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Roland Fakler

Showing posts from: Februar 2026

Messias

Warum wurde Jesus von den Juden nicht als Messias anerkannt?

Die Frage, warum Jesus von den meisten Juden nicht als Messias anerkannt wurde, hat vor allem theologische und historische Gründe.

Kurz gesagt: Die Erwartungen an den Messias im Judentum unterscheiden sich grundlegend von dem, was Christen in Jesus sehen.

Hier die wichtigsten Punkte:


1. Unterschiedliche Messias-Erwartung im Judentum

Im Judentum ist der Messias (hebräisch Maschiach = „Gesalbter“) ein menschlicher Nachkomme König Davids, kein göttliches Wesen.

Er soll:

  • das Volk Israel sammeln

  • den Tempel in Jerusalem wieder aufbauen

  • Frieden auf der ganzen Welt bringen

  • die Tora vollständig durchsetzen

  • eine Ära weltweiten Gotteserkennens einleiten

Zur Zeit Jesu stand Israel unter römischer Besatzung. Viele erwarteten einen politischen Befreier, der Israel national wiederherstellt.

Da Jesus weder das römische Reich stürzte noch ein weltweites Friedensreich sichtbar begann, sahen viele jüdische Zeitgenossen diese Kriterien als nicht erfüllt an.


2. Kein göttlicher Messias im klassischen Judentum

Im Christentum gilt Jesus als:

  • Sohn Gottes

  • Teil der Dreifaltigkeit

  • auferstanden

Das Judentum hält jedoch strikt am Ein-Gott-Glauben fest (z. B. „Sch’ma Jisrael“ in 5. Mose 6,4).

Die Vorstellung, ein Mensch sei göttlich oder „Gottes Sohn“ im metaphysischen Sinn, widerspricht dem jüdischen Gottesverständnis.


3. Leidender Messias?

Christen beziehen viele Prophezeiungen – z. B. aus dem Buch Jesaja – auf Jesus, besonders das „Gottesknecht“-Lied (Kapitel 53).

In der jüdischen Auslegung wird dieser „leidende Gottesknecht“ jedoch oft:

  • auf das Volk Israel selbst

  • oder auf einen gerechten Menschen

bezogen – nicht auf einen sterbenden Erlöser-Messias.


4. Die Kreuzigung

Für viele Juden war die Kreuzigung ein starkes Gegenargument:

Im 5. Buch Mose heißt es sinngemäß: „Verflucht ist, wer am Holz hängt.“
Ein von Gott gesandter Messias – so die Argumentation – würde nicht als Verbrecher hingerichtet.

Für Christen hingegen ist gerade Kreuzigung und Auferstehung der Kern der Erlösung. Damit hat vor allem Paulus sein Christentum geprägt.


5. Spätere Entwicklung

Wichtig:

Jesus selbst war Jude. Auch seine ersten Anhänger waren Juden.

Die Trennung zwischen Judentum und Christentum entwickelte sich erst im 1.–2. Jahrhundert n. Chr., besonders nach:

  • der Zerstörung Jerusalems 70 n. Chr.

  • der Ausbreitung des Christentums unter Nichtjuden

Das Christentum interpretierte die hebräische Bibel neu, während das rabbinische Judentum seine eigene Auslegungstradition weiterentwickelte.


Zusammengefasst

Aus jüdischer Sicht:

  • Die messianischen Kriterien sind nicht erfüllt.

  • Der Messias ist kein göttliches Wesen.

  • Die Welt ist nicht erlöst.

Aus christlicher Sicht:

  • Jesus erfüllte die Prophezeiungen geistlich.

  • Sein Reich ist nicht politisch, sondern geistlich.

  • Die endgültige Vollendung steht noch aus (Wiederkunft).


 

Vergleich: Messias im Judentum und Christentum

Thema Judentum Christentum
Bedeutung des Wortes „Maschiach“ = Gesalbter (König aus Davids Linie) „Christus“ (griech. für Gesalbter) – Titel für Jesus
Natur des Messias Mensch, Nachkomme Davids Mensch und zugleich Sohn Gottes
Göttlichkeit Nicht göttlich Göttlich (Teil der Dreifaltigkeit)
Hauptaufgabe Politische und geistliche Wiederherstellung Israels Erlösung von Sünde und Tod
Tempel Wiederaufbau des Tempels in Jerusalem Jesus selbst als „neuer Tempel“ verstanden
Frieden Sichtbarer Weltfriede Geistlicher Friede; endgültiger Friede bei Wiederkunft
Gesetz (Tora) Vollständige Einhaltung und Durchsetzung Gesetz erfüllt durch Christus
Leiden und Tod Messias stirbt nicht als verfluchter Verbrecher Kreuzigung zentraler Heilsakt
Erfüllung der Propheten Noch nicht erfüllt In Jesus erfüllt (z. B. in Jesaja 53)
Zeitpunkt Messias kommt noch Messias ist gekommen und wird wiederkommen

Kurz zusammengefasst

  • Im Judentum ist der Messias ein zukünftiger menschlicher König, der konkrete historische Veränderungen bringt.

  • Im Christentum ist Jesus der bereits erschienene Messias, dessen Reich zunächst geistlich ist und sich am Ende der Zeiten vollendet.

Weltentstehungsmythen

 

Weltenstehungsmythen

Weltenstehungsmythen

Von Chaos zur Ordnung – Die wichtigsten Schöpfungserzählungen der Menschheit

1. Mesopotamien (ca. 2000–1200 v. Chr.)

Enuma Elisch: Der Gott Marduk besiegt die Urgöttin Tiamat. Aus ihrem Körper entstehen Himmel und Erde. Der Mensch wird geschaffen, um den Göttern zu dienen.

2. Ägypten (ca. 2000 v. Chr. und älter)

Am Anfang existiert das Urwasser (Nun). Daraus erhebt sich der Sonnengott, der weitere Götter erschafft und die Welt ordnet.

3. Indien – Rigveda (ca. 1500–1200 v. Chr.)

Purusha-Hymne: Der kosmische Urmensch wird geopfert. Aus seinen Körperteilen entstehen Welt und Gesellschaft.

4. Hebräische Tradition (ca. 1000–500 v. Chr.)

Genesis: Gott erschafft die Welt in sechs Tagen durch sein Wort. Der Mensch wird als Ebenbild Gottes geschaffen.

5. Griechenland (ca. 700 v. Chr.)

Aus dem Chaos entstehen Gaia und Uranos. Nach mehreren Göttergenerationen übernimmt Zeus die Herrschaft.

6. China (überliefert ab ca. 300 v. Chr.)

Pangu: Aus einem kosmischen Ei entsteht Pangu. Er trennt Himmel und Erde. Sein Körper wird zur Welt.

7. Nordisch-germanische Tradition

Im leeren Raum Ginnungagap entsteht der Urriese Ymir. Die Götter formen aus seinem Körper die Welt.

8. Rom (1. Jh. v. Chr.)

Aus dem Chaos bringt eine göttliche Macht Ordnung in Himmel, Erde und Meer.

9. Maya – Popol Vuh

Die Götter erschaffen mehrfach Menschen. Erst der Mensch aus Mais gelingt dauerhaft.

10. Islam (7. Jh. n. Chr.)

Allah erschafft Himmel und Erde in sechs Zeitabschnitten. Adam wird aus Lehm geformt.


Gemeinsame Motive

  • Chaos oder Urwasser am Anfang
  • Ordnung durch göttliche Macht
  • Schöpfung durch Wort, Kampf oder Opfer
  • Besondere Rolle des Menschen

Zentrale Vergleichsmotive

Kultur Anfangszustand Wie entsteht die Welt? Rolle des Menschen Besonderes Motiv
Judentum / Christentum Formlose Erde, Finsternis Gott erschafft durch sein Wort (Bibel) Ebenbild Gottes Schöpfung durch Sprache
Islam Himmel und Erde ungeordnet Allah erschafft in sechs Zeitabschnitten (Koran) Statthalter Gottes Göttliche Allmacht
Griechisch Chaos Generationen von Göttern entstehen (Hesiod) Spielball der Götter Götterkämpfe
Römisch Chaos Göttliche Ordnung bringt Struktur (Ovid) Teil kosmischer Ordnung Ordnung aus Formlosigkeit
Nordisch Leerer Raum (Ginnungagap) Welt aus dem Körper Ymirs (Edda) Von Göttern erschaffen Weltschöpfung aus Opfer
Ägyptisch Urwasser (Nun) Sonnengott entsteht und schafft Götter Diener der Götter Schöpfung aus Wasser
Mesopotamisch Urchaos aus Wasserwesen Marduk besiegt Tiamat Zum Dienst geschaffen Kosmischer Kampf
Indisch Kosmischer Urmensch Welt aus Opfer des Purusha Teil kosmischer Ordnung Opfer als Ursprung
Chinesisch Kosmisches Ei Pangu trennt Himmel & Erde Später erschaffen Körper wird Welt
Maya Leere, stille Welt Mehrere Schöpfungsversuche (Popol Vuh) Aus Mais geschaffen Mensch aus Naturstoff

Lebensgebet

Lebensgebet

Dieses Gedicht von Lou Salome hat mich schon  in meiner Jugend fasziniert,

jetzt im Alter noch viel mehr.

Abtreibung

Papst Leo XIV.: „Abtreibungen zerstören den Frieden“

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Da liegt der Papst in langer Tradition mal wieder voll daneben. Letztlich ist es genau umgekehrt: Durch die rigide katholische Sexualmoral, die auch künstliche Empfängnisverhütung verbietet, entstehen soviele Kinder, dass die Welt aus allen Nähten platzt. Die Ressourcen werden knapp, die Umwelt wird zerstört, die Zahl der Armen steigt und das wiederum führt zu Verteilungskämpfen und Kriegen.

Ich bin lange davon ausgegangen, dass das absolute Abtreibungsverbot der katholischen Kirche zeitlos und selbstverständlich sei. Erst die Beschäftigung mit den historischen Quellen hat mir gezeigt, wie trügerisch diese Annahme ist. Zwar wurde Abtreibung im Christentum von Beginn an moralisch abgelehnt, doch ein durchgehend absolutes Verbot existierte über viele Jahrhunderte nicht. Die Kirche übernahm antike Vorstellungen einer verzögerten Beseelung des Fötus und unterschied entsprechend zwischen früher und später Abtreibung.
Erst im 19. Jahrhundert, genauer 1869, wurde diese Differenzierung aufgegeben. Das heutige strikte Verbot ist das Ergebnis einer kirchlichen Entscheidung – nicht einer durchgehenden, unveränderten Tradition. Vor diesem Hintergrund erscheint auch die gegenwärtige Debatte in einem anderen Licht. Die rigide Sexualmoral der Kirche, insbesondere das Verbot künstlicher Empfängnisverhütung, verschärft genau jene Konflikte, die sie später moralisch verurteilt. Wer Leben schützen will, muss Verantwortung ermöglichen – nicht erst am Ende mit Verboten eingreifen.
 
Der Friede ist eher gefährdet, wenn Menschen sich Herrschaft anmaßen, die lediglich auf nicht-existierende Geister gründet.

Demokratie bewährt

Demokratie schlägt Autokratie

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Was spricht dafür, dass wir unsere bewährten westlichen Werte verteidigen sollten?

Der ehemalige Chefmoderator des „heute journal“ Claus Kleber berichtete in Tübingen von seinen Erfahrungen in Amerika, Europa und Asien.

Es gibt nicht die eine ideale Regierungsform, aber es gibt eindeutig bessere und schlechtere. Dass Deutschland unter der Demokratie seine längste Friedensperiode, sowie relativen Wohlstand in Freiheit erlebt hat, ist kein Zufall, sondern ihr Verdienst. Wer sehnt sich heute ernsthaft zurück in die Stasi-Gefängnisse der DDR, unter die Terrorherrschaft des Faschismus oder in jene Zeiten, in denen die Könige von Gottes Gnaden und die katholische Kirche das Volk in Armut, Abhängigkeit und Unmündigkeit hielten?

Demokratie ist anfällig für Manipulation, Medienmacht und Volksverführung – und sie kann deswegen zu falschen Mehrheitsentscheidungen führen. Doch sie garantiert, was Autokratien grundsätzlich verweigern: Meinungs- und Medienfreiheit sowie den Schutz der Menschenrechte. Diese geraten in China, Russland, Iran und zunehmend auch in den USA unter den Druck willkürlich herrschender Machthaber.

Demokratie bedeutet Rechtsstaatlichkeit, Machtbegrenzung, Machtkontrolle, sowie Mitsprache und Teilhabe der Bürger. Autokratie hingegen heißt Willkürherrschaft, Machtmissbrauch, Vetternwirtschaft und das Festklammern von Eliten und Familienclans an der Macht…bis zur Schmerzgrenze des Volkes. Siehe: Iran!

Demokratie ist die Regierungsform, die am ehesten geeignet ist, das Leid auf der ganzen Welt zu mindern und Willkürherrschaft zu verhindern. Das Ziel müsste es sein, eine gerechte und lebenswürdige Welt zu schaffen, die auf Nachhaltigkeit gründet, nicht auf immer mehr Verbrauch und Zerstörung.

Geschichtlichkeit Jesu

War Jesus eine geschichtliche Persönlichkeit?

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Für mich ist die Frage nach der historischen Existenz Jesu keine Glaubensfrage, sondern eine historische. Jesus spielt in meinem Leben keine religiöse Rolle; gerade deshalb kann ich mich ihm vergleichsweise unvoreingenommen nähern. Die glaubwürdigste Quelle für Persönlichkeitsentwicklung ist für mich die eigene Erfahrung – und aus dieser Perspektive erkenne ich erstaunliche Parallelen zwischen meiner eigenen Entwicklung und der Gestalt des galiläischen Rebellen und Wanderpredigers.

Warum ist das Christentum entstanden? Diese Frage ist nicht einzigartig. Man könnte ebenso fragen, warum der Zoroastrismus, der Buddhismus oder der Islam entstanden sind. Meine Antwort lautet: weil eine charismatische Persönlichkeit auf eine Zeit traf, die reif für eine neue Deutung der Welt war. Große historische Gestalten erkennen ihre Aufgabe in den Möglichkeiten ihrer Epoche und geben ihr einen entscheidenden Impuls. Geschichte entsteht nicht im luftleeren Raum, sondern im Zusammenspiel von Persönlichkeit und Zeitgeist.

Eine der stärksten Triebfedern historischer Prozesse ist der Wille zur Macht. Das Christentum wurde maßgeblich von sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten geprägt: Jesus, Paulus und Konstantin. Schon diese drei stehen für drei grundverschiedene „Christentümer“. Jesus enttäuschte die messianischen Erwartungen seiner Zeit. Erwartet wurde ein militärischer Befreier, kein pazifistischer Prediger. Dass Jesus diese Rolle nicht erfüllte, spricht eher für seine Historizität: Eine erfundene Figur hätte man problemlos an die Erwartungen angepasst. Eine reale Persönlichkeit aber folgt ihrer eigenen inneren Logik.

Paulus brachte eine völlig andere Prägung ein: dogmatisch, sexualfeindlich, frauenfeindlich, staatshörig und missionarisch aggressiv. Konstantin schließlich machte aus dem religiösen Gemenge ein Herrschaftsinstrument – zur Legitimation der Macht, zur Einigung des Reiches und zur Vertröstung der Massen auf ein Jenseits. Ein solches Wirrwarr planvoll zu konstruieren ist jedoch weit schwieriger, als es organisch entstehen zu lassen. Die innere Widersprüchlichkeit des Christentums spricht eher für gewachsenes Chaos als für eine bewusste Erfindung.

Die Evangelien sind keine neutrale Geschichtsschreibung. Sie verfolgen ein klares Ziel: Jesus als den im Alten Testament angekündigten Messias darzustellen. Ihre Autoren schreiben aus dem Glauben heraus und passen die Überlieferung, wo nötig, an die Weissagungen an. Ortsangaben, Namen und Geburtsgeschichten tragen oft literarische Züge. Doch Dichtung schließt Historizität nicht aus. Dass Jesus „von Nazareth“ genannt wird, obwohl der Messias aus Bethlehem stammen sollte, deutet eher darauf hin, dass er tatsächlich aus Nazareth kam und diese Tatsache theologisch überbrückt werden musste.

Ein entscheidender Motor für den Erfolg des Christentums war die soziale Not der damaligen Zeit. Arme, Kranke, Sklaven und Entrechtete fanden Trost in der Hoffnung auf ein Jenseits, in dem die bestehenden Machtverhältnisse umgekehrt würden. Nicht die Reichen und Mächtigen, sondern die Schwachen sollten dort die Ersten sein. Dieses Versprechen war – und ist – wirkmächtig. Das Christentum ist bis heute ein Trostangebot für all jene, denen das Diesseits wenig Hoffnung lässt.

Die Römerfreundlichkeit der Evangelien bei gleichzeitiger Judenfeindschaft erklärt sich historisch. Sie entstanden nach dem Jahr 70, als klar war, dass das Judentum Jesus nicht als Messias akzeptieren würde. Abgrenzung nach innen ging mit Anpassung nach außen einher. Dass das Christentum dennoch von den Römern verfolgt wurde, spricht gegen die These einer römischen Erfindung. Der Verzicht auf den Kaiserkult und der pazifistische Grundzug der Lehre bedrohten Einheit und Wehrhaftigkeit des Reiches. Edward Gibbon sah im Christentum sogar einen Faktor für den Untergang Roms.

Tacitus schrieb: „Um das Gerücht aus der Welt zu schaffen, schob er (Nero) die Schuld auf andere und verhängte die ausgesuchtesten Strafen über die wegen ihrer Verbrechen Verhassten, die das Volk ‚Chrestianer‘ nannte. Der Urheber dieses Namens ist Christus, der unter der Regierung des Tiberius vom Prokurator Pontius Pilatus hingerichtet worden war. Für den Augenblick war [so] der verderbliche Aberglaube unterdrückt worden, trat aber später wieder hervor und verbreitete sich nicht nur in Judäa, wo das Übel aufgekommen war, sondern auch in Rom, wo alle Gräuel und Abscheulichkeiten der ganzen Welt zusammenströmen und gefeiert werden.“ Das ist das Zeugnis eines nichtchristlichen Historikers, der Jesus zwar nicht gekannt haben konnte, der aber ein wenig schmeichelhaftes Zeugnis über die Existenz der christlichen Gemeinde abgibt.

Die Werte des Christentums stehen im scharfen Gegensatz zur römischen Elitekultur: Jenseitigkeit gegen Diesseitigkeit, Demut gegen Ruhm, Sklavenmoral gegen Herrenmoral. Warum sollte die römische Oberschicht eine Religion erfinden, die ihre eigenen Grundlagen untergräbt?

Entscheidend für meine Einschätzung ist jedoch die innere Logik der dargestellten Persönlichkeit. Aus den Evangelien spricht kein übermenschlicher Weiser, sondern eine tragische, widersprüchliche Figur: ein junger Mann mit Größenanspruch, hungernd nach Anerkennung, unfähig zu gleichberechtigten Beziehungen, intolerant gegenüber Ablehnung, konflikthaft gegenüber Familie und Umwelt. Seine Brüder hielten ihn für verrückt. Die Menge schrie: „Wir haben keinen König außer dem Kaiser.“ Er verfluchte Städte, die seine Botschaft ablehnten, und Feigenbäume, die keine Früchte trugen.

Er forderte absolute Hingabe, sprach von Herrschaft, drohte und verfluchte. Er hatte Angst, betete am Ölberg und schwitzte Blut. Das sind keine Züge einer idealisierten Kunstfigur, sondern typische Merkmale eines bestimmten Entwicklungsstadiums starker Persönlichkeiten. Sie sind sehr von sich überzeugt und lösen damit ein Tauziehen aus, die anderen versuchen, sie so klein wie möglich zu machen.

Solche Figuren kennt die Geschichte: Giordano Bruno, Hölderlin, Kleist, Nietzsche, Van Gogh. Zu Lebzeiten verkannt, nach dem Tod verklärt. Starke Menschen lösen ein Tauziehen aus: Entweder sie setzen sich durch und werden zu Tyrannen – oder sie werden gebrochen. Jesus gehört zur zweiten Kategorie. Seine Kreuzigung zwischen Verbrechern, die demonstrative Demütigung, die Freilassung eines Schuldigen – all das passt in dieses Muster.

Die abrupten Umschwünge – vom jubelnden Einzug in Jerusalem zur völligen Ablehnung – sprechen ebenfalls für Historizität. Mythen sind glatt, reale Biographien nicht.

Was wissen wir also über den historischen Jesus? Es gibt keine zeitgenössischen Berichte, keine Biographie, keine eigenen Schriften. Die Evangelien sind Glaubenszeugnisse, keine neutralen Quellen. Paulus, unsere früheste schriftliche Quelle, interessiert sich kaum für das Leben Jesu, setzt seine Existenz jedoch voraus und kennt seinen Bruder Jakobus. Josephus und Tacitus erwähnen seine Hinrichtung beiläufig. Der historische Kern ist schmal, aber stabil: Jesus war ein jüdischer Wanderprediger, verkündete das Reich Gottes, sammelte Anhänger, geriet in Konflikt mit den Autoritäten und wurde gekreuzigt.

Der historische Jesus ist nicht der Christus der Kirchen. Diese Gestalt entstand erst nach seinem Tod. Wir wissen genug, um vermuten zu können, dass Jesus existierte – und zu wenig, um ihn eindeutig zu verstehen. Vielleicht liegt gerade darin seine Wirkungsmacht: Eine reale, unvollkommene, tragische Figur, die nach ihrem Tod zur Projektionsfläche für Macht, Hoffnung, Angst und Erlösung wurde.

Die Geschichte kennt viele Sieger. Jesus war keiner. Und doch hat kaum jemand die Geschichte so nachhaltig geprägt.

Jesu Größenwahn

Jesu Größenwahn

Psychologische, theologische und historische Betrachtungen

Größenwahn bei jungen Männern ist kein ungewöhnliches Phänomen. Viele machen diese Phase durch, auch ich selbst. Problematisch wird es jedoch dann, wenn solche Selbstüberhöhungen nicht relativiert, sondern religiös überhöht und sakralisiert werden. Im Fall Jesu von Nazareth scheint genau dies geschehen zu sein – mit historisch verheerenden Folgen.

Nimmt man den Größenwahn eines Einzelnen so ernst, wie er selbst es fordert, entstehen Ideologien, die Intoleranz, Ausschließlichkeit und Gewalt legitimieren. Die Geschichte des Christentums liefert dafür zahlreiche Belege: endlose Streitigkeiten über die Person Jesu, Religionskriege, Ketzerverfolgungen und ein jahrhundertelanger christlicher Antijudaismus, der letztlich im Holocaust mündete.

Was hat der „Retter“ bewirkt?

Was also hat der angebliche „Retter der Welt“ tatsächlich gebracht?
Frieden, Versöhnung, menschliche Reife?
Oder vielmehr Spaltung, Absolutheitsansprüche und ein rigides Freund-Feind-Denken?

Bereits die neutestamentlichen Texte zeigen, dass Jesus sich selbst in einer einzigartigen, übermenschlichen Rolle sah.

Jesu Selbstansprüche laut Evangelien

In den Evangelien beansprucht Jesus wiederholt göttliche oder gottgleiche Autorität:

Er lässt sich als Sohn Gottes bezeichnen (Mt 26,63), bejaht den Titel König der Juden (Mk 15,2) und erklärt sich selbst zum einzigen Heilsweg:
„Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich“ (Joh 14,6).

Er verkündet Heil für die Gläubigen und Verdammnis für die Ungläubigen (Mk 16,16), beansprucht Autorität über Leben und Tod (Joh 11,25) und erklärt sich für präexistent:
„Ehe Abraham ward, bin ich“ (Joh 8,58).

Nach seiner Auferstehung betont Jesus seine universale Macht:
„Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden“ (Mt 28,18).

Zugleich fordert er die gleiche Ehre wie Gott selbst und tritt als Weltenrichter auf (Joh 5,22–23).

Abhängigkeit, Ausschluss und Gewaltlogik

Jesus betont immer wieder die totale Abhängigkeit seiner Anhänger von seiner Person:
„Ohne mich könnt ihr nichts tun“ (Joh 15,5).
Wer nicht in ihm bleibt, wird „ins Feuer geworfen“ (Joh 15,6).

Damit entsteht ein klares Freund-Feind-Schema: Glaube bedeutet Rettung, Nichtglaube bedeutet Ausschluss, Vernichtung oder Verdammnis.

Besonders drastisch ist die Aussage:
„Doch jene meine Feinde, die nicht wollten, dass ich über sie herrschen sollte, bringet her und erwürget sie vor mir“ (Lk 19,27).

Hier zeigt sich ein autoritärer Herrschaftsanspruch, der mit moderner Ethik unvereinbar ist.

Vom persönlichen Anspruch zur kirchlichen Macht

Die frühe Kirche radikalisiert diese Aussagen weiter:
„In keinem andern ist das Heil“ (Apg 4,12).

Aus persönlicher Selbstüberhöhung wird institutionalisierte Heilsmonopolpolitik. Kritik wird Ketzerei, Zweifel Schuld, Nichtglaube ein moralisches Verbrechen.

Fazit

Jesus erscheint in den Evangelien nicht als bescheidener Weisheitslehrer, sondern als Figur mit extremen Selbstüberhöhungen: Sohn Gottes, Weltenrichter, einziger Heilsweg, Herr über Leben und Tod.

Nimmt man diese Aussagen ernst – und genau dazu zwingt das Christentum –, dann trägt nicht nur die Kirche Verantwortung für Intoleranz und Gewalt. Bereits die Ursprungstexte selbst legen diese Entwicklung nahe.

Der religiös legitimierte Größenwahn eines Einzelnen wurde zur Grundlage einer Weltreligion – mit Folgen, die Millionen Menschen das Leben gekostet haben.

Ergänzende Zitate

Jesus hält sich für den Mat:26:63 Sohn Gottes und den Mark:15:2 König der Juden Er behauptet: Joh. 14:6 „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich.“ Mk. 16:16 „Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden“. Mat. 23:8 Aber ihr sollt euch nicht Rabbi nennen lassen; denn einer ist euer Meister, Christus; ihr aber seid alle Brüder. Joh. 8:51. „Wahrlich, wahrlich ich sage euch: So jemand mein Wort halten wird, der wird den Tod nicht sehen ewiglich“; und Joh. 8:58 „Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Ehe denn Abraham ward, bin ich.“ Math 26:61 „Er hat gesagt: Ich kann den Tempel Gottes abbrechen und in drei Tagen aufbauen.“ Joh. 15:5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viele Frucht, denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Jesus betont die Abhängigkeit der Jünger von ihm für ihre geistliche Fruchtbarkeit. Joh 11:25 Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe; Luk. 19:27 „Doch jene meine Feinde, die nicht wollten, dass ich über sie herrschen sollte, bringet her und erwürget sie vor mir.“ Er vernichtet seine Gegner und Kritiker Joh. 15:6 Wenn jemand nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorret, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer, und sie müssen brennen. Wer nicht sein Anhänger sein will wird ins Feuer geworfen. Apostelgeschichte: 4:12 12 Und ist in keinem andern-Heil, ist auch kein andrer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, darin wir sollen selig werden. (als Jesus) Absolutheitsanspruch der Kirche. Matthäus 16:15-17 – „Da spricht er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Simon Petrus antwortete und sprach: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes! – Jesus bestätigt hier die Erkenntnis von Petrus und bekräftigt seine Identität als der Sohn Gottes. Johannes 5:22-23 – „Denn der Vater richtet niemand, sondern hat alles Gericht dem Sohn übergeben, damit alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren. Wer den Sohn nicht ehrt, ehrt den Vater nicht, der ihn gesandt hat.“ – Jesus betont seine Rolle als Richter und fordert die gleiche Ehre, die dem Vater zusteht. Johannes 10:17-18- „Darum liebt mich mein Vater, weil ich mein Leben lasse, auf dass ich’s wiedernehme. Niemand nimmt es von mir, sondern ich lasse es von mir selbst. Ich habe Macht, es zu lassen, und habe Macht, es wiederzunehmen. Dies Gebot habe ich empfangen von meinem Vater.“  Jesus spricht über seine Autorität über Leben und Tod. Matthäus 28:18- „Und Jesus trat zu ihnen und sprach: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.“- Nach seiner Auferstehung betont Jesus seine umfassende Macht und Autorität. Lukas 4:18-21“Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat und gesandt zu verkündigen das Evangelium den Armen; Und er fing an, zu ihnen zu reden: Heute ist diese Schrift erfüllt vor euren Ohren.“- Jesus erklärt, dass die prophetische Schriftstelle aus Jesaja in ihm erfüllt ist. Johannes 14:9 – Jesus erklärt, dass das Sehen ihn gleichbedeutend mit dem Sehen des Vaters ist. z. B. Matthäus 28,18) > „Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden.“

→ Spätestens hier wird deutlich: Jesus sieht sich als universaler Herrscher.

Jesus beanspruchte Herrschaft.

Er verstand sich als König eines anderen Reiches, als göttlicher Gesandter, aber zugleich als derjenige, dem am Ende alle Macht zusteht.