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Roland Fakler

Gleichheit

Woher kommt die Idee der Gleichwertigkeit aller Menschen

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      Gleichheit 1 Griechen

Sophisten (5.–4. Jh. v. Chr.)

Die Sophisten waren unter den ersten griechischen Denkern, die über die Gleichheit aller Menschen reflektierten. Sie unterschieden zwischen phýsis (Natur) und nómos (Gesetz oder Konvention) und kritisierten gesellschaftliche Hierarchien als künstlich und willkürlich.

🔹 Die Sophisten legten damit einen frühen Grundstein für die Idee der menschlichen Gleichwertigkeit, indem sie Natur und gesellschaftliche Konvention auseinanderhielten.

Stoiker (3. Jh. v. u. Z. – Kaiserzeit)

Die Stoa gilt als die bedeutendste antike Schule für die Vorstellung von universaler Gleichheit und menschlicher Brüderlichkeit.

🔹 Die stoische Ethik hatte erheblichen Einfluss auf spätere Konzepte der Menschenwürde und universalen Brüderlichkeit, insbesondere im Christentum.

Kyniker

✨ Zusammenfassung

Philosophische Strömungen mit Ideen der Gleichheit und Brüderlichkeit:

Schule / Bewegung Zentrale Ideen
Sophisten (Antiphon, Alkidamas) Naturrecht, Kritik an Sklaverei, Hinterfragung sozialer Hierarchien
Stoiker (Zenon, Seneca, Epiktet) Kosmopolitische Brüderlichkeit, Vernunftgemeinschaft aller Menschen
Kyniker (Diogenes) Ablehnung gesellschaftlicher Konventionen und Rangunterschiede
Epikur Alle Menschen sind gleichwertig
Frühes Christentum (Paulus) Geistige Gleichheit in Christus, universaler Anspruch – allerdings nur für Gläubige, nicht für Frauen, nicht für Sklaven, nicht für Ungläubige.

Frühes Christentum

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      Gleichheit 2 Aufklärung

🔹 Allerdings war diese Gleichheit auf die Gemeinschaft der Gläubigen beschränkt – „Ungläubige“ blieben ausgeschlossen. Frauen galten bei Paulus als minderwertiger. Er rechtfertigt, wie Augustinus, auch die Sklaverei als von Gott  gewollt.

In mehreren paulinischen Briefen werden bestehende Hierarchien ausdrücklich bekräftigt: Frauen werden zur Unterordnung aufgefordert, und Sklaven sollen ihren Herren gehorchen (z. B. 1. Korinther 14,34–35; Epheser 6,5). Infolgedessen tendierte das frühe Christentum eher dazu, soziale Ungleichheit zu festigen, als sie aufzulösen.

Die mittelalterliche Scholastik bewahrte diese Ambivalenz. Thomas von Aquin begründete die menschliche Würde in der gemeinsamen rationalen Natur aller Personen (Summa Theologiae, I–II, q.94), verteidigte zugleich hierarchische Gesellschaftsstrukturen, legitimierte Zwang gegenüber Ketzern und hielt religiöse Intoleranz für mit dem Gemeinwohl vereinbar (Summa Theologiae, II–II, q.11). Gleichheit blieb metaphysisch, nicht rechtlich.

Auch die Reformation brachte keinen entscheidenden Durchbruch. Martin Luthers Lehre vom Gehorsam gegenüber der weltlichen Obrigkeit (Von weltlicher Obrigkeit) sowie seine vehementen judenfeindlichen Schriften (Von den Juden und ihren Lügen) stehen in deutlichem Spannungsverhältnis zu modernen Gleichheitsvorstellungen. Ebenso duldete die theokratische Herrschaft Johannes Calvins in Genf kaum religiöse Abweichung. Religiöse Reform ging somit mit neuen Formen der Ausgrenzung und konfessionellen Verhärtung einher.

Ein wirklicher Wendepunkt zeigt sich erst mit der Aufklärung. Frühneuzeitliche politische Philosophen formulierten erstmals eine säkulare Begründung gleicher Rechte.

Thomas Hobbes leitete Gleichheit aus der gemeinsamen Verwundbarkeit der Menschen im Naturzustand ab (Leviathan, Kap. 13).

John Locke begründete Gleichheit in den natürlichen Rechten, die allen Individuen zukommen (Zweite Abhandlung über die Regierung, §§ 4–6).

Jean-Jacques Rousseau verortete Gleichheit in der politischen Selbstgesetzgebung durch den Gesellschaftsvertrag (Du contrat social, I.6).

Voltaire trat für religiöse Toleranz ein (Traité sur la tolérance), während

David Hume eine Form des moralischen Universalismus entwickelte, die auf gemeinsamen menschlichen Empfindungen beruht (Eine Untersuchung über die Prinzipien der Moral).

Hier nimmt erstmals die Idee gleicher Rechte unabhängig von Begabung, sozialem Status, Religion oder Geschlecht eine systematische Gestalt an. Den Denkern der Aufklärung wurde eine zentrale Unterscheidung bewusst: Menschen sind nicht gleich in ihren Fähigkeiten, Tugenden oder Leistungen, wohl aber müssen sie vor dem Gesetz gleich sein.

Diese rechtliche Gleichheit bildet das Fundament von sozialem Frieden, politischer Legitimität und individueller Freiheit.

Aus dieser Perspektive ist die Kritik an Ideologien, die rechtliche Ungleichheit institutionalisieren, sowohl legitim als auch notwendig. Eine solche Kritik richtet sich nicht gegen Individuen, sondern gegen normative Systeme. Es ist daher möglich, Muslime als Personen zu respektieren und zugleich Elemente der klassischen islamischen Lehre kritisch zu prüfen, die Frauen oder Nichtmuslimen einen ungleichen rechtlichen Status zuweisen (z. B. die Dhimmi-Regelungen im klassischen Fiqh; vgl. Koran). Derselbe kritische Maßstab gilt für jede religiöse oder säkulare Doktrin.

Gleiche Rechte sind keine natürliche Gegebenheit, sondern eine fragile intellektuelle und politische Errungenschaft der Aufklärung. Ihr Erhalt erfordert fortwährende philosophische Reflexion und moralische Wachsamkeit.

Was ist Scharia