur noch in kommentierter Fassung unters Volk gebracht werden. Mein Leserbrief:
Heilige Hetzschriften
Wer „Mein Kampf“ nur in kommentierter Fassung unters Volk bringen will, beweist damit, dass er das Volk für unmündig hält. Damit mag er Recht haben. Wie steht es dann mit Bibel und Koran? Wäre es nicht längst Zeit, auch sie nur noch in kommentierten Ausgaben unters Volk zu bringen, um Kollateralschäden zu vermeiden? Seit Jahrhunderten wird mit diesen Büchern in menschenverachtender Weise Hass gegen Gottlose und Falschgläubige geschürt: Gn. 34:12 … ihre Altäre sollst du umstürzen, ihre Steinmale zerbrechen und ihre heiligen Pfähle umhauen;… Jes. 13:16 „Es sollen auch ihre Kinder vor ihren Augen zerschmettert, ihre Häuser geplündert und ihre Frauen geschändet werden“… Dt. 20:16 „…in den Städten dieser Völker, die dir der Herr, dein Gott, zum Erbe geben wird, sollst du nichts leben lassen, was Odem hat“,… Koran: Sure 4:89 „Nehmt euch daher niemand von ihnen zu Freunden… Und wenn sie sich abwenden und eurer Aufforderung zum Glauben kein Gehör schenken, dann greift sie und tötet sie, wo immer ihr sie findet, …“ und so weiter. Jeder, der sich mit Geschichte beschäftigt und die Gegenwart mit wachen Augen betrachtet, kennt die verheerenden Folgen, die sich aus dem blinden Glauben an den göttlichen Ursprung dieser „heiligen Hetzschriften“ ergeben. Aber statt sie zu kritisieren und vor ihren Folgen zu warnen, werden sie in alle Sprachen übersetzt und im Religionsunterricht gelehrt. Es wird höchtste Zeit für kommentierte Ausgaben, damit an der richtigen Stelle der kritische Verstand einsetzt.
Herr H. antwortet am 13.1.2016 auf meinen Leserbrief
Kommentierte Ausgaben der Bibel und des Korans forderte Roland Fakler
Von diesem Geist
Wieder einmal wurden mit verdrehten Zitaten Bibel und Koran schlecht gemacht. Tatsächlich finden sich im Alten Testament (AT) Worte, die zu Gewalt auffordern. So EX. 34:13 (nicht Gen 34.13) Dort wurde vor der Verführung durch alte Religionen gewarnt, die (unter anderem) Menschenopfer als Gott wohlgefällig fordern. Andere Stellen wurden im oben genannten Leserbrief zur Gewaltaufforderung umgedeutet. Wir Christen halten uns an das NT in dem Jesus wie schon das AT die Nächstenliebe auch dem Feind gegenüber fordert. Jesus selbst war bereit, ohne zu fliehen oder sich zu wehren, die brutale Kreuzigung zu erdulden und betete sogar noch für seine Feinde. Von diesem Geist lebt die christliche Kirche (auch wenn Christen bisweilen schuldig werden) zum Beispiel Pflege von Alten und Kranken. Über die Schätze des christlichen Glaubens ist viel zu berichten. Der Briefschreiber fordert Toleranz, ist aber ganz intolerant gegenüber einer anderen Meinung, hier gegen den christlichen Glauben. MH.
Lieber Herr H.,
die Menschen haben im Laufe ihrer Geschichte bedauerlicherweise immer wieder Gründe gefunden, um Andersdenkende mit gutem Recht zu töten. Leider geht Gott in meinem Zitat Jes. 13:16 noch einen Schritt weiter. Er gibt den Befehl, unbeteiligte Kinder zu töten: „Es sollen auch ihre Kinder vor ihren Augen zerschmettert werden…“. Was immer jemand getan haben mag, es wäre ein großes Unrecht, dafür seine Kinder und Angehörigen zu töten.
In meinem Zitat 2 Mos 34:12 ging es darum, dass Gott den Israeliten den Befehl gab, die Heiligtümer aller „falschgläubigen“ Völker zu zerstören. Was hätte das für Folgen, wenn alle Gläubigen diesen Befehl in die Tat umsetzen würden,… für Kirchen, Tempel, Synagogen, Moscheen?
Ich habe weder das Neue Testament noch das Christentum kritisiert. Ich betrachte Jesus als eine positive Gestalt, *obwohl auch er allen, die seine anmaßenden Herrschaftsansprüche nicht anerkennen wollen, mit Hölle und Teufel droht. Kritik ist sehr wichtig, um einen Fortschritt des Denkens zu bewirken. Kritik ist nicht Intoleranz! Jesus selbst war ja einer der größten Kritiker des Alten Testaments. Wie oft beginnt er: „Es steht geschrieben…, ich aber sage euch…!“ Manche christliche Gemeinschaften, z.B. die Marcioniten, haben das Alte Testament in Bausch und Bogen verworfen, weil es so unmenschlich ist. Bischof Wulfila, der das Neue Testament ins Gotische übersetzt hat, wollte das Alte Testament nicht übersetzten, weil er verheerende Folgen bei seinen germanischen Gefolgsleuten vermutet hat. Eine sehr weise Entscheidung, wie ich finde!
Anschläge von Paris
Nach den Anschlägen von Paris
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Für die islamichen Glaubenskämpfer ist es durchaus logisch, sich und die Welt in die Luft zu sprengen. Sie wollen nicht ihr elendes Leben im Diesseits, das vielfältige Ursachen hat, sondern das ewige Leben im jenseitigen Paradies. Das erreichen sie, laut Koran, am ehesten, wenn sie im Kampf gegen die Ungläubigen „töten und getötet werden“. Sure 9:111 Wenn Allah die Ungläubigen so sehr hasst, dass er sie in der Hölle quält, sollten seine Anhänger ihm auf Erden Unterstützung leisten und sie in die Luft sprengen. Das ist doch nur logisch! An einem gelehrten Mann wie Abu Bakr al-Baghdadi, dem Anführer des IS, der den Koran gründlich studiert hat, kann man am besten erkennen, welch „segensreiche“ Wirkung von diesem „heiligen“ Buch ausgeht! Es hat eine ähnlich verhängnisvolle Wirkung wie die hebräische Bibel oder „Mein Kampf“.
Das einzige, was die Logik der Glaubenskämpfer erschüttern könnte ist, dass sie ihren Glauben als Lüge und Illusion, als rein (un-) menschliches Machwerk entlarven. Dazu sind sie aber wegen ihrer religiösen Erziehung, die kritisches Denken und eine realistische Weltsicht verhindert, nicht mehr in der Lage. Sie leben in einem geschlossenen Wahnsystem. Durch ihre religiöse Indoktrination ist ihnen nicht nur ihr Hirn abhanden gekommen, sondern auch jedes Gefühl für Menschlichkeit und den Wert alles Lebendigen. Es sind keineswegs „Gottlose“ die hier agieren, wie Frau Merkel meint, sondern Leute die besonders gottgläubig sind und die den vermeintlichen Willen Gottes auf Erden umsetzen wollen.
Eine Religion, die die Gehirne vernebelt und die Herzen versteinert, sollte hier nicht zur Herrschaft gelangen! Gott und die „heiligen“ Bücher sind das Problem! Säkularität, die Trennung von Religion und Staat und die Entmachtung der Religion sind die Lösung!
Was ist der „wahre Islam“?
Was ist der „wahre“ Islam
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Leserbrief im Schwäbischen Tagblatt Tübingen am 2. Dez. 2015
Jürgen Todenhöfer sprach im Sparkassen-Carre über den Islamischen Staat. „Das absolute Gegenteil von Islam!“
In einem Punkt muss ich Herrn Todenhöfer Recht geben: der Westen ist mit seiner Politik, die auf Bomben, Waffen und Diktatoren setzte mit schuld an der Entstehung der IS- Terroristen. Aber was ist denn der „richtige Islam“? Ich weiß nur, dass es einen Islam gibt, der großes Unheil anrichtet und einen, den man auch tolerieren kann. Dabei ist der besonders schädliche Islam derjenige, der sich eng am Vorbild Mohammeds und am Koran orientiert und der harmlose derjenige, der weder Mohammed noch den Koran besonders ernst nimmt. Hat Mohammed eigentlich den richtigen Islam vorgelebt, als er etwa 600 Juden köpfen und ihre Frauen und Kinder versklaven ließ? Safia, die Tochter und Ehefrau der Ermordeten, hat er in seinen Harem aufgenommen. Hat er den richtigen oder falschen Islam vorgelebt, als er einige seiner Kritiker ermorden ließ, als er jede Kritik an seiner Person und am Koran verbot, als er die Kultstätten der Mekkaner zerstörte, als er im Koran befahl, Dieben die Hände abzuhaken und Ehefrauen zu schlagen, als er empfahl keine Freundschaft mit Christen und Juden zu schließen, als er die ganze Arabische Halbinsel erobert hat, als er die neunjährige Aischa geheiratet und jedem Muslim vier Frauen erlaubt hat? Der Islam kann hier nur eine Zukunft haben, wenn er neu erfunden wird und zwar auf der Basis unserer freiheitlichen Werte! Nur das kann der richtige Islam für Deutschland sein!
Affen und Schweine
Leserbrief im Tagblatt am 15. Januar 2015
Betrifft: Tübinger Islamzentrum: Jeder Terror widerspricht der Religion vom: 10.01.2015
Erfreulich, dass sich das Islamzentrum von den Anschlägen in Paris distanziert. Leider kann ich aber nicht glauben, dass die nichts mit dem Islam zu tun haben, deswegen sehe ich mich veranlasst, hier eine Analyse zu wagen…zum besseren Verständnis des Wahns. Woher kommt die Gewalt im Islam? Sie kommt vor allem aus dem Koran und aus dem Vorbild Mohammeds. Im Koran, der bei gläubigen Muslimen als unfehlbares und unabänderliches Wort Gottes gilt, werden die Ungläubigen, „die schlimmer sind als die Tiere 8:55“, in vielen Suren verdammt und von Allah in der Hölle gequält 10:4. Freundschaft mit ihnen wird verboten 4:89. Die Muslime sollen herrschen, die anderen sollen sich unterwerfen 9:29. Das gefällt nicht jedem. Deswegen gibt es Kritik am Islam. Schariagerichte in Pakistan, Iran, Saudia – Arabien… sorgen für die „gerechte Strafe“ dieser „Beleidiger des Islam“. Hassprediger erledigen den Rest. Ein „Gläubiger“ könnte sich aufgefordert und gerechtfertigt fühlen, Allah bei der Bestrafung dieser „Affen und Schweine 5:60“ zu helfen. Abwertung kommt vor der Abschlachtung! Wer sich „mit seinem Gut und Blut“ im Kampf gegen die Ungläubigen einsetzt, dem wird ein höherer Rang versprochen 4:95“. Wer im Glaubenskampf fällt, kommt angeblich sofort ins Paradies 9:20. Distanzieren Sie sich bitte von dieser Lüge! Dann könnten Sie viele Menschenleben retten! Kriminelle, die sich das Leben im Diesseits ohnehin schon versaut haben, ergreifen nun diese vermeintliche Chance. Mit dem Dschihad eröffnet sich ihnen scheinbar die Möglichkeit, einen „glorreichen“ Ausweg aus dem irdischen Jammertal zu finden.
Intoleranz der abrahamitischen Religionen
Leserbrief im Tagblatt am 12.12.2014
Betrifft: Antwort auf den heutigen Leserbrief von Silvia Kuske vom: 8.12.2014
Das Problem der abrahamitischen Religionen, Judentum, Christentum und Islam ist, dass sie alle drei im Grunde intolerant sind. D.h. der wahrhaft Gläubige sieht im Andersgläubigen immer den Falschgläubigen und Ungläubigen. Das gilt heute besonders für den Islam, der keine Aufklärung durchgemacht hat. Deswegen bin ich der Ansicht, dass es echten Frieden unter den Menschen nur geben kann, wenn auf breiter Front religiös abgerüstet wird und an Stelle von irrationalen Märchen vernünftige Wertvorstellungen gesetzt werden. Im Koran steht zwar der Vers 2:256 „In der Religion gibt es keinen Zwang.“ Im nächsten Vers steht dann aber schon wie das gemeint ist. Vers 257: „Die Ungläubigen werden Insassen des Höllenfeuers sein und (ewig) darin weilen.“ Als Mohammed in Mekka von Feinden umgeben war, hat er gerne solch tolerante Sprüche von sich gegeben, als er aber später die Macht hatte, hat er Andersgläubige gnadenlos bekämpft. Dort wo der Islam Macht hat, gibt es keine Religions- und Geistesfreiheit mehr, die toleriert er nur, solange er muss. Karl Popper schrieb: „Uneingeschränkte Toleranz führt mit Notwendigkeit zum Verschwinden der Toleranz. Denn wenn wir die unbeschränkte Toleranz sogar auf die Intoleranten ausdehnen, wenn wir nicht bereit sind, eine tolerante Gesellschaftsordnung gegen die Angriffe der Intoleranz zu verteidigen, dann werden die Toleranten vernichtet werden und die Toleranz mit ihnen.“
Leserbrief im Tagblatt : 2011-12-02
Nicht verdammen
Darf eine Pastorin einen Muslim heiraten
Der Leserbrief von Herrn P. beweist mir vor allem, dass es zwischen strenggläubigen Christen und strenggläubigen Muslimen keine Verständigung geben kann. Tatsächlich, und da muss ich Herrn P. recht geben, schließen sich beide Religionen in ihren Fundamenten aus. Beide sind intolerant. Für beide ist der Andersgläubige der Ungläubige. Man kann sich nur meiden oder sich bekämpfen oder vielleicht auch seine Vernunft gebrauchen. Die sagt mir nämlich, dass alle Religionen von Menschen geschaffen wurden. Heilige Texte mit unheilvollem Inhalt gehören somit in die Mülltonne der Geschichte und nicht in die Köpfe von Zeitgenossen. Dann können sich Menschen als Menschen begegnen und müssen sich nicht als Ungläubige verdammen.
Flüchtlinge in Deutschland
Wie viele Flüchtlinge verträgt Deutschland? Ein Standpunkt in der Debatte zur Asylpolitik.
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Leserbrief im Tübinger Tagblatt am 6.11.2015
Nicht allein lösen

Die AFD ist so stark geworden, weil unsere Regierung
die Interessen der hier lebenden Bevölkerung aus den Augen verloren hat. Nicht alle Menschheitsprobleme können dadurch gelöst werden, dass die Menschheit in Deutschland Asyl findet. Deutschland kann das Flüchtlingsproblem nicht allein lösen. Dazu ist es nicht groß genug und nicht reich genug. Es muss auch noch anderswo so regiert werden, dass die Menschen bleiben wollen z.B. in Albanien, Afghanistan, Irak, Türkei usw. Es steht Deutschland zwar gut an, wenn es sich mit Herz und Verstand um die Notleidenden der Welt kümmert, schließlich exportiert es ja auch Waffen in alle Welt, unsere Regierung ist aber vor allem dazu gewählt worden, dafür zu sorgen, dass in diesem Land geordnete und lebenswürdige Verhältnisse herrschen. Sie darf die Interessen der hier lebenden, einheimischen Bevölkerung, die dieses Land in Generationen geprägt und aufgebaut hat, nicht außer Acht lassen, die Interessen der Menschen, die sich verantwortlich fühlen für die Zustände in diesem Land, weil sie hier sesshaft sind und sesshaft bleiben wollen. Sie machen sich Sorgen, wegen der wachsenden Kriminalität, der Wohnungsnot, dem Bildungsverfall, den ausländischen Konflikten, die hier ausgetragen werden, dem Antisemitismus…Unsere Demokratie erträgt nicht beliebig viele Leute, die zur Einhaltung der freiheitlichen Grundordnung gezwungen werden müssen. Die vermehren sich jetzt nicht nur durch den unkontrollierten Zuzug aus vordemokratischen, insbesondere aus islamischen Ländern, sondern auch als Reaktion auf diesen Zuzug von innen. Militante Linke, Rechte, Religiöse haben zugenommen, weil unsere Regierung ihre Hausaufgaben nicht gemacht hat.
Zehntscheuer ist an die 450 Jahre alt
Bericht im Gäuboten Herrenberg am 6.10.2015
Donnerstag, 8. Oktober2015 – Lokales Gäubote 2015-10-06
Zehntscheuer ist an die 450 Jahre alt
Reusten: Mit dem Richtfest ist ein weiterer Schritt Richtung Kultur- und Veranstaltungsscheuer gemacht.
Die Spatzen pfeifen es seit geraumer Zeit vom Dach: Die Reustener Zehntscheuer hat mehr Jahre auf dem Buckel als vormals angenommen – jetzt ist es amtlich. Eine sogenannte dendrochronologische Untersuchung des Holzgebälks im Dach der Scheuer förderte das wahre Alter der betagten „Dame“ zutage. So fügte sich beim Richtfest ein weiteres historisches Puzzleteil zu den anderen hinzu.
Von Rüdiger Schwarz
Ohne Moos nix los, „hirnen“ lohnt sich. Nachdem die Führungsriege des 2013 ins Leben gerufenen Fördervereins der Reustener Zehntscheuer ein Konzept auf die Beine stellte, lässt sich der Ammerbucher Gemeinderat nicht lange bitten. Er stellt für Instandsetzung und Sanierung des imposanten Gebäudes 200 000 Euro in den Haushalt ein. Im März dieses Jahres knallt bei den Mitgliedern des Vereins vermutlich nicht nur ein Sektkorken. Weitere Fördergelder füllen den Topf. Das Land zeigt sich in Spendierlaune, lässt für das Projekt noch einmal rund 105 000 Euro springen. Eine Finanzspritze aus dem Förderprogramm „Entwicklung ländlicher Raum“. Also frisch ans Werk gemacht.
Erst einmal heißt es: Däumchendrehen. Warten auf die Baugenehmigung. Anfang August ist es dann so weit, es kann aufgerüstet werden. Im Visier: das Dach, morsche Balken, ein maroder Flickenteppich aus nicht mehr ganz taufrischen Ziegeln. Unverhofft kommt oft: Auf einmal hält man einen historischen Schatz in Händen. Denn nicht wenige der Dachziegel stammen mit allergrößter Wahrscheinlichkeit aus der Entstehungszeit der Zehntscheuer. Es sind handgestrichene Biberschwanzziegel. Ehedem ziehen die Ziegler mit ihren bloßen Fingern die Wasserrillen in den Lehm der noch nicht gebrannten Ziegel. Über die Rinnen soll das Wasser abfließen. Erst in den 1880er Jahren nimmt die industrielle Massenfertigung von Dachziegeln Fahrt auf. Unter den rund 9 000 originalen Dachplatten tummeln sich einige Zierziegel, auch bekannt als Feierabendziegel.
Von 9 000 historischen Biberschwanzziegeln bleiben 7 000 übrig.
Vielleicht ein Abwehrzauber?
Auf einem ist eine kleine, feine Rose in den noch nicht getrockneten Lehm eines Ziegels eingedrückt worden. Strahlenmotive werden mitunter als Hexenbesen gedeutet. „Es könnte sich um einen Abwehrzauber handeln“, vermutet Ortshistoriker Roland Fakler. Ab dem 16. Jahrhundert blüht der auf die Römer zurückgehende Brauch, Ziegel mit grafischen Elementen zu verzieren, wieder auf. Nach vollendetem Tageswerk, mit bis zu 1 000 gestrichenen Ziegeln, verewigt sich so mancher Ziegler noch über eine Art Graffiti auf einem der hergestellten Stücke. Zumeist wohl aus purer Lust am Gestalten heraus.
Doch wo stammen die Biberschwanzplatten her?
In einer Beschreibung des Herrenberger Oberamts aus dem Jahre 1855 werden in Reusten neben drei Lehmgruben auch zwei bestehende Ziegeleien erwähnt. Es liegt nahe, dass die Ziegel vor Ort gefertigt wurden. Um sicherzugehen, müsste man Proben aus den ehemaligen Gruben mit dem Material der Ziegel abgleichen. So ein Schatz auf dem Dach lässt nicht nur das Herz von Bauhistorikern höher schalgen. Bereitet jedoch die eine oder andere schlaflose Nacht. Was tun? Ab in den Bauschuttcontainer oder erhalten? Die Verantwortlichen des Fördervereins entschieden sich fürs Draufpacken. Allerdings nur auf der nördlichen Vorderseite. Auf die Südseite wandern ausschließlich nagelneue, maschinell produzierte Dachplatten. „Jeder der alten Ziegel, die jetzt wieder auf dem Dach sind, ist zehnmal durch die Hände einer Person gegangen“, merkt Martin Held an. Kein Wunder, müssen die Kleinode doch Stück um Stück abgenommen, auf Zustand geprüft, zwischengelagert, erneut hochgeschafft werden. 7 000 der historischen Stücke hievt man nach oben, 2 000 werden aussortiert.
Reusten gehörte zu Bebenhausen
Mit der Zehntscheuer geht man auf Zeitreise. Die führt mitten hinein ins 16. Jahrhundert. Das Kloster Bebenhausen, ehemaliger Herr des Dorfes, wird im Zuge der Reformation aufgelöst. Längst sind die Herzöge von Württemberg die neuen Herren, denen die Bewohner des Dorfes den Zehnten abzutreten haben. Eine Naturaliensteuer, für die etwa Getreide, Wein, Feldfrüchte oder Öl herhalten. Nun kommt die Zehntscheuer als Lager mit ins Spiel. Jetzt steht fest, dass das 30 Meter lange, bis zu 15 Meter hohe, 300 Quatratmeter goße Gebäude in einem Aufwasch mit der herrschaftlichen Weinkelter hochgezogen wurde. Die Untersuchungen ergaben, dass die Bäume für das Dachgebälk der Scheuer im Winter 1573 gefällt wurden. „Bis zum Verbau lagerte das Holz dann in der Regel noch ein Jahr“, weiß der Vorsitzende des Fördervereins, Jürgen Parchem.
Die 1575 erbaute Kelter wird 1760 zur Kirche umfunktioniert. Der emsig betriebene Weinanbau liegt seit Anfang des 19. Jahrhunderts am Boden. Warum ist die Zehntscheuer nun eigentlich so riesig ausgefallen? „Der Zehnte war eine progressive Steuer. Bei guten, ertragreichen Äckern mussten die Bauern bis zu 20 Prozent ihrer Ernte abliefern. Und Reusten hat fruchtbare Böden“, weiß Parchem. Während so einer Erntezeit hielt eigens angeheuertes Wachpersonal an der Mauer des Zehnthofes die Stellung. Plünderungen durch notleidende Menschen soll ein Riegel vorgeschoben werden.
Signalfarbe für öffentliche Gebäude
Nebenbei ist die „beige“ Optik der Scheuer alles andere als dem Zufall geschuldet. Das ist der Originalfarbton. Im 16. Jahrhundert waren die meisten Leute noch Analphabeten. Daher wurden öffentliche Gebäude mit ganz bestimmten Signalfarben markiert“, sagt der Vorsitzende.
Goldene Regel
Die goldene Regel
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Universal, global, zeitlos.
Woher kommen ethische Normen? Schon die Zehn Gebote wurden natürlich nicht von einem Gott auf einem Berg diktiert. Vielmehr wollten Könige, Priester und Propheten dem Volk weismachen sie seien von Gott, damit sie umso mehr Autorität bekommen und umso besser befolgt werden. Dazu haben sie noch den Himmel für die Guten und die Hölle zur Bestrafung der Bösen erfunden. Sie wollten, vor allem mit den ersten drei Geboten, auch ihre hierarchisch, patriarchalische Herrschaft festigen.
Eine Gesellschaft kann nicht funktionieren, wenn jeder jeden belügt, bestiehlt und tötet. Deswegen gab es den Kern dieser Gebote schon lange vor Moses in anderen Kulturen, z.B. im Totenbuch der Ägypter, im Gesetzbuch des Königs Hammurabi von Babylon, in China, Indien und Amerika… Meist galten diese Gebote aber nur für das eigene Volk, der Auserwählten. Die „Anderen“ durfte man durchaus belügen, bestehlen und töten, sogar im Namen Gottes. 2 Mose 20:5 heißt: Bete sie nicht an (die fremden Götter) und diene ihnen nicht; denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifriger Gott, der da heimsucht der Väter Missetat an den Kindern bis in das dritte und vierte Glied derer, die mich hassen,“…
Es widerspricht unseren heutigen Rechtsgrundsätzen, die Schuld der Väter auf die Söhne der dritten und vierten Generation zu übertragen.
Neu an den Menschenrechten ist, dass sie universell für alle Menschen gelten sollen. In mancher Beziehung stehen die Zehn Gebote auch im Widerspruch zu den Menschenrechten. Schon das erste Gebot widerspricht dem Recht auf Weltanschauungs- oder Religionsfreiheit. Im zehnten Gebot werden Frauen, Esel und Sklaven in einem Satz als Besitz des Mannes bezeichnet.
Siehe: Haben die Menschenrechte biblische Wurzeln?
In katholischen Bibeln steht: „Sklave“ – In den evangelischen wird stattdessen mildernd: „Knecht“ und „Magd“ gesetzt. Die Bibel hat aber nichts gegen Sklaverei. Vor allem von Paulus wird sie gerechtfertigt, später auch von dem Kirchenlehrer Augustinus.
Erst durch die Aufklärung im 18. Jahrhundert wurden die Sklaverei, die Todesstrafe, barbarische Strafen und die Folter abgeschafft und die Frauen gleichberechtigt…aufgrund vernünftiger Überlegungen und menschlicher Einsicht. Zur Einhaltung dieser Regeln zwingen irdische Richter und irdische Strafgesetze
Woher kommt die „Goldene Regel“
– oft formuliert als „Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst“
Sie ist eine ethische Grundregel, die in sehr vielen Kulturen unabhängig voneinander entstanden ist. Es ist keine Erfindung einer einzigen Kultur oder Person. Sie gilt als eine Art universelles moralisches Prinzip.
Altes Ägypten (ca. 2000 v.u.Z)
- Lehre des Ptahhotep (ca. 2000 v.u.Z.):
- sinngemäß: „Handle nicht böse gegen jemanden, damit man nicht das Gleiche dir antut.“
- Frühester Beleg einer Negativform: „Was du nicht willst, dass man dir tut, das tue auch keinem anderen.“
Altes China
- Konfuzianismus (6. Jh. v.u.Z.)
- Konfuzius (Lunyu / Gespräche 15:23):
- „Was du selbst nicht wünschst, das tue auch nicht anderen Menschen an.“
- Dies ist die Negativform, die in China besonders verbreitet wurde.
- Konfuzius (Lunyu / Gespräche 15:23):
- Mohismus (Mozi, 5. Jh. v. Chr.)
- Mozi betont die Nächstenliebe und Reziprozität, formuliert es aber nicht immer genau in der Goldenen Regel.
Antikes Griechenland
- Thales von Milet (6. Jh. v.u.Z.)
- Ihm wird zugeschrieben: „Vermeide, was du anderen vorwirfst.“
- Pittakos von Mytilene (6. Jh. v.u.Z.)
- „Tue das, was du selbst erleiden würdest, wenn ein anderer es dir täte.“
- Isokrates (4. Jh. v.u.Z.)
- „Handle gegenüber anderen so, wie du von ihnen behandelt werden möchtest.“
- Auch bei den Stoikern (z. B. Epiktet, Seneca) findet sich eine ähnliche Idee.
Judentum
- Tora (Lev 19,18):
- „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“
- Hillel der Ältere (1. Jh. v.u.Z. – 1. Jh. u.Z.)
- „Was dir verhasst ist, das tue deinem Nächsten nicht. Das ist die ganze Tora; der Rest ist Kommentar.“ (Babylonischer Talmud, Schabbat 31a)
Christentum
- Neues Testament, Matthäus 7:12 (Bergpredigt):
- „Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut auch ihr ihnen ebenso.“
- Auch Lukas 6:31 hat eine ähnliche Formulierung.
Islam
- Hadith (Prophet Mohammed):
- „Keiner von euch ist gläubig, solange er nicht für seinen Bruder wünscht, was er für sich selbst wünscht.“ (Sahih al-Bukhari, Sahih Muslim)
- Aber, wer ist „Bruder“? Nur der gläubige Muslim?
Hinduismus
- Mahabharata (ca. 4. Jh. v.u.Z – 4. Jh. u.Z.)
- „Dies ist die Summe der Pflicht: Tue anderen nichts, was dir Schmerz verursachen würde, wenn es dir angetan würde.“ (Mahabharata 5.1517)
Buddhismus
- Udana-Varga (tibetische Sammlung)
- „Verletze andere nicht auf eine Weise, die dir selbst schmerzhaft wäre.“
- Jainismus
- Acaranga Sutra (ca. 6. Jh. v.u.Z.)
- „In allen Dingen betrachte den Zustand, wie du selbst ihn empfindest; verletze andere nicht auf Weisen, die dir selbst wehtäten.“
Bahai
- Bahá’u’lláh (19. Jh. u.Z.):
- „Wünsche deinem Nächsten alles Gute, was du für dich selbst wünschst.“
Niemand „erfand“ die Goldene Regel einmalig – sie entwickelte sich unabhängig in vielen Kulturen.
Fazit
Die Goldene Regel ist eine der universellsten ethischen Ideen der Menschheit. Historisch nachweisbar ist sie:
in Ägypten (2000 v.u.Z.) in China (Konfuzius, Mozi) in Griechenland (Isokrates) in Judentum, Christentum, Islam in Hinduismus, Buddhismus, Jainismus in modernen Religionen wie Bahai
Sie ist damit keine Erfindung einer einzigen Religion oder Kultur, sondern ein global verbreitetes ethisches Prinzip.
Vandalismus am Thingplatz
Bericht im Tagblatt am 26.08.2015

Vandalismus am Thingplatz
Reusten. Roland Fakler traute seinen Augen nicht. Als der Hobbyhistoriker kürzlich von Reusten mit dem Fahrrad Richtung Entringen fuhr, passierte er auch eine Station des Geschichtspfades, den er gemeinsam mit Reustens zweitem Ortschronisten Jürgen Parchem vor ein paar Jahren ausgewiesen hat. Etwa 500 Meter nach dem Wolfsberg verweist am Radweg nach Entringen eine Aluminiumtafel auf den ehemaligen Gerichts- und Hinrichtungsplatz, der sich dort nachweislich zwischen 1140 und 1336 befunden hat und wahrscheinlich bereits von den Germanen als Thingplatz genutzt wurde. Die von Fakler selbst gestaltete Tafel, immerhin einen Zentimeter dick, wurde zerstört. „Die hat jemand mutwillig zusammengeknickt“, sagt Fakler. „Wer macht so was?“, fragt sich der Ortshistoriker, der solchen „Vandalismus nicht verstehen“ kann. Um die „Sache aufzuklären“, will Roland Fakler jetzt Anzeige bei der Polizei erstatten, uha / Bild: Fakler
Leider war das nicht der einzige Anschlag auf eine der sechs Geschichtstafeln, die im Dorf verteilt sind. Bei der Tafel auf dem Friedhof am Kriegerdenkmal störte sich ein Leser an dem Wort „Friedensmahnmal“ und hat versucht, es mit dem Messer herauszuschneiden, auch das Wort „Kelterkirche“ missfiel ihm offensichtlich und schnitt es ebenfalls mit dem Messer heraus.
Die Tafel, die auf Burg Kräheneck verweist, wurde offensichtlich mit einem schweren Gegenstand von Hinten attackiert.
Was sollte man von solchen Zeitgenossen halten, die ehrenamtliche Arbeit mit solchem Vandalismus quittieren? Es ist einfach nur traurig!
Siehe Geschichtspfad Ammerbuch – Reusten
Die Stationen sind:
| Auf dem Kirchberg | Kaiserlinde – Jungsteinzeitliche Funde |
| Am Radweg nach Entringen | Gerichtsplatz an der Römerstrasse |
| Auf dem Kirchberg | Kriegerdenkmal / Bergkirche |
| Auf dem Kirchberg | Burg Kräheneck |
| Parkplatz am Hardtwald | Betteleiche |
| noch immer nicht aufgestellt | Kelterkirche – Zehntscheuer – Backhaus |
Der Schatz auf dem Dach
Zeitungsbericht im Schwäbischen Tagblatt Tübingen von Uschi Hahn
Der Umbau der Zehntscheuer Reusten zu einem Bürgertreff und Kulturscheuer hat begonnen.
Der Schatz auf dem Dach
Die Reustener Zehntscheuer ist mit handgestrichenen wohl 450 Jahre alten Ziegeln gedeckt.
Die Sanierung alter Gemäuer birgt meistens Überraschungen. Aber damit hätte wirklich niemand gerechnet: Auf dem Dach der Zehntscheuer in Reusten liegen jahrhundertealte Ziegel. Der Förderverein will sie auf alle Fälle erhalten. Die Frage ist nur, wo.
USCHI HAHN
Reusten. „Erbaut im 18. Jahrhundert“, steht auf der Zehntscheuer in Reusten. Doch das hat Roland Fakler „noch nie geglaubt“. Der Ortshistoriker war „schon immer der Ansicht“, dass das ortsprägende Gebäude an der Stirnseite des Zehnthofs aus der selben Zeit stammt wie die quer davorstehende Kelter, die nachweislich 1575 gebaut wurde. Und er hat wohl recht, wie sich jetzt herausstellte.
Die Kelter dient seit über 250 Jahren als Kirche. Die Zehntscheuer diente seit 1852, als die Zehntabgabe in Württemberg aufgehoben wurde, ganz unterschiedlichen Zwecken. Nun soll sie zur Kulturscheuer umgebaut werden.
Ein Kreis von Ehrenamtlichen begann zwar schon im Jahr 2007 mit der Aufwertung des davor lange vernachlässigten Gebäudes. Zunächst wurde der Zehnthof gepflastert. Dann renovierten die Freiwilligen Putz, Boden und Tore des Mittelteils der imponierend großen, aus Feldsteinen, mit Ecksteinen aus riesigen Sandstein-Quadern errichteten Scheune. Jetzt ist dort ein schmucker Veranstaltungsraum entstanden.
Doch dann stockte der Umbau. Denn das Dach des denkmalgeschützten Gebäudes war undicht. Mindestens 200 000 Euro würde die Dachsanierung kosten, das war klar. Aber die klamme Gemeinde Ammerbuch wollte das Geld dafür nicht aufwenden. Erst als sich ein Förderverein für die Zehntscheuer gegründet hatte und ein Nutzungskonzept vorlag, bewilligte der Gemeinderat im vergangenen Jahr die nötigen Mittel.
Für Bauhistoriker ist das Dachgebälk der Zehntscheuer in Reusten eine Sensation. Zimmerleute nehmen jetzt die historischen Ziegel – hier auf der Südseite des Daches – ab.
Zuvor schaute sich der im benachbarten Oberndorf lebende Bauhistoriker Tilmann Marstaller die Zehntscheuer an. Er sei keineswegs im Auftrag des Denkmalamtes dort gewesen, sagt Marstaller. „Einfach nur so aus Interesse habe er sich das Dach von innen und außen näher betrachtet. Seither ist der Fachmann ziemlich aus dem Häuschen. Das mit der Erbauung im 18. Jahrhundert „kann man vergessen“, sagt Marstaller. Der Dachaufbau verweise eindeutig aufs 16. Jahrhundert. Doch nicht nur das Alter, das Marstaller jetzt auch noch mit einer dendrochronologischen Untersuchung beweisen will, machte ihn Staunen. „Die Konstruktion und der Erhaltungszustand“ seien so außergewöhnlich, „dass einem der Mund offen bleibt“. Der Bauhistoriker ist überzeugt, dass sich nach der wissenschaftlichen Datierung der Holzbalken im Scheunendach herausstellt, „dass es sich hier um eine der tollsten Zehntscheuern in der Gegend handelt“. Das Gebäude sei von seiner bauhistoriehen Bedeutung vergleichbar mit dem Schwedenhaus in Altingen, sagt Marstaller. „Das ist die gleiche Kragenweite.“
Vor allem auf der Rückseite der Zehntscheuer bestehe die Deckung noch „zu vier Fünfteln“ aus den historischen Ziegeln; handgestrichene Biberschwanzziegel – ein paar davon sogar mit Ornamenten verziert. Feierabendziegel ist der Fachbegriff dafür.
Weshalb die Arbeiter in den Ziegeleien zu früheren Zeiten bei manchen Ziegeln nicht nur mit den Fingern Ablaufrinnen fürs Regenwasser gestrichen haben, sondern die Mühe auf sich nahmen, den noch ungebrannten Lehm auch noch mit Mustern oder auch Sprüchen zu verzieren, weiß niemand so genau. Möglich, dass sie damit am Ende ihres Arbeitstages, am Feierabend also, dokumentieren wollten, wie viele Ziegel sie geschafft haben.
Jedenfalls sind diese besonderen Ziegel sehr begehrt. „Es gibt auch Feierabendziegel-Jäger“, sagt der Zimmermann Martin Held. Er steht mit seinen Mitarbeitern seit dieser Woche auf dem Gerüst und deckt das Dach ab. Die moderneren Ziegel, mit denen vor allem die Dach Vorderseite immer wieder ausgebessert wurde, wandern In den Bauschuttcontainer. Die handgestrichenen Exemplare aber stapeln die Zimmerleute vorsichtig auf dem Dachboden der Scheune.
Besonders angetan haben es dabei dem Fachmann die Dachziegel. Viele stammen seiner Ansicht nach nämlich noch aus der Bauzeit der Zehntscheuer, sind also 500 Jahre alt.
Nicht alle Balken sind noch so gut erhalten, dass sie auch die nächsten Jahrhunderte gut überstehen würden.
Vergangene Woche endlich wurde die Zehntscheuer eingerüstet. Zuvor allerdings schaute sich der dem Fachmann dabei die Dachziegel an.
Held ist selbst Mitglied im Fördervereinsvorstand, ebenso wie der Ortshistoriker Roland Fakler. Auch der Architekt des Umbaus Martin Gesk ist im Förderverein. Nach einer informellen Besprechung mit Tilmann Marstaller und der Restauratorin Julia Feldtkeller vor knapp zwei Wochen waren sie sich einig, dass sie ihren ursprünglichen Plan über den Haufen werfen müssen, das Dach komplett mit neuen Ziegeln einzudecken. Die handgestrichenen Bierschwänze sollen wieder aufs Zehntscheuerdach. Schließlich, so der Vereinsschriftführer Roland Fakler, „handelt es sich um einen einmaligen historischen Schatz, der erhalten werden muss“. Noch nicht ganz klar ist bisher, wo der Ziegelschatz das Zehntscheuerdach schmücken soll.
Einer der Feierabendziegel, die wohl seit dem 16. Jahrhundert auf dem Zehntscheuerdach in Reusten liegen.
Gut zu erkennen; die Ornamente und die von Hand gestrichenen Ablaufrinnen.
Manche im Ort halten die alten Lehmziegel mit ihrer 500 Jahre alten Patina für alles andere als eine Zierde und wollen sie nicht auf der weithin sichtbaren Vorderseite des Daches sehen. So hat sich der Ortsvorsteher Herbert Grab vehement gegen den „Flickenteppich“ ausgesprochen. Man hat sich schließlich auf einen Kompromiss geeinigt: Dort, wo die meisten alten Ziegel die Jahrhunderte überdauert haben, auf der Rückseite der Zehntscheuer also, sollen sie auch wieder drauf, ergänzt um jene, die auf der dem Wetter zugewandten Nordseite Hagel, Wind und Wetter getrotzt haben.
Entscheiden muss das alles sowieso das Denkmalamt. Für den 23. September ist ein Termin mit der zuständigen Behördenvertreterin angesetzt. Die Arbeiten am Dach der historischen Zehntscheuer in Reusten gehen derweil weiter. „Wir bereiten das Dach und die Lattung so vor, dass die alten Ziegel auf beiden Seiten drauf können“, sagt Martin Held.
Rings um den Zehnthof an der Durchgangsstraße in Reusten gruppieren sich die 1575 als Weinkelter erbaute und 1760 geweihte Kelterkirche, die wohl ebenfalls im 16. Jahrhundert errichtete Zehntscheuer und das Backhaus von 1855.
Der Ortshistoriker Roland Fakler nimmt an, dass ursprünglich auch das stattliche Haus direkt neben der Zehntscheuer zu dem Komplex gehört hat – als Verwaltungshaus. Der hier abgelieferte zehnte Teil der Ernte gehörte dem Dorfherren. Der war seit 1293 das Kloster Bebenhausen, nach der Reformation die Herrschaft Württemberg.
Nach Abschaffung der Zehntabgabe 1852 diente die Zehntscheuer ganz unterschiedlichen Zwecken. So wurde sie von 1927 bis 1965 als Turnhallenersatz genutzt, danach als Schafstall, Salzlager und auch als Stall für den Dorfbullen (Farren). Ein Teil der Scheune war bis 2010 bewohnt.


