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Roland Fakler

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Judenhass

Leserbrief an das Tagblatt 2012

Ursprung des Judenhasses

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      Judenhass

Der christliche Hass auf die Juden, die in Jesus nicht den lange erwarteten „Messias“ erkennen wollten (konnten) und sich angeblich als „Gottesmörder“ schuldig gemacht haben, beginnt nicht erst mit den Kirchenvätern und mit Luther, sondern schon mit den ersten christlichen Autoren. Der Jude Paulus bezeichnete den ganzen geistigen Besitz der Juden als „Kot“ (Phil 3:8), bei Matthäus (Mat. 23:33) werden die Juden als „Schlangen- und Otterngezücht“ bezeichnet und der Ausdruck, dass die Juden „Kinder des Teufels“ sind, stammt nicht etwa von Goebbels, sondern vom Evangelisten Johannes (Joh. 8:44), der ihn Jesus zuschreibt.

Der islamische Judenhass beginnt damit, dass die Juden Mohammed nicht als Propheten anerkennen wollten. Er wurde weiter dadurch angeheizt, dass drei jüdische Stämme in Medina mit Mohmmeds Gegnern zusammengearbeitet haben. Er fasste das als Verrat auf, vertrieb zwei der Stämme und masakrierte den dritten. Etwa 600 Männer wurden getötet, Frauen und Kinder versklavt. Mohammed überwachte das Massaker angeblich als Augenzeuge und nahm danach eine der Witwen, Safia, zur Frau.

Juden galten gemäß dem Koran, wie Christen und andere “Buchbesitzer” als Schutzbefohlene, die unter islamischer Herrschaft geduldet wurden, aber nur als Menschen zweiter Klasse. Sie mussten Schutzgeld zahlen.

Es ist natürlich kein Rechts-, sondern ein Unrechtsstaat, wenn auf verschiedene Menschen unterschiedliches Recht angewendet wird.

Der Ursprung des Judenhasses geht aber noch viel weiter zurück in die Antike. Die Juden wurden von den Ägyptern, Babyloniern, Griechen, Römern…als „Fremdkörper“ empfunden, weil die Juden sich selbst für das einzig von Gott auserwählte Volk hielten, weil sie selbst jede Gemeinschaft und Ehe mit den „Götzendienern“ ablehnten. Das erzeugte natürlich eine Gegenreaktion. Der römische Geschichtsschreiber Tacitus schreibt über die Juden: Die Juden seien „den Göttern verhasst und den übrigen Religionen entgegengesetzt“. Er wirft ihnen Verachtung der Götter und des Vaterlandes vor. „Sie halten zusammen und betrachten den Rest der Welt mit Feindschaft“.

Feinde von Anfang an

Leserbrief im Schwäbischen Tagblatt. Frau R. kritisiert das Wort “jüdisch-christliche Tradition” in meinem letzten Leserbrief als “Unwort”, das von Juden nie verwendet werden würde. Hier ist meine Antwort: 2016-08-25

Liebe Frau R., danke für Ihren kritischen Hinweis! Sie haben Recht! Mit dem „Unwort“ „christlich – jüdische Tradition“ wird der falsche Eindruck erweckt, als seien Christen und Juden Hand in Hand durch die Kulturgeschichte gewandert. Tatsächlich waren sie Feinde von Anfang an, weil die Juden Jesus nicht als ihren Messias anerkannt haben und weil die Christen das “heilige” Buch der Juden, die hebräische Bibel = Altes Testament, für sich in Anspruch genommen haben, als sei es nur dazu geschaffen, um auf ihren Messias, Jesus, hinzuweisen. Die hebräische Bibel war zwar auch eine gemeinsame Quelle, aus der Juden und Christen geschöpft haben, sie wurde aber von beiden ganz unterschiedlich gedeutet.

Tatsache ist: Weder das Alte noch das Neue Testament eignen sich mit ihrem Verständnis des Menschen als gehorsamer Untertan Gottes dazu, Demokratie und Menschenrechte zu begründen. Die mussten vielmehr gegen den heftigen Widerstand von Theologie und Kirchen aus dem Geist der Aufklärung säkular und vernünftig gerechtfertigt werden. Weiter zum Inhalt

 

Historisch gesehen lässt sich die christliche Judenverfolgung nicht auf eine einzelne Person oder Lehre zurückführen, sondern entstand aus einem Zusammenspiel theologischer Deutungen, kirchlicher Autorität und politischer Macht. Viele der folgenden Personen haben gedankliche Grundlagen geliefert, die später antisemitisch instrumentalisiert wurden.

Ich gliedere die Antwort nach Epochen und Akteuren, mit jeweils kurzer Einordnung.


1. Frühchristliche Autoren (Kirchenväter)

a) Justin der Märtyrer († ca. 165)

  • Schrieb den Dialog mit Tryphon dem Juden

  • Entwickelte die Idee, dass das Christentum das „wahre Israel“ sei

  • Das Judentum habe seinen Bund mit Gott „verloren“

➡️ Grundlage für die spätere Substitutionstheologie (Ersetzung Israels durch die Kirche)


b) Tertullian († nach 220)

  • Polemische Schriften gegen Juden

  • Juden als blind, halsstarrig, gottverwerfend dargestellt

➡️ Trug zur Feindbildbildung bei


c) Origenes († 254)

  • Allegorische Bibelauslegung

  • Das „fleischliche Israel“ sei vom „geistlichen Israel“ (der Kirche) abgelöst

➡️ Theologisch subtil, aber folgenreich


d) Johannes Chrysostomos († 407)

(der vielleicht folgenreichste Prediger)

  • Acht berüchtigte „Adversus-Judaeos“-Predigten

  • Bezeichnet Juden als:

    • „Mörder Christi“

    • „Werkzeuge des Teufels“

    • „schlimmer als Schweine“

➡️ Direkte Hetzpredigten, später vielfach zitiert und missbraucht


e) Augustinus von Hippo († 430)

Ambivalent, aber extrem einflussreich

  • Lehre vom „Zeugenvolk“:

    • Juden sollen überleben, aber in Erniedrigung

    • Als Beweis für die Wahrheit des Christentums

➡️ Rechtfertigung für Diskriminierung ohne vollständige Vernichtung


2. Mittelalterliche Theologen und Kirchenrecht

a) Isidor von Sevilla († 636)

  • Sammelte antijüdische Stereotype

  • Prägte kirchliche Lehrbücher


b) Thomas von Aquin († 1274)

  • Sah Juden als:

    • religiös irrtümlich

    • rechtlich minderberechtigt

  • Billigte:

    • Sondersteuern

    • rechtliche Einschränkungen

➡️ „Rationalisierte“ Diskriminierung


3. Päpste und kirchliche Politik

Wichtig: Nicht alle Päpste waren Judenfeinde, einige schützten Juden – aber viele legitimierten strukturelle Unterdrückung.

Beispiele problematischer Maßnahmen:

  • Papst Innozenz III. († 1216)

    • Verpflichtung zu Kennzeichen (Judenhut, Judenstern)

    • Förderung von Ghettos

  • Papst Paul IV. († 1559)

    • Bulle Cum nimis absurdum

    • Errichtung des römischen Ghettos

    • Berufsverbote, Zwangspredigten

➡️ Institutionalisierte Ausgrenzung


4. Priester, Prediger und Volksfrömmigkeit

a) Bernhard von Clairvaux († 1153)

  • Ambivalent:

    • Warnte vor Pogromen

    • Bestätigte dennoch die theologische Minderwertigkeit der Juden


b) Volks-Prediger des Spätmittelalters

  • Verbreiteten:

    • Ritualmordlegenden

    • Hostienfrevel-Vorwürfe

  • Führten direkt zu Pogromen


5. Heilige mit problematischem Erbe

Mehrere der genannten Personen gelten als Heilige oder Kirchenlehrer, z. B.:

  • Augustinus

  • Chrysostomos

  • Bernhard von Clairvaux

  • Thomas von Aquin

➡️ Ihre Autorität machte ihre Aussagen besonders wirkmächtig


6. Wichtig zur Einordnung

  • Das Neue Testament selbst enthält Spannungen:

    • Jesus und die Apostel waren Juden

    • Paulus betont ausdrücklich:

      „Gott hat sein Volk nicht verstoßen“ (Röm 11,1)

  • Antijudaismus ist nicht gleich moderner Antisemitismus, aber:

    • Er bereitete geistig und kulturell den Boden dafür


7. Kirchliche Selbstkritik (modern)

  • Zweites Vatikanisches Konzil (1965), Nostra Aetate

    • Verwerfung der Kollektivschuld

    • Anerkennung der bleibenden Erwählung Israels

  • Papst Johannes Paul II.

    • Bat öffentlich um Vergebung für kirchliche Schuld


Zusammenfassend:

Die geistigen Grundlagen christlicher Judenverfolgung wurden vor allem gelegt durch:

  • frühkirchliche Polemik

  • Substitutionstheologie

  • kirchliche Machtpolitik

  • sakralisierte Vorurteile

  • Quellen: Deschner, Chatgpt, Wikipedia

  •  

    Die Rassisierung und Säkularisierung des Judenhasses

    war ein Bruch mit dem christlichen Antijudaismus, zugleich aber auf ihm aufbauend. Entscheidend ist:
    👉 Ab dem 18./19. Jahrhundert wurden Juden nicht mehr wegen ihres Glaubens, sondern wegen ihres „Wesens“ verfolgt – selbst Taufe oder Assimilation halfen nicht mehr.

    Ich gliedere die Antwort chronologisch und nach Akteuren, damit die Entwicklung klar wird.


    1. Ausgangspunkt: Unterschied Antijudaismus – Antisemitismus

    Christlicher Antijudaismus

    • religiös begründet

    • theoretisch durch Taufe „aufhebbar“

    • Juden als Irrgläubige

    Moderner Antisemitismus

    • biologisch / rassisch begründet

    • nicht durch Konversion überwindbar

    • Juden als „fremde Rasse“ oder „Naturtyp“

    ➡️ Der moderne Antisemitismus ist außerkirchlich, oft explizit antichristlich, aber historisch nicht ohne kirchliche Vorprägung denkbar.


    2. Aufklärung: Entkirchlichung des Judenhasses

    a) Voltaire († 1778)

    Schlüsselfigur

    • Heftige Angriffe auf Juden als:

      • „abergläubisch“

      • „fanatisch“

      • „moralisch minderwertig“

    • Nicht religiös, sondern kulturkritisch-rationalistisch

    ➡️ Judenhass wird philosophisch legitimiert, nicht mehr theologisch


    b) Denis Diderot / französische Aufklärer

    • Juden als „volksfremd“, „nicht aufklärungsfähig“

    • Religion nur noch Vorwand für Kulturkritik


    3. Nationalismus und Romantik (19. Jahrhundert)

    a) Johann Gottlieb Fichte († 1814)

    • Sah Juden als:

      • „Staat im Staate“

      • nicht integrierbar

    • Vorschläge:

      • Entrechtung

      • Vertreibung

    ➡️ Nationalstaat statt Kirche als Bezugsrahmen


    b) Ernst Moritz Arndt

    • Juden als Gefahr für das „deutsche Volk“

    • Verbindung von Ethnie + Kultur


    4. Pseudowissenschaftliche Rassenlehren

    Hier wird Judenhass endgültig biologisch begründet.

    a) Arthur de Gobineau († 1882)

    • Essay über die Ungleichheit der Menschenrassen

    • Juden als:

      • eigene Rasse

      • degenerierend

    • Geschichte als Rassenkampf

    ➡️ Rassismus als „Wissenschaft“


    b) Houston Stewart Chamberlain († 1927)

    • Extrem einflussreich in Deutschland

    • Juden als:

      • „Gegenrasse“

      • Zerstörer der Kultur

    • Offener Bruch mit dem Christentum:

      • Jesus wird „entjudaisiert“

    ➡️ Direkter ideologischer Vorläufer des Nationalsozialismus


    5. Der Begriff „Antisemitismus“

    Wilhelm Marr († 1904)

    • Prägte 1879 den Begriff „Antisemitismus“

    • Ziel:

      • Judenhass modern, wissenschaftlich, säkular erscheinen lassen

    • Juden als:

      • biologische Gegner

      • unvereinbar mit dem „deutschen Volk“

    ➡️ Kein Hass mehr, sondern angeblich „Sachzwang“


    6. Sozialdarwinismus & Politik

    a) Herbert Spencer / Sozialdarwinisten

    • Gesellschaft als Kampf ums Überleben

    • Juden als „parasitäre Gruppe“


    b) Antisemitische Parteien (19. Jh.)

    • Antisemitismus wird:

      • wählbar

      • programmatisch

      • staatlich denkbar


    7. Bruch mit Kirche und Christentum

    Ironischerweise:

    • Viele moderne Antisemiten waren:

      • antikirchlich

      • antichristlich

    • Christentum galt als:

      • „jüdisch verseucht“

      • moralisch schwächend

    ➡️ Der Judenhass wurde rassisch, nicht religiös, und damit total.


    8. Kulmination: Nationalsozialismus

    • Kombination aus:

      • Rassismus

      • Nationalismus

      • Sozialdarwinismus

      • Verschwörungsdenken

    • Taufe, Frömmigkeit, Loyalität: irrelevant

    • Vernichtung als „biologische Notwendigkeit“

    ➡️ Das ist der qualitative Zivilisationsbruch.


    9. Zentrale Erkenntnis

    Der moderne, rassische Antisemitismus
    wurde nicht von der Kirche erfunden, aber ohne 1500 Jahre christlichen Antijudaismus wäre er kaum denkbar gewesen.

    Er entstand:

    • außerkirchlich

    • antichristlich

    • pseudowissenschaftlich

    • politisch instrumentalisiert

      Berühmte Judenhasser

      1. Frühneuzeit & Aufklärung

      Martin Luther (1483–1546)

      • Späte Schrift: „Von den Juden und ihren Lügen“ (1543)

      • Forderte: Zerstörung von Synagogen, Vertreibung, Entrechtung

      • religiöser Antijudaismus, extrem gewalttätig formuliert

      Voltaire (1694–1778)

      • Abwertende, pauschalisierende Aussagen über Juden

      • Keine Gewaltforderung, aber starke Stereotype

      • kultureller / frühmoderner Antisemitismus


      2. 19. Jahrhundert (Übergang zum modernen Antisemitismus)

      Richard Wagner (1813–1883)

      • Schrift: „Das Judentum in der Musik“

      • Juden als „kulturunfähig“ dargestellt

      • → großer Einfluss auf späteren völkischen Antisemitismus

      Arthur Schopenhauer (1788–1860)

      • Wiederholt abfällige Bemerkungen über Juden

      • Teil seines generellen Kulturpessimismus

      • philosophisch-kulturell, nicht systematisch

      Karl Marx (1818–1883)

      • Text: „Zur Judenfrage“ (1844)

      • Verwendet problematische Gleichsetzungen (Geld = Judentum)

      • hoch umstritten, Mischung aus Religionskritik und antisemitischer Rhetorik


      3. Politischer und rassistischer Antisemitismus (spätes 19. / 20. Jh.)

      Houston Stewart Chamberlain (1855–1927)

      • „Die Grundlagen des 19. Jahrhunderts“

      • Rassentheoretiker, extrem antisemitisch

      • zentrale Figur der NS-Ideologie

      Adolf Hitler (1889–1945)

      • Mein Kampf

      • Juden als „Rasse“, Weltverschwörung

      • genozidaler Antisemitismus

      Joseph Goebbels, Alfred Rosenberg u. a.

      • Ideologen und Propagandisten des Holocaust


      4. Nachkriegszeit & Moderne (Beispiele)

      Louis-Ferdinand Céline

      • Literarisch bedeutend

      • Pamphlete mit extremem Antisemitismus

      Ezra Pound

      • Bedeutender Dichter

      • Offener antisemitischer Faschist

      Diverse politische Akteure & Ideologen

      • In extremen rechten, aber auch bestimmten verschwörungsideologischen oder radikal-islamistischen Milieus


      Wichtige Differenzierung

      Nicht jede antisemitische Äußerung ist gleich:

      • Religiöser Antijudaismus (Mittelalter, Luther)

      • Kultureller Antisemitismus (Voltaire, Wagner)

      • Rassistischer Antisemitismus (19./20. Jh., NS)

      • Politischer / verschwörungsideologischer Antisemitismus (modern)