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Hitler
War Hitler ein Christ oder ein Oportunist?

Seit mindestens 5000 Jahren versuchen Herrscher ihre Herrschaft mit göttlicher Autorität zu legitimieren, von den ägyptischen Pharaonen über die Herrscher Mesopotaniens, der Perser, der Assyrer, vom christlichen Abendland, bis nach China, Japan und Amerika. Siehe dazu meinen Artikel über die Könige von Gottes Gnaden.
Auch in der Gegenwart versuchen Diktatoren und Staatsmänner, wie Erdogan, Putin, Modi, Trump… göttliche Unterstützung zu erhalten, indem sie eine besondere Nähe zu Gott oder den Göttern zeigen oder nur vortäuschen.
Wie hielt es der deutsche Diktator Adolf Hitler mit der Religion?
Historiker sind sich einig, dass Hitler seine Religion öffentlich instrumentalisiert hat. Ob er „privat gläubiger Christ“ war, ist umstritten. Die Quellenlage ist widersprüchlich.
- Was er öffentlich gesagt hat
In Reden bis ca. 1937/38 bezog er sich oft positiv auf „Vorhersehung“, „Gott“, „christliche Werte“ und den Kampf gegen den „gottlosen Bolschewismus“. Die NSDAP schrieb 1920 in Punkt 24 des Parteiprogramms: „Die Partei vertritt den Standpunkt eines positiven Christentums“. Das war strategisch: Über 90% der Deutschen waren 1933 katholisch oder evangelisch. Ohne die Kirchen konnte er keine Macht gewinnen.
- Was aus privaten Quellen überliefert ist:
Ab Mitte der 1930er wird sein Ton in internen Gesprächen kritischer. Die „Tischgespräche im Führerhauptquartier“ – Notizen von Bormann/Picker – zeigen ihn ab 1941 sehr ablehnend gegenüber Christentum und Kirchen. Er sah das Christentum als „jüdischen Schwindel“ und „schwächend“. Öffentlich hat er das nie so gesagt.
Seine Erziehung: Getauft und gefirmt als Katholik in Österreich, Ministrant. Später trat er formal nicht aus der Kirche aus, ließ sich aber auch nicht kirchlich trauen. Privat soll er sich eher als „deistisch“ bezeichnet haben – Glaube an eine höhere Vorsehung, in der er eine besondere Rolle spielt, aber nicht an die Bibel / Kirche.
- Einschätzung der Historiker
Die Mehrheit sieht ihn als Opportunisten/strategischen Nutzer der Religion
– Solange er die Kirchen für Machterhalt brauchte, nutzte er die christliche Sprache.
– Sein langfristiges Ziel war laut Kershaw, Longerich u.a. eine „Entchristlichung“ Deutschlands und Ersatz durch einen völkischen Kult um „Blut, Boden, Rasse“. Letzlich wollte er sich selbst in den Mittelpunkt dieser Verehrung stellen. Quasi als der neue Gott.
– „Gottgläubig“ war die NS-Formulierung für Leute die aus der Kirche austraten, aber nicht atheistisch sein wollten. Hitler ließ sich so bei seiner Eheschließung mit Eva Braun eintragen.
Fazit: Öffentlich = christliche Rhetorik als Machtinstrument. Privat = sehr kritisch bis ablehnend gegenüber dem institutionellen Christentum. „Überzeugter Christ“ im kirchlichen Sinn war er nach heutigem Forschungsstand nicht.
Hitler sprach von Gott. Von Vorsehung. Vom Christentum.
Aber er glaubte nicht — er benutzte die Religion.
Wer die Sprache des Glaubens spricht, gewinnt Vertrauen, ohne sich rechtfertigen zu müssen.
Religion verleiht Macht, einen moralischen Anstrich. Und genau das machte sie für ihn und alle, die sie benutzen wertvoll.
Hinter verschlossenen Türen zeigte sich ein anderes Bild.
Das Christentum erschien ihm als:
- schwach
- lebensfeindlich
- hinderlich im Kampf
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Hitler war kein Atheist
Zum Symbol seiner Partei „erhob er das Hakenkreuz. Es war ihm aus seiner Grundschulzeit im Kloster Lambach (1896-1898) vertraut, zierte es doch Wappen, Ring und Kanzel des von ihm hochverehrten Benediktiner-Abtes.“ Tischgespräche Dr. Henry Picker
Hitler war kein Atheist. Hitler hat sich von Anfang (Mein Kampf) bis zum Ende (Tischgespräche) als Werkzeug und Vorsehung Gottes gefühlt.
Hitler war katholisch getauft, glaubte von Kindheit an bis zum bitteren Ende an einen Schöpfergott, dem er schließlich auch seine Legitimation als gottgesandter Führer, als göttliche Vorsehung, quasi als „Führer von Gottes Gnaden“ zu verdanken hatte. Er blieb bis zu seinem Tod Mitglied der katholischen Kirche. Ein Atheist war er nie, aber ein Kirchenkritiker. Die Katholische Kirche und seine Bewegung, die NSDAP, waren dennoch Brüder im Geiste. Die hierarchischen Strukturen der Kirche lobte er über alles, während er die Demokratie verachtete. In beiden Bewegungen ging es um Befehl und Gehorsam, um blinden Glauben und göttliche Vorsehung für einen Führer und ein auserwähltes Volk. Es ging nicht um das Glück des Individuums im Diesseits, sondern um das Opfer des Individuums für eine höhere Sache, das Volk, bzw. das Seelenheil im Jenseits.
Er war sich sicher: Vom Schöpfer des Universums war ihm eine Mission zugewiesen worden. Eine Mission, für die das deutsche Volk unter seiner Führung heranzureifen habe.
„Allmächtiger Gott, segne dereinst unsere Waffen; sei so gerecht, wie du es immer warst; urteile jetzt, ob wir die Freiheit nun verdienen; Herr, segne unseren Kampf!“ Aus Mein Kampf
Wo es um Kampf geht, braucht man auch einen klar definierten Feind. Das waren die Juden, die Bolschewisten, die Demokraten, die Freidenker. 1933 wurden die säkularen Verbände von den Nationalsozialisten zerschlagen. In ihrem Büro in Berlin richteten die Nazis eine „Wiedereintrittsstelle“ der evangelischen Kirche ein. Ihr Kopf Max Sievers wurde 1944 von Roland Freisler hingerichtet.
Schon 1925 formulierte er in Mein Kampf eines seiner Ziele: „So glaube ich heute im Sinne des allmächtigen Schöpfers zu handeln: Indem ich mich des Juden erwehre, kämpfe ich für das Werk des Herrn.“
Wir tolerieren niemanden in unseren Reihen, der die Ideen des Christentums angreift. Unsere Bewegung ist christlich. Hitler 27.10.1928 Passau.
Atheismus in der SS war verboten; 95% der deutschen Bevölkerung war evangelisch oder katholisch.
Hitler leistet seinen Eid: „Ich schwöre bei Gott“
„Meine christlichen Gefühle leiten mich, ein Kämpfer zu sein, für meinen Herrn und Erlöser.“
Papst Pius XI. lobte Hitler in mehreren Audienzen als Vorkämpfer.
Kardinal Faulhaber begrüßte in einem Schreiben an die bayerischen Staatsminister, München, 5.5.1933 „… dass sich im öffentlichen Leben unter der neuen Regierung manches gebessert hat: Die Gottlosenbewegung ist eingedämmt, die Freidenker können nicht mehr offen gegen Christentum und Kirche toben, die Bibelforscher können nicht mehr ihre amerikanisch-kommunistische Tätigkeit entfalten“
Schon mit einer Rede auf einer NSDAP-Versammlung in München am 9.1.1922, ( Polizeibericht. In: Schirrmacher, Thomas. Kriegsreligion. Band 2.) fängt Hitler die Kirchen, wenn er sagt: „ Das Werk, welches Christus angefangen habe, aber nicht beenden konnte, werde er (Hitler) zu Ende führen. Der Nationalsozialismus sei nichts anderes als eine praktische Befolgung der Lehre Christi.“
„Gott beschütze unseren Führer und seine Mitregierenden und unsere Wehrmacht zu Lande, zu Wasser und in der Luft“, das hörte man jeden Sonntag in den Kirchen während des Krieges.
Und noch am 8. November 1943 propagierte Hitler, mehr als neun Monate nach der Niederlage von Stalingrad, im Münchener Löwenbräukeller seinen Glauben an die Vorsehung, die ihn ausersehen habe als Führer der arischen Rasse und des deutschen Volkes auf dem Weg zur Weltherrschaft: „Auch ich bin religiös, und zwar tief innerlich religiös. Und ich glaube, dass diese Vorsehung die Menschen wägt, und dass derjenige, der vor den Prüfungen und unter den Prüfungen der Vorsehung nicht bestehen kann, der an ihnen zerbricht, dass der von der Vorsehung nicht bestimmt ist zu Größerem, dass das eine in der Natur gegebene Notwendigkeit ist, dass nur aus einer Auslese die Stärkeren übrigbleiben.“ Tischgespräche
Nach dem Attentat vom 20 Juli 1944 stellte er fest: „Es lag in der Hand der Vorsehung, am 20. Juli durch die Bombe, die eineinhalb Meter neben mir krepierte, mich auszulöschen und damit mein Lebenswerk zu beenden. Dass mich der Allmächtige an diesem Tag beschützte, sehe ich als Bekräftigung des mir erteilten Auftrages an.“
Hitler kritisierte zwar die Kirchen und ihre Dogmen „Durch Evolution werde seines Erachtens die Kirche in ihrer heutigen Form und Aussage überwunden werden; sie werde «abfaulen wie ein brandiges Glied» blieb aber bis zu seinem Tode auf seine Art religiös, Kirchenmitglied und „gottgläubig“. Er zwang Bormann zur Rücknahme eines Parteierlasses über die «Unvereinbarkeit von Nationalsozialismus und Christentum» und verspottete in unserer Runde (Picker) den Partei-Ideologen Alfred Rosenberg und den Reichsführer SS Himmler wegen ihrer selbstgebastelten «Germanen-Mythen» als «spinnerige Jenseitsapostel». Hitler war aber zutiefst davon überzeugt, dass die Religion der Zukunft nur auf einem Gottesbegriff beruhen könne, der dem menschlichen Geist zugänglich und mit den jeweiligen wissenschaftlichen Erkenntnissen einer Zeit in Einklang zu bringen sei und der klar auf den Natur- und Lebensgesetzen basiere. Christus war für Hitler eine einzigartige religiöse und historische Persönlichkeit und als Galiläer ein «Arier», der in seiner Ethik und religiösen Verkündung der Menschheit zeitlose Werte gesetzt hatte. Aber die christlichen Kirchen hatten nach Hitlers Ansicht in ihrem jeweiligen kirchlichen Eigeninteresse die Lehren Christi uminterpretiert und dadurch «entstellt».
Aber nicht Unglaube oder Atheismus dürfe an ihre Stelle treten, sondern nur ein «Glaube, der den Menschen die Religion als Demut vor der göttlichen Schöpferkraft» lehre (Tischgespräche Nr. 9, 11 und 30 Dr. Henry Picker).
Der Nationalsozialismus war selbstverständlich eine Religion mit Führer von Gottes Gnaden (Hitler), unfehlbarer, heiliger Schrift Bibel (Mein Kampf), Apostel (Himmler, Goebbels, Göring, Hess, Bormann, Heydrich, Speer, Röhm, Eichmann, Hölle (KZ für rassisch Minderwertige) und Erlösung (Weltherrschaft der germanischen Rasse).
Faschismus und Christentum
Faschismus und kath. Christentum haben gemeinsam: die Hierarchische Ordnung und das Führerprinzip; gegen Liberalität und Individualität; Glauben und Gehorchen sind Tugenden; Denken ist verboten; der Führer befiehlt, die Herde hat blind zu folgen. Gemeinschaft ist wichtiger als Individualität. Die Menschheit wird eingeteilt in Rechtgläubige Anhänger und Falschgläubige Gegner. Das Leben im Diesseits muss einem höheren Ziel geopfert werden, weil es ohnehin nichts wert ist; erst nach dem (Helden)tod bekommt der Mensch seinen Lohn.
Ein gerechter Staat kann nicht auf irrationalem Glauben, sondern muss auf vernünftigen Prinzipien gründen! Die jahrhundertelange Erziehung der Deutschen unter dem Chrtistentum zum Glauben und Gehorchen war der beste Nährboden für eine auf Irrationalität gegründete Diktatur.
1848
Die Märzrevolution von 1848 und ihre Helden Robert Blum, Friedrich Hecker, Gustav Struve und Carl Schurz

Die Märzrevolution von 1848 in den deutschen Staaten hatte mehrere tiefgreifende Ursachen, die sich über Jahre – teils Jahrzehnte – aufgebaut hatten. Man kann sie gut in politische, soziale, wirtschaftliche und ideelle Ursachen gliedern:
Politische Ursachen
- Fehlende politische Mitbestimmung: Die meisten deutschen Staaten waren monarchisch regiert, Parlamente hatten kaum Macht.
- Unterdrückung durch das „System Metternich“: Nach dem Wiener Kongress 1815 wurden liberale und nationale Bewegungen stark überwacht und unterdrückt (z. B. durch die Karlsbader Beschlüsse von 1819).
- Zensur und Repression: Pressefreiheit gab es praktisch nicht, oppositionelle Stimmen wurden verfolgt.
Soziale und wirtschaftliche Ursachen
- Soziale Not durch Industrialisierung: Viele Handwerker und Arbeiter verarmten, traditionelle Berufe gingen verloren.
- Bevölkerungswachstum: Mehr Menschen konkurrierten um Arbeit und Nahrung.
- Missernten 1845–1847: Führten zu Hungerkrisen und steigenden Lebensmittelpreisen.
- Frühe Arbeiterbewegung: Forderungen nach besseren Lebens- und Arbeitsbedingungen wurden lauter.
Ideelle und geistige Ursachen
- Liberalismus: Forderung nach Grundrechten, Verfassungen und Bürgerfreiheit.
- Nationalismus: Wunsch nach einem einheitlichen deutschen Nationalstaat statt vieler Einzelstaaten.
- Vorbild Frankreich: Die Februarrevolution 1848 in Paris wirkte als unmittelbarer Auslöser – sie zeigte, dass ein Umsturz möglich war.
- Frühere Bewegungen: Ereignisse wie das Hambacher Fest (1832) hatten die Ideen von Freiheit und Einheit bereits verbreitet.
Unmittelbare Auslöser (1848)
- Nachrichten von der Revolution in Paris verbreiteten sich schnell.
- In vielen deutschen Städten kam es zu Massendemonstrationen.
- Die Bevölkerung stellte die sogenannten „Märzforderungen“ (Pressefreiheit, Verfassungen, nationale Einheit usw.).
- In Städten wie Berlin und Wien eskalierte die Lage zu Barrikadenkämpfen.
Zusammengefasst
Die Märzrevolution entstand aus einem Zusammenspiel von langfristiger Unzufriedenheit und akuten Krisen:
- politische Unterdrückung
- soziale Not
- wirtschaftliche Krisen
- neue Ideen von Freiheit und Nation
1848 war dann der Moment, in dem all diese Spannungen gleichzeitig „explodierten“.
Die Helden der Revolution
Robert Blum – der parlamentarische Weg
Blum verkörpert vor allem die politischen und ideellen Ursachen der Revolution:
- Er kämpfte für Pressefreiheit, Grundrechte und eine Verfassung
- Als Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung setzte er auf Reform durch Diskussion und Gesetzgebung
- Gleichzeitig war er kein bloßer Theoretiker: In Wien stellte er sich auf die Seite der Aufständischen
Verbindung zu den Ursachen:
- Politische Unterdrückung → sein Engagement für parlamentarische Rechte
- Liberalismus → sein Glaube an Vernunft, Debatte und Recht
- Nationale Frage → Einsatz für ein geeintes Deutschland
Tragik: Seine Erschießung 1848 zeigt brutal, dass selbst gemäßigte Reformversuche noch als Bedrohung galten.
Friedrich Hecker – der radikale Aufbruch
Hecker steht für die Ungeduld gegenüber den politischen Zuständen:
- Forderte sofort die Republik statt Monarchie
- Organisierte den berühmten Heckerzug (bewaffneter Aufstand in Baden)
- Wollte die Revolution aktiv erzwingen, nicht nur verhandeln
Verbindung zu den Ursachen:
- Politische Repression → Ablehnung aller Kompromisse mit Fürsten
- Vorbild Frankreich → Glaube an den revolutionären Umsturz
- Soziale Spannungen → Mobilisierung breiter Bevölkerungsschichten
Konsequenz: Sein Scheitern zeigt, dass die revolutionäre Energie zwar groß war, aber schlecht organisiert.
Gustav Struve – der ideologische Radikale
Struve geht noch einen Schritt weiter als Hecker:
- Verknüpfte politische Freiheit mit sozialen Reformen
- Rief mehrfach die Republik in Baden aus
- War beeinflusst von frühsozialistischen Ideen
Verbindung zu den Ursachen:
- Soziale Not → Forderung nach sozialer Gerechtigkeit
- Liberalismus + Frühsozialismus → Verbindung von Freiheit und Gleichheit
- Enttäuschung über gemäßigte Kräfte → Radikalisierung
Bedeutung: Struve zeigt, dass die Revolution nicht nur politisch, sondern auch sozial gedacht wurde.
Blum → Hoffnung auf Recht und Vernunft
Hecker → Drang zur Tat und zum Umsturz
Struve → Vision von sozialer und politischer Gleichheit
Carl Schurz –der späte Erfolg der Revolution
Carl Schurz gehörte 1848 nicht zu den großen Führungsfiguren der Revolution, sondern zur jungen Generation der Begeisterten. Als Student in Bonn wurde er vom liberalen und nationalen Geist erfasst und schloss sich 1849 dem badisch-pfälzischen Aufstand an. Er kämpfte in den letzten Gefechten der Revolution, unter anderem bei der Verteidigung von Rastatt.
Was wurde aus den Freiheitskämpfern?
Robert Blum – das Opfer der Reaktion
- Blum ging im Oktober 1848 nach Wien, um die Revolution zu unterstützen
- Nach der Niederschlagung des Aufstands wurde er verhaftet und standrechtlich erschossen
- Das war besonders brisant, weil er als Abgeordneter eigentlich Immunität hatte
Bedeutung: Blum wurde zum Märtyrer der Freiheit. Sein Tod zeigte:
- Selbst gemäßigte Liberale waren nicht sicher
- Die alten Mächte waren bereit, jede Opposition gewaltsam zu brechen
Friedrich Hecker – der Emigrant
- Nach dem Scheitern seines Aufstands musste Hecker fliehen
- Er emigrierte in die USA (wie viele „Forty-Eighters“)
- Dort kämpfte er später im Amerikanischen Bürgerkrieg auf Seiten der Union
Bedeutung:
- Die Revolution exportierte ihre Ideen ins Ausland
- Deutschland verlor viele seiner politisch engagierten Köpfe
Gustav Struve – der Unbeugsame
- Führte auch 1849 noch einen neuen Aufstand in Baden
- Wurde mehrfach verhaftet und eingesperrt
- Später ebenfalls Exil in den USA, kehrte aber zurück
Bedeutung: Struve steht für die, die nicht aufgaben, aber politisch zunächst scheiterten.
Carl Schurz
Nach der Niederlage blieb ihm nur die Flucht. Wie viele andere „Forty-Eighters“ verließ er Deutschland – nicht aus politischer Distanz, sondern aus politischer Notwendigkeit. Doch im Gegensatz zu vielen blieb er nicht bedeutungslos. In den Vereinigten Staaten fand er ein politisches System, das seine Fähigkeiten aufnahm.
Dort stieg er später bis in höchste Ämter auf, bis zum Innenminister der USA.
So zeigt Schurz eine bittere Umkehrung der deutschen Erfahrung von 1848:
Nicht die Ideen scheiterten – sondern der politische Raum, sie zu verwirklichen.
Und manche Revolutionäre wurden erst dort wirksam, wo ihre Heimat sie bereits verloren hatte.
Deutschland nach 1848 – Sieg der alten Mächte
Nach der Revolution geschah zunächst das Gegenteil dessen, was viele erhofft hatten:
Kurzfristig:
- Die Fürsten gewannen die Kontrolle zurück
- Die Frankfurter Nationalversammlung scheiterte
- Die angebotene Kaiserkrone wurde von Preußens König abgelehnt
- Der Deutsche Bund wurde wiederhergestellt
Man spricht von der „Reaktion“: Rückkehr zu alten Machtstrukturen
Langfristig:
- Viele Ideen von 1848 verschwanden nicht:
- Grundrechte
- nationale Einheit
- Verfassung
- 1871 entstand das Deutsche Reich – aber:
- „von oben“, durch Otto von Bismarck
- nicht demokratisch, sondern unter preußischer Führung
Bedeutung: Die Ziele der Revolution wurden teilweise erfüllt, aber ohne echte Volkssouveränität.
Die Revolution von 1848 scheiterte nicht an ihren Ideen, sondern an der Machtfrage.
Robert Blum glaubte an Recht und Parlament. Er wollte Freiheit durch Argumente erzwingen. Seine Erschießung in Wien machte die Grenze sichtbar: Wo Macht bedroht ist, endet das Gespräch.
Friedrich Hecker setzte auf den Aufstand. Doch Begeisterung ersetzte keine Organisation. Sein Weg führte in die Emigration – wie der vieler anderer, die Deutschland verließen, weil es ihre Freiheit nicht wollte.
Gustav Struve dachte weiter: politische Freiheit und soziale Gleichheit. Gerade deshalb scheiterte er doppelt – an den Fürsten und an der Zaghaftigkeit der Gemäßigten. Gefängnis und Exil blieben.
Deutschland selbst ging einen anderen Weg. Die Fürsten siegten, die Revolution wurde zurückgedrängt, die Freiheit vertagt.
Als die Einheit kam, kam sie nicht aus dem Volk, sondern durch Otto von Bismarck – durch Macht, nicht durch Recht.
So bleibt von 1848 eine harte Lehre:
Freiheit ohne Macht bleibt Wunsch. Macht ohne Freiheit bleibt Herrschaft.
Ronge

- Kritik am Reliquienkult: Berühmt wurde der ehemals katholische Priester 1844 durch seinen „Offenen Brief“ an den Bischof von Trier. Darin prangerte er die Massenwallfahrt zum „Heiligen Rock“ als mittelalterlichen Aberglauben, Götzenfest und „Werkheiligkeit“ an. [1] Der „Heilige Rock Jesu“ ist eine Reliquie, die die heilige Helena angeblich aus Jerusalem mitgebracht haben soll. Ronge empörte sich über diese Verdummung des Volkes. Er schrieb in einem offenen Brief an den Bischof, die Wallfahrt sei eine bewusste Täuschung ungebildeter und einkommensschwacher Menschen, denen bei der Reise ungerechtfertigte Entbehrungen abverlangt würden. Das von ihnen kassierte Opfergeld sei ein Geschäft mit dem Aberglauben, Christus habe den Gläubigen bekanntlich seinen Geist, nicht seinen Rock hinterlassen. Für diese Äußerungen wurde Ronge exkommuniziert[1)
- Forderung nach Kirchenreformen: Er forderte die Abschaffung des Zölibats, der Ohrenbeichte, des lateinischen Gottesdienstes und der hierarchischen Vorherrschaft Roms. [1, 2]
- Vernunft und Wissenschaft: Nach seiner Exkommunikation gründete Ronge 1845 die deutschkatholische Bewegung. Diese basierte auf einem rationalen Religionsverständnis. Für Ronge musste sich Religion unter Einbeziehung von Vernunft und wissenschaftlichen Erkenntnissen ständig weiterentwickeln. [1]
- Mündigkeit des Einzelnen: Er lehnte den traditionellen christlichen Erlösungs- und Gnadengedanken ab. Stattdessen sah er den Menschen als völlig frei und selbstverantwortlich im religiösen Bereich an.
- Sammelbecken für Liberale: Seine neu gegründeten Gemeinden organisierten sich basisdemokratisch. Laien erhielten weitreichende Mitspracherechte. Damit boten die Gemeinden ein Sammelbecken für demokratische, liberale Kräfte vor der Revolution von 1848. [1]
- Politisches Engagement: Im Sinne der Aufklärung verknüpfte er die Befreiung des Geistes mit politischer Freiheit. Ronge verstand die demokratische Erneuerung Deutschlands als religiöse Pflicht und zog als Abgeordneter in das Frankfurter Vorparlament ein. [1]
- Gleichberechtigung der Frauen: Die von ihm inspirierten Gemeinden förderten egalitäre Tendenzen. Ronge unterstützte die Gründung von Frauenvereinen, sowie die aktive Beteiligung von Frauen am Gemeindeleben.
- Reformpädagogik: Während seines späteren Exils in England setzte er sich gemeinsam mit seiner Frau Bertha für die Verbreitung von Fröbelschen Kindergärten ein, um eine freie, aufgeklärte Erziehung von Kindesbeinen an zu ermöglichen.
- Keine göttliche Natur: Ronge lehnte die traditionelle Lehre von der Dreifaltigkeit (Trinität) und die Vorstellung ab, dass Jesus im physischen Sinne Gott selbst war.
- Kein magischer Erlöser: Er wies den klassischen Glauben zurück, dass Jesu Kreuzigung ein blutiges Sühneopfer zur Tilgung der menschlichen Erbsünde war. Für Ronge war der Mensch selbst für seine moralische Vervollkommnung verantwortlich. [1]
- Befreier vom Gesetz: Ronge sah in Jesus einen historischen jüdischen Reformer. Seiner Ansicht nach hatte Jesus die Religion zu ihren wahren, reinen Ursprüngen zurückgeführt, indem er starre Gesetze, Hierarchien und die Macht der Priesterkaste bekämpfte. [1]
- Parallele zum Vormärz: Ronge zog eine direkte Parallele zwischen Jesu Kampf gegen die Pharisäer und seinem eigenen Kampf gegen die römisch-katholische Hierarchie und den Papst.
- Lehrer der Humanität: Für Ronge lag die Bedeutung Jesu in seiner Lehre von allgemeiner Bruderliebe, Freiheit, Licht und Wahrheit.
- Praktisches Christentum: Er betonte, dass man Jesus nicht durch das Anbeten von Reliquien oder das Aufsagen von Dogmen nachfolgt, sondern indem man wie Jesus handelt: tolerant, sozial engagiert und vernunftorientiert.
- „Wir glauben an Jesus Christus, unseren Erlöser, der uns durch seine Lehre, sein Leben und seinen Tod aus der Knechtschaft der Sünde, d. h. des Irrtums und des Bösen, zur Freiheit des Geistes erhoben hat.“
- Der Mensch ist von Natur aus gut: Die traditionelle Kirche lehrte, dass jeder Mensch durch den Sündenfall Adams bereits mit Schuld befleckt geboren wird und der göttlichen Gnade bedarf. Ronge und die Deutschkatholiken lehnten diese Idee radikal ab.
- Vernunftwidrig: Für Ronge widersprach es der göttlichen Gerechtigkeit, Menschen für Taten zu bestrafen, die sie nicht selbst begangen hatten.
- Persönlicher Irrtum statt Erbfluch: Sünde war für ihn keine vererbbare, metaphysische Last, sondern ganz konkret Ignoranz, mangelnde Vernunft, Egoismus und das Beharren auf Irrtümern.
- Unmündigkeit: Wer nicht selbst dachte und sich blind kirchlichen Dogmen oder Aberglauben (wie dem Reliquienkult) unterwarf, lebte für Ronge im Zustand der Sünde.
- Erlösung durch Aufklärung: Jesus erlöste die Menschen, indem er ihnen eine Lehre der Liebe, der Freiheit und der Gleichheit brachte. Er befreite sie aus der geistigen Knechtschaft des damaligen Establishments.
- Hilfe zur Selbsthilfe: Jesus ist nicht der Erlöser, der stellvertretend die Strafe für die Menschen bezahlt. Er ist der Wegweiser. Die eigentliche Arbeit der Erlösung – das moralische Handeln und das rationale Denken – muss jeder Mensch durch seinen eigenen freien Willen selbst leisten.
- Gott im Menschen: Für Ronge manifestiert sich Gott in der menschlichen Vernunft und im Gewissen. Wenn der Mensch logisch denkt, nach Wahrheit strebt und moralisch gut handelt, lässt er den göttlichen Geist in sich wirken.
- Gott in der Natur: Gott zog sich für Ronge nicht nach der Schöpfung zurück, sondern er lenkt die Welt durch die von ihm geschaffenen, vernünftigen Naturgesetze.
- Keine Angstreligion: Er lehnte einen Gott ab, vor dem man Angst haben müsste, der mit der Hölle droht oder der durch den Kauf von Ablässen und das Anbeten von Reliquien (wie dem Heiligen Rock) besänftigt werden müsste. [1]
- Keine Willkür: Gott greift laut Ronge nicht durch magische Wunder in den Alltag ein, um Naturgesetze zu brechen. Das Gebet diente für ihn nicht dazu, Gott um eine Planänderung zu bitten, sondern das eigene Gewissen zu reinigen.
- Gott will mündige Menschen: Da Gott dem Menschen die Vernunft geschenkt hat, ist es die höchste Pflicht des Menschen, diese auch zu benutzen. [1]
- Demokratie als Gottes Wille: Für Ronge war der Kampf für Freiheit, Menschenrechte und Demokratie ein zutiefst religiöser Akt. Wer für gesellschaftliche Gerechtigkeit kämpfte, erfüllte den Willen des göttlichen Weltgeistes.
- Kritik an der Inkonsequenz: Für diese radikalen Aufklärer ging Ronge nicht weit genug. Feuerbach argumentierte damals bereits, dass Gott ohnehin nur eine Projektion des menschlichen Geistes sei.
- Die „halbe Sache“: Aus Sicht der extremen Linken versuchte Ronge bloß, eine alte, sterbende Religion künstlich zu modernisieren, anstatt die Menschen komplett vom religiösen Glauben zu befreien. Karl Marx sah in Ronges religiöser Bewegung eher ein Ablenkungsmanöver von den eigentlichen, harten wirtschaftlichen Problemen der Arbeiterklasse.
- Heutige Aufklärer würden auch fragen: War der Bibeljesus, der alle, die nicht an ihn glauben, in die ewige Hölle schickt, tolerant? War der Austreiber böser Geister, der Wunder wirkte, unfruchtbare Feigenbäume verfluchte, vernunftorientiert? [1, 2] Können wir überhaupt wissen was Jesus gesagt hat, wenn die Kirche ihn von Anfang an für ihre Machtinteressen missbraucht und verfälscht hat?
- Kann ein allmächtiger Gott die Welt erschaffen haben und regiert er sie in Weisheit, Gerechtigkeit und Liebe? [1] Man könnte bei Betrachtung des Weltgeschehens zu anderen Schlüssen kommen.
- Bayern und Österreich vornweg: In streng katholischen Staaten wie Bayern und dem Kaiserreich Österreich wurde die deutschkatholische Bewegung sofort verboten. Wer sich Ronges Bewegung anschloss, verlor seine bürgerlichen Rechte, Beamte wurden entlassen.
- Preußen als Zauderer: Das protestantische Preußen zögerte anfangs, da man die Schwächung der katholischen Kirche zunächst nicht ungern sah. Doch als Friedrich Wilhelm IV. erkannte, dass Ronges Gemeinden basisdemokratische Keimzellen waren, griff auch Preußen hart durch und schränkte die Bewegung massiv ein.
- In den deutschkatholischen Gemeinden gab es keine Bischöfe oder Fürsten, die Befehle erteilten. Die Mitglieder wählten ihre Pfarrer selbst und entschieden demokratisch über alle Belange unter Einbeziehung von Laien und Frauen.
- Für die Geheimpolizei der Fürsten war völlig klar: Wer sonntags in der Kirche die Demokratie übt, fordert am Montag die Abschaffung der Monarchie. Die Gemeinden wurden als politische Klubs unter dem Deckmantel der Religion eingestuft.
- Polizeiliche Überwachung: Ronges Schriften wurden von den staatlichen Zensurbehörden streng überwacht und oft beschlagnahmt.
- Reisebeschränkungen: Wenn Ronge durch Deutschland reiste, um Gemeinden zu gründen, wurde er von Spionen verfolgt. Mehrere Bundesstaaten erteilten ihm Einreise- oder Redeverbote, um zu verhindern, dass er die Massen politisch anheizte.
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- Die Fusion von 1859: Da ein Zurück in die traditionellen Kirchen unmöglich war, schlossen sich die verbliebenen Deutschkatholiken 1859 in Gotha mit den liberalen protestantischen „Lichtfreunden“ zusammen.
- Geburt der Freireligiösen: Aus diesem Zusammenschluss entstand der Bund freier religiöser Gemeinden (heute bekannt als Freireligiöse). Sie legten das Etikett „katholisch“ endgültig ab, strichen den Dogmenzwang komplett und verstanden sich fortan als eine Gemeinschaft, die auf rein humanistischen Werten, Aufklärung und freier Geistigkeit basierte. Diese Gemeinden existieren in Deutschland in kleinerer Form bis heute.
- Die Amnestie (1861): Im Zuge einer politischen Entspannung in Preußen wurde eine Amnestie für die „48er-Revolutionäre“ erlassen. Ronge durfte legal nach Deutschland zurückkehren.
- Verlust des Einflusses: Zurück in der Heimat stellte er fest, dass die Welt sich weiterbewegt hatte. Er zog nach Frankfurt und später nach Darmstadt. Er versuchte zwar, eine „Deutsche Nationalkirche“ ins Leben zu rufen, konnte aber nie wieder an die massenhafte, popstarähnliche Begeisterung aus der Zeit vor 1848 anknüpfen. In den neuen freireligiösen Strukturen spielte er organisatorisch keine führende Rolle mehr. Er engagierte sich allerdings noch stark gegen den aufkommenden Antisemitismus.
Reichtum der Kirche
Reichtum der Kirche

Über Jahrhunderte hinweg war die katholische Kirche nicht nur eine religiöse Institution, sondern auch eine machtvolle politische und wirtschaftliche Organisation. Kritiker werfen ihr vor, ihren enormen Reichtum oft mit fragwürdigen Methoden aufgebaut und gesichert zu haben.
Hinter einem Schein von Wohltätigkeit verbarg sich die wahre Unmenschlichkeit und Geldgier dieser Kirche…und so wäre es immer geblieben, wenn sie nicht ihre Macht verloren hätte und wenn nicht Aufklärer, hinter die Fassade geschaut hätten.
Unrechtmäßiger Besitz von Kirche und Adel. Es kommt doch darauf an, dass die Adligen genauso wie die Kirche, ihre Güter in einer Zeit an sich gerafft haben, als das Volk sich in unmündiger und rechtloser Stellung befand und für den Wohlstand dieser Herren gleichsam Sklavenarbeit leisten musste. Die Gesellschaftsordnung, in der diese ungerechte Verteilung der Güter möglich war, schufen diese oberen Stände: Adel und Geistlichkeit.
Man muss sich fragen, wie die Kirche – insbesondere die katholische – von der Erhebung des Christentums zur Staatsreligion unter Kaiser Theodosius im Jahr 380 bis zur Reformation 1517 und darüber hinaus, zu einer der reichsten und mächtigsten Institutionen Europas werden konnte.
Zu den wichtigsten Quellen ihres Reichtums gehörten:
- staatliche Privilegien bereits seit Konstantin, darunter Steuerfreiheit und umfangreiche Landschenkungen;
- Erbschaften und Spenden von Witwen und Adligen, denen Himmel und Hölle eindringlich vor Augen geführt wurden;
- Drohungen mit Hölle und Fegefeuer sowie der Ablasshandel, bei dem Gläubige glaubten, sich durch Gebete oder Geldzahlungen von Sünden freikaufen zu können;
- der Verkauf kirchlicher Ämter (Simonie);
- Handel mit echten und gefälschten Reliquien;
- Wundererzählungen und Wallfahrten, die oft erheblichen finanziellen Gewinn brachten;
- Urkundenfälschungen zur Erweiterung kirchlichen Besitzes, etwa die gefälschte „Konstantinische Schenkung“, mit der der Kirchenstaat legitimiert wurde;
- Ausbeutung von Sklaven, Leibeigenen, Klosterpersonal und abhängigen Bauern;
- Kriegszüge und Eroberungen gegen Alemannen, Sachsen, Albigenser und andere Gruppen sowie Beteiligung an kolonialer Expansion, Sklavenhandel und Goldraub;
- Verfolgung von Juden, sogenannten Ketzern und angeblichen Hexen durch die Inquisition – häufig verbunden mit Enteignung und Vermögenseinzug;
- verpflichtende Zehntabgaben und weitere wirtschaftliche Belastungen der Bevölkerung.
Zusammengefasst sehen Kritiker die Geschichte der Kirche geprägt von Machtpolitik, wirtschaftlicher Ausbeutung und religiöser Einschüchterung – verbunden mit Praktiken wie Sklaverei, Leibeigenschaft, Ämterverkauf, Reliquienhandel, Urkundenfälschung, Inquisition sowie der Verfolgung von Juden und angeblichen Hexen.
Wenn man weiß, wie die kath. Kirche in fast zwei Jahrtausenden zu ihrem Reichtum gekommen ist, muss es wie Hohn in den Ohren der Opfer klingen, dass sie auch noch Entschädigung für die Ablösung der Staatsleistungen verlangt, die seit 1803 an sie gezahlt werden. 2025 waren es etwa 600 Millionen an beide Kirchen.
Staatsleistungen Google KI
Die Zahlungen von Staatsleistungen an die beiden großen Kirchen haben ihren Ursprung im frühen 19. Jahrhundert (insbesondere durch den Reichsdeputationshauptschluss von 1803). Der Staat verpflichtete sich damals, die Kirchen für die massiven Enteignungen von Kirchengütern (Säkularisation) zu entschädigen. [1, 2, 3, 4, 5]
- Historischer Grund: Entschädigung für die Enteignung von Kirchengütern. [1, 2, 3]
- Verfassungsauftrag: Bereits in der Weimarer Verfassung von 1919 wurde die Ablösung dieser historischen Leistungen festgelegt. Dieser Auftrag wurde in Artikel 140 des Grundgesetzes (in Verbindung mit Art. 138 der Weimarer Reichsverfassung) übernommen. [1, 2, 3, 4]
- Aktueller Stand: Trotz des jahrzehntealten Auftrags, diese Zahlungen durch Einmalzahlungen abzulösen, ist dies bis heute nicht geschehen. Die Bundesländer überweisen daher weiterhin jährlich rund 600 Millionen Euro an die evangelische und katholische Kirche. [1, 2, 3, 4, 5]
Schuldbekenntnis
Schuldbekenntnis der katholischen Kirche

Es scheint sich in den Kirchen tatsächlich etwas zu bewegen. Erfreulich ist auch ein neues Schuldbekenntnis der katholischen Kirche – in gewisser Weise eine Ergänzung zum Stuttgarter Schuldbekenntnis der EKD von 1945. Alle Achtung.
Wir klagen uns an, dass wir – um unserer Macht willen – seit dem Konzil von Nicäa (325) von uns geschaffene Dogmen zu „göttlichen Wahrheiten“ erhoben haben. Wir klagen uns an, aus einem Wanderprediger den Sohn Gottes gemacht zu haben; dass wir – um unsere Lehre hemmungslos verbreiten zu können und dem Bischof von Rom die Vorherrschaft zu sichern – die Bibel verfälscht und auf ihr unsere Herrschaft gegründet haben.
Wir klagen uns an, unsere katholische und christliche Religion zur einzig wahren erklärt und damit unsägliches Leid sowie Verfolgung über Andersgläubige gebracht zu haben; dass uns jedes Mittel recht war, Gegner zum Schweigen zu bringen, sie zu foltern und zu vernichten – selbst wenn dabei ganze Völkerschaften zugrunde gingen.
Die Friedensbotschaft Jesu verkündend, haben wir zu Kriegen aufgerufen, wenn sie uns nützlich erschienen. Wir klagen uns an, dass es uns nicht um das Heil dieser Welt ging, nicht um das Wohl der Armen, Kranken und Benachteiligten, sondern um die Maximierung unseres Reichtums und die Absolutheit unserer Herrschaft.
Wir klagen uns an, dass wir nicht schon viel früher dogmatische Verblendung sowie Auserwähltheits- und Größenwahn als Ursachen unseres Fehlverhaltens erkannt und öffentlich eingestanden haben; dass wir die von unseren Kirchen zu verantwortenden Lügen und ungesühnten blutigen Gräueltaten nicht mutiger bekannt, das Leben der Menschen nicht treuer geachtet, uns nicht entschiedener in den Dienst der Bedürftigen und Unterdrückten gestellt und nicht leidenschaftlicher die Wahrheit gesucht haben.
Nun soll in unseren Kirchen ein neuer Anfang gemacht werden: Wir werden Mahnmale für die Opfer unserer Verblendung errichten und die Erinnerung an unsere Gräueltaten in unseren Gottesdiensten wachhalten.
Karl der Große
Zwang und Glaube:
Die Christianisierung unter Karl dem Großen

Einleitung
Karl der Große gilt als eine der bedeutendsten Gestalten der europäischen Geschichte. Er wird als Förderer von Bildung, Ordnung und christlicher Kultur dargestellt.
Dieser Artikel beleuchtet diese oft verdrängte Seite und ordnet sie historisch ein.
Die Sachsenkriege: Eroberung und Bekehrung
Zwischen 772 und 804 führte Karl der Große einen jahrzehntelangen Krieg gegen die Sachsen.
- Widerstand gegen fränkische Herrschaft
- Ablehnung der Christianisierung
- Zerstörung heidnischer Heiligtümer (Irminsul)
Nach militärischen Siegen folgten häufig Massentaufen.
Taufe bedeutete hier nicht Glaubensentscheidung – sondern Unterwerfung.
Gesetzlicher Zwang
Mit der Capitulatio de partibus Saxoniae wurde der Glaube gesetzlich erzwungen:
- Todesstrafe für Taufverweigerung
- Todesstrafe für Rückkehr zum alten Glauben
- Strenge Strafen gegen religiöse Abweichung
Das Blutgericht von Verden
782 ließ Karl der Große nach einem Aufstand tausende Sachsen hinrichten.
- ca. 4.500 Tote (laut Quellen)
- Abschreckung als Strategie
- Gewalt als Mittel der Ordnung
Die Rolle der Kirche
Die Kirche war eng in diese Prozesse eingebunden:
- Missionare begleiteten Feldzüge
- Gründung von Bistümern
- Stabilisierung der Herrschaft
Gleichzeitig gab es Kritik:
„Der Glaube ist eine freie Sache und kann nicht erzwungen werden.“ – Alkuin von York
Religion als Machtinstrument
- Religiös: Ausbreitung des Christentums
- Politisch: Kontrolle und Integration
Ein einheitlicher Glaube bedeutete auch eine stabilere Herrschaft.
Historische Einordnung
Im Frühmittelalter waren Religion und Politik untrennbar:
- Glaube als Grundlage von Ordnung
- Abweichung als Bedrohung
- Einheit als Ziel
Fazit
Die Christianisierung unter Karl dem Großen war ein Zusammenspiel aus:
- Glauben
- Macht
- Gesetz
- Gewalt
Ausblick
Die Fragen dieser Zeit sind bis heute relevant:
- Kann Glaube erzwungen werden?
- Welche Rolle spielt Religion im Staat?
- Wo liegen die Grenzen von Macht?
Blutgericht
Blutgericht von Cannstatt (746) Machtpolitik statt christlicher Milde?

Einleitung
Das sogenannte Blutgericht von Cannstatt im Jahr 746 gehört zu den einschneidendsten Ereignissen der frühmittelalterlichen Geschichte Südwestdeutschlands. Unter der Führung von Karlmann, Onkel Karls d.Gr., wurden zahlreiche alamannische Adlige hingerichtet – nicht in einer offenen Schlacht, sondern im Rahmen einer gezielten politischen Säuberung. Dieses Ereignis wirft eine grundlegende Frage auf: Wie passt ein solches Vorgehen zu einer Zeit, die sich bereits als christlich verstand?
Was geschah in Cannstatt? Beim Blutgericht von Cannstatt ließ Karlmann, ein Sohn Karl Martells, die Führungsschicht der Alamannen zu einer Versammlung zusammenrufen. Dort wurden viele von ihnen festgesetzt und anschließend hingerichtet. Es handelte sich dabei nicht um ein spontanes Gewaltverbrechen, sondern um eine geplante Aktion mit klarer Zielsetzung:
Ausschaltung der regionalen Elite Beendigung alamannischer Eigenständigkeit Sicherung fränkischer Herrschaft
Cannstatt (heute Stuttgart) wurde so zum Schauplatz eines politischen Einschnitts. Die eigentlichen Motive: Macht, nicht Religion.
Obwohl das Frankenreich zu dieser Zeit bereits christianisiert war, lagen die Gründe für das Vorgehen nicht primär im Religiösen.
1. Zerschlagung regionaler Autonomie Die Alamannen waren zwar Teil des Frankenreichs, verfügten jedoch über eine eigene Führungsschicht und strebten immer wieder nach Unabhängigkeit. Für Karlmann stellte dies eine dauerhafte Bedrohung dar.
2. Aufbau zentraler Herrschaft Die Karolinger waren dabei, ihre Macht systematisch auszubauen. Ziel war es, aus einem lockeren Stammesgefüge ein stärker zentralisiertes Reich zu formen. Das Blutgericht folgt dabei einem typischen Muster vormoderner Politik: Eliten ausschalten – Kontrolle übernehmen – eigene Strukturen etablieren.
3. Abschreckung als Strategie Die Hinrichtungen hatten eine klare Signalwirkung über Alamannien hinaus. Sie sollten zeigen, dass Widerstand gegen die fränkische Führung nicht geduldet wird.
4. Die Rolle der Kirche Karlmann arbeitete eng mit kirchlichen Reformern wie Bonifatius zusammen. Kirche und Herrschaft unterstützten sich gegenseitig: Die Kirche stabilisierte die politische Ordnung Die Herrschaft förderte die Christianisierung Dennoch bleibt festzuhalten: Die Gewalt diente der Machtpolitik – die Religion lieferte die Legitimation.
War das außergewöhnlich?
Das Blutgericht war ein brutaler Akt. Im historischen Kontext war es jedoch kein Einzelfall. Ähnliche Vorgehensweisen finden sich: im Römischen Reich in späteren Maßnahmen Karls des Großen (z. B. gegen die Sachsen) in vielen anderen vormodernen Reichen. Herrschaft wurde oft durch gezielte Gewalt gegen Eliten gesichert. Was sie allerdings nicht rechtfertigt und entschuldigt.
Am Anfang der deutschen Geschichte steht dieses monströse Verbrechen, begangen vom fränkischen Adel mit Billigung der katholischen Kirche. Karlmann war sehr fromm und ging 747 freiwillig ins Kloster.
Chlodwig und der Heilige Remigius, Karlmann und der Heilige Bonifatius,
weltlich – kirchliche Doppelgespanne zur Sicherung der Macht.
Bedeutung für die Geschichte Das Blutgericht von Cannstatt hatte weitreichende Folgen: Ende einer eigenständigen alamannischen Führungsschicht stärkere Einbindung Südwestdeutschlands in das Frankenreich Grundlage für die spätere Großmachtstellung der Karolinger Ohne solche Maßnahmen wäre die Entstehung eines stabilen Großreichs kaum denkbar gewesen.
Aber warum müssen Herrscher dauernd Großreiche schaffen, geht es den Schweizern und Finnen nicht mindestens so gut wie den Russen und den Chinesen? Reiche, die nur durch Gewalt und Eroberung entstanden, sind es nicht wert erhalten zu werden.
Fazit Das Blutgericht von Cannstatt zeigt exemplarisch den Widerspruch zwischen religiösem Anspruch und politischer Realität im frühen Mittelalter. Es war kein Ausdruck christlicher Lehre, sondern ein Instrument der Macht: Nicht der Glaube bestimmte das Handeln – sondern die Logik der Herrschaft. Damit steht das Ereignis stellvertretend für ein grundlegendes Muster der Geschichte: Moralische Ideale und politische Praxis fallen oft auseinander – besonders dort, wo Macht auf dem Spiel steht.
Wie die Schwaben Christen wurden
Wie die Schwaben Christen wurden

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Ab 260 haben die aus Norden kommenden Alemannen die Römer weitgehend aus dem Südwesten Deutschlands verdrängt, so dass die Erlasse der römischen Kaiser Konstantin 337, Theodosius I. u. II., Gratian, Justinian zur Zwangskatholisierung des Römischen Reiches wohl wenig Einfluss auf unser Land hatten. Entscheidend war, dass der Frankenkönig Chlodwig, der unter dem Einfluss seiner Frau Chrodechild und vor allem des Bischofs Remigius, bei Abwägung aller Vorteile, zum katholischen Glauben übergetreten war, nachdem er die Alemannen in der Schlacht bei Zülpich 496. besiegt und unterworfen hatte. Das Konzil von Orléans 511 hat den katholischen Glauben zur einzig gültigen Staatsreligion im Frankenreich gemacht und die germanische Religion allmählich verboten. Bis etwa 700 dürfte die Christianisierung im Südwesten vorangeschritten sein, erkennbar an den Begräbnissen mit Goldblattkreuzen.
Das Blutgericht zu Cannstatt war die Beseitigung des alemannischen Herzogtums durch den karolingischen Hausmeier Karlmann im Jahr 746. Die alemannischen Adligen hatten ihren Treueid auf die merowingischen Könige geschworen. Nachdem diese aber durch die karolingischen Hausmeier abgesetzt worden waren, kam es zu einem Loyalitätskonflikt. Die Alemannen wagten es, gegen die als unrechtmäßig empfundenen Karolinger aufzustehen. Karlmann, Sohn Karl Martells, zitierte daraufhin die alemannischen Adligen zu einer Thingversammlung nach Cannstatt, dort wurden sie der Untreue angeklagt und hingerichtet. So wurde der letzte Aufstand der alemannischen Herzöge gegen die fränkische Unterwerfung blutig niedergeschlagen. Bei diesem Blutgericht von Cannstatt soll der ganze alemannische Adel ausgelöscht und ihre Güter an fränkische Adlige und Klöster gekommen sein. An ihre Stellen traten nun fränkische Grafen zur Verwaltung des Reiches. Davon profitierte vor allem das Kloster Reichenau und die Diözese Konstanz. Theutbald, der Sohn des von Karl Martell unterworfenen Lantfrid, hatte versucht, das Herzogtum zu erneuern.
1534, nach der Reformation, entschied sich Herzog Ulrich, nach einem Streit mit dem kath. Kaiser, bei Abwägung aller Vorteile, den protestantischen Glauben in Württemberg einzuführen. So wurde er Herr der Kirche, konnte alle Kirchengüter einziehen und das Volk hatte sich zu fügen, gemäß dem Grundsatz: Cuius regio, eius religio (Wem das Land gehört, der kann auch über die Religion des Landes entscheiden).
So sind die einst von Chlodwig zum Katholizismus gezwungenen Schwaben zu gläubigen Protestanten geworden, haben ihre germanischen Götter für einen orientalischen Gott aufgegeben und glauben immer noch, dass das freiwillig war und dass sie schon immer Christen waren.
Es ist nicht leicht festzustellen, wieviel Zwang angewendet wurde, um z.B. die Alemannen von ihrem Glauben an Wotan und Freya abzubringen und sie zum Christentum zu bekehren. Chlodwig I. konnte nach dem Konzil von Orleans 511, wo der katholische Glaube als alleingültiger im Frankenreich festgelegt wurde, nicht mehr viel bewirken, weil er im selben Jahr verstarb.
Es lief wohl so wie in jeder Diktatur: Die herrschenden Franken besetzten die führenden Stellen im Staat, Rechtgläubige, also Katholiken, bekamen alle Privilegien, die Falschgläubigen, also Heiden, auch die arianischen Christen, wurden benachteiligt und entrechtet.
Man fand in den zerstörten germanischen und römischen Heiligtümern auch gefesselte Leichen und vermutet, dass es sich dabei um heidnische Priester gehandelt hat. Dass bei der Christianisierung der Alemannen, „keine Zwangsmittel“ angewendet wurden, ist auf jeden Fall falsch.
„552 berief Childebert ein weiteres Nationalkonzil nach Paris. Er erließ ein Edikt gegen das Heidentum, lebendig vor allem noch im nördlichen und östlichen Frankenreich. Er verfolgte jeden scharf, der Götterbilder an den Feldern errichtete und ihre Zerstörung durch Priester nicht litt. Er verbot sogar heidnische Gelage, Lieder, Tänze, ohne freilich die Zwangsbekehrung direkt zu fordern.“
„Denn in der Regel gewannen die Propagandisten des Christentums erst die Großagrarier und errichteten dann auf deren Land einen Stützpunkt, hinterließen meist ein Kirchlein, Schüler – und zogen zum nächsten Herrn. Nicht allzu mühereich unterwarf man sich so viele »Barbaren«, die bald ehrfürchtig zu all den »heiligen« Priestern und Mönchen emporsahen, mächtig beeindruckt durch Exorzismen, Zeremonien, Mirakel. Gläubig übernahmen sie die so fremden Mysterien, so fremden Dogmen und dienten in scheuer Andacht diesem übermächtigen Schamanentum des Südens, anscheinend nur noch von dem Wunsch beseelt, die Kirche reich und mächtig zu machen – zum Heil der eignen Seele, aus Horror vor dem Höllenfeuer, aus Verlangen nach dem Paradies.“ Deschner Kriminalgeschichte des Christentums
Jesus – Krishna
Krishna –
historische Figur oder Mythos?

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Einleitung
Die Gestalt des Krishna gehört zu den zentralen Figuren des Hinduismus. Millionen Menschen verehren ihn als Gott oder göttliche Inkarnation. Doch aus historischer Sicht stellt sich eine entscheidende Frage:
Hat Krishna wirklich gelebt – oder ist er eine mythologische Figur?
Wann soll Krishna gelebt haben?
Religiöse Überlieferungen datieren das Leben Krishnas sehr früh:
- Häufig wird ein Zeitraum um 3000 v. Chr. genannt
- Grundlage sind Texte wie das Mahabharata und die Puranas
Diese Angaben beruhen jedoch auf traditionellen Zeitrechnungen, nicht auf moderner Geschichtsforschung.
Die Quellenlage
Die wichtigsten Informationen über Krishna stammen aus religiösen Texten:
- dem Mahabharata
- der Bhagavad Gita
Wichtig dabei:
- Diese Texte wurden über Jahrhunderte mündlich überliefert
- Die schriftliche Fixierung erfolgte erst deutlich später
- Sie verfolgen primär religiöse, nicht historische Ziele
Ist Krishna historisch belegt?
Nach heutigen wissenschaftlichen Maßstäben lautet die Antwort:
Nein.
Es fehlen entscheidende Kriterien:
- Keine zeitgenössischen Inschriften
- Keine archäologischen Belege
- Keine unabhängigen historischen Quellen
Krishna ist daher nicht als historische Person gesichert.
Gibt es einen historischen Kern?
Einige Forscher halten es für möglich, dass hinter Krishna:
- eine reale historische Persönlichkeit stand
- etwa ein lokaler Fürst oder Stammesheld
Im Laufe der Zeit könnte diese Figur:
- mythologisch überhöht
- und schließlich vergöttlicht worden sein
Doch dafür gibt es keine eindeutigen Beweise.
Was bedeutet „historisch“?
In der Geschichtswissenschaft gelten bestimmte Kriterien, um eine Person als historisch einzuordnen:
1. Zeitnahe Quellen
Berichte entstehen möglichst nah an der Lebenszeit der Person
2. Mehrere unabhängige Zeugnisse
Verschiedene Quellen bestätigen die Existenz
3. Archäologische Funde
Materielle Belege wie Inschriften oder Bauwerke
4. Kritische Überprüfbarkeit
Quellen lassen sich unabhängig analysieren
Diese Kriterien erfüllt die Krishna-Überlieferung nicht.
Vergleich mit Jesus
Ein besonders aufschlussreicher Vergleich ergibt sich mit Jesus Christus.
Gemeinsamkeiten
- Beide sind zentrale religiöse Figuren
- Beide werden als göttlich oder gottgesandt verstanden
- Beide gelten als von einer Jungfrau geboren.
- In beiden Überlieferungen wird dem herrschenden König ein Kind prophezeit, das ihn stürzen wird. Er reagiert mit Kindermord.
- Der Vater des Kindes flüchtet in ein anderes Land.
- Dort wächst das Kind unter einfachen Schäfern und Verhältnissen auf und vollbringt Wunder.
- In einem heilgen Fluss erleben sie ihr Coming out und ihre öffentliche Mission beginnt.
- Sie umgeben sich mit 12 Jüngern.
- Sie verschmähen den Reichtum, fordern Feindesliebe.
- Ihre Überlieferung erfolgt vor allem durch religiöse Texte
- Ihre Gestalten wurden im Laufe der Zeit theologisch gedeutet und erweitert
Entscheidende Unterschiede
1. Historische Einordnung
- Jesus:
- Mehrere Quellen (Evangelien)
- Auch außerchristliche Erwähnungen (z. B. bei römischen Autoren, allerdings keine Zeitgenossen) → gilt in der Forschung überwiegend als historische Person
- Krishna:
- Nur religiöse Überlieferung
- Keine unabhängigen Bestätigungen → gilt als nicht historisch gesichert
2. Zeitliche Nähe der Quellen
- Jesus: Texte entstehen wenige Jahrzehnte nach seinem Tod
- Krishna: Texte entstehen über viele Jahrhunderte hinweg
3. Rolle im religiösen System
- Jesus: → Teil eines monotheistischen Glaubens → durch Paulus zentrale Figur der Erlösungsgeschichte
- Krishna: → Teil eines vielschichtigen (polytheistischen/monistischen) Systems → eine von mehreren göttlichen Erscheinungsformen
4. Bedeutung des Todes
- Jesus: → Kreuzigung und Auferstehung sind zentral für den Glauben
- Krishna: → Tod spielt keine vergleichbare heilsgeschichtliche Rolle
Fazit
- Krishna ist eine zentrale religiöse Gestalt, aber historisch nicht nachweisbar
- Seine Lebenszeit gehört in den Bereich legendärer Frühgeschichte
- Ein möglicher historischer Kern bleibt Spekulation
Der Vergleich mit Jesus zeigt:
Ähnliche religiöse Bedeutung bedeutet nicht automatisch gleiche historische Grundlage.
Weiterführende Überlegung
Die Entwicklung sowohl der Krishna- als auch der Jesus-Überlieferung macht deutlich:
Religiöse Figuren entstehen nicht nur aus Geschichte – sondern auch aus Deutung, Umdeutung, Fälschung, Dichtung, Tradition und Glauben.
Gerade dieser Prozess ist entscheidend, wenn man verstehen will, wie Religionen sich über Jahrhunderte hinweg formen und verändern.
