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Roland Fakler

Große Verbrecher

„Die Großen“ der Geschichte – Verehrung und Verbrechen

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      Die großen Verbrecher der Geschichte 1

Historisch bedeutende Persönlichkeiten und ihre problematischen Seiten nach heutigen Maßstäben. Sie werden immer noch verehrt, aber nur wenige Verehrer kennen ihre Verbrechen.

Die Geschichte liebt Sieger – und nennt sie „groß“. Wer Reiche eroberte, Städte niederbrannte und ganze Bevölkerungen unterwarf, bekam Denkmäler, Beinamen und einen festen Platz im kollektiven Gedächtnis. Alexander der Große, Karl der Große, Napoleon: Ihre „Größe“ misst sich nicht an Menschlichkeit, sondern an der Effizienz organisierter Gewalt.

Nach heutigen Maßstäben wären viele dieser Ikonen Kriegsverbrecher, religiöse Fanatiker oder Architekten staatlichen Terrors. Doch während ihre Namen gefeiert werden, bleiben die Opfer anonym – reduziert auf Fußnoten oder ganz vergessen.

Dieser Artikel kratzt am Lack historischer Heldenverehrung. Er zeigt, wie eng Ruhm und Grausamkeit miteinander verwoben sind – und stellt eine unbequeme Frage: Ist „Größe“ in der Geschichte oft nichts anderes als erfolgreiches Töten? Sollten wir nicht endlich aus dieser Horrorgeschichte lernen?


I. Europa

Antike

  • Alexander der Große (Makedonien)
    Eroberer eines Weltreiches; Massaker an Städten (z. B. Tyros), Zerstörung ganzer Gemeinden, Versklavung der Bevölkerung.

  • Julius Caesar (Römische Republik)
    Militärisches und politisches Genie; Vernichtung ganzer gallischer Stämme, Massensklaverei, Angriffskriege.

  • Perikles (Athen)
    Architekt der attischen Demokratie; brutale Repression gegen abtrünnige Poleis (z. B. Melos).


Mittelalter

  • Karl der Große (Frankenreich)
    Reichsgründer und Bildungsreformer; Zwangschristianisierung, Massenhinrichtungen (Blutgericht von Verden).

  • Otto I. der Große (HRR)
    Reichsstabilisator; brutale Niederschlagung von Aufständen, militärische Expansion.

  • Wilhelm der Eroberer (England)
    Staatsgründer; systematische Verwüstung Nordenglands („Harrying of the North“).

  • Richard I. Löwenherz (England)
    Kreuzritterideal; Ermordung tausender muslimischer Gefangener.

  • Friedrich I. Barbarossa
    Reichspolitiker; Zerstörung Mailands und kollektive Bestrafungen.


Frühe Neuzeit & Neuzeit

  • Napoleon Bonaparte
    Modernisierer Europas; Angriffskriege, Millionen Tote, Wiedereinführung der Sklaverei.

  • Gustav II. Adolf (Schweden)
    Militärreformer; massive Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg.

  • Leopold II. von Belgien
    Kolonialherrscher; systematischer Terror und Massensterben im Kongo-Freistaat.


II. Vorderer Orient, Persien & Zentralasien

  • Kyros der Große (Achämenidenreich)
    Vergleichsweise tolerant, aber dennoch Eroberungskriege und Deportationen.

  • Mohammed (Religionsstifter) Vertreibungen, Eroberungen, Massaker an einem jüdischen Stamm, Ermordung von Kritikern. 
  • Darius I.
    Verwaltungsstaat; brutale Niederschlagung von Revolten.

  • Nebukadnezar II.
    Bauherr Babylons; Zerstörung Jerusalems, Zwangsdeportationen.

  • Assurbanipal (Assyrien)
    Förderer von Kultur; dokumentierte Folter, Massendeportationen.

  • Dschingis Khan
    Reichsgründer; Massaker an Städten, Terror als Kriegsstrategie.

  • Timur (Tamerlan)
    Kulturmäzen; systematische Vernichtung von Städten, Schädelpyramiden.

  • Nadir Shah
    Militärstratege; Massaker von Delhi (1739).


III. Südasien (Indien & Umgebung)

  • Ashoka (frühe Regierungszeit)
    Später buddhistischer Idealherrscher; zuvor Massaker im Kalinga-Krieg.

  • Samudragupta
    Reichserweiterer; extensive Eroberungskriege.

  • Alauddin Khalji
    Militärreformer; Massaker und harte Repressionen.

  • Aurangzeb
    Reichsausbau; religiöse Verfolgung, Tempelzerstörungen.

  • Mahmud von Ghazni
    Militärischer Held; Plünderungen, religiös motivierte Gewalt.


IV. Ostasien

China

  • Qin Shi Huangdi
    Einiger Chinas; Bücherverbrennungen, lebendig begrabene Gelehrte, Zwangsarbeit.

  • Han Wudi
    Expansion; Vernichtung ganzer Völker.

  • Sui Yangdi
    Großprojekte; Millionen Tote durch Zwangsarbeit und Kriege.

  • Hongwu-Kaiser
    Dynastiegründer; Massenhinrichtungen von Beamten und Familien.


Japan

  • Oda Nobunaga
    Modernisierer; Vernichtung buddhistischer Klöster samt Bewohnern.

  • Toyotomi Hideyoshi
    Reichseiniger; Invasion Koreas, Massaker, „Nasen- und Ohrenhügel“.

  • Tokugawa Ieyasu
    Staatsstabilisator; Christenverfolgung, politische Säuberungen.


Korea

  • Taejong von Joseon
    Staatsaufbau; Ermordung politischer Rivalen und deren Familien.


V. Südostasien

  • Anawrahta (Myanmar)
    Reichsgründer; Zwangsbekehrungen und Gewalt.

  • Bayinnaung
    Imperiale Expansion; Zwangsumsiedlungen.

  • Jayavarman VII. (Khmer-Reich)
    Großbauherr; massive Zwangsarbeit.


VI. Afrika

  • Shaka Zulu
    Militärischer Reformer; Massenhinrichtungen, Zerstörung ganzer Gemeinschaften.

  • Sundiata Keita
    Reichsgründer; Expansion durch Krieg und Versklavung.

  • Mansa Musa
    Kulturförderer; Reichtum basierte auf extensiver Sklavenarbeit.

  • Menelik II. (Äthiopien)
    Modernisierung; Massaker und Zwangsumsiedlungen im Süden.

  • Tewodros II.
    Reformherrscher; Geiselnahmen und exzessive Gewalt.


VII. Amerika (präkolumbisch)

  • Itzcoatl (Azteken)
    Reichsreformer; Zerstörung von Städten, Massensklaverei.

  • Moctezuma I. & II.
    Hochkultur; systematische Menschenopfer und Unterwerfungskriege.

  • Pachacuti (Inka)
    Staatsorganisator; Zwangsumsiedlungen (Mitmaq-System).

  • Huayna Capac
    Reichsausbau; Repression und Zwangsassimilation.


VIII. Polynesien & Ozeanien

  • Kamehameha I. (Hawaii)
    Reichseiniger; Massaker an rivalisierenden Stämmen.

  • Maori-Kriegshäuptlinge (Musket Wars)
    Machtkonsolidierung; Massentötungen und Versklavung.


Schlussgedanke für den Artikel

Historische „Größe“ beschreibt fast immer Wirksamkeit, Macht und Durchsetzungsfähigkeit – nicht moralische Integrität.
Staatsbildung, Reichserweiterung und kulturelle Blüte gingen in der Geschichte häufig mit extremer Gewalt einher.