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Roland Fakler

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Sozialdarwinismus

Leserbrief im Tagblatt vom 16.08.2018

Das ist die Wahrheit

Karin R. beklagte „horrende“ Vorwürfe gegen Säkulare – „bis hin zum Sozialdarwinismusverdacht“ (11. 8.

 Säkulare Humanisten stünden vor allem bei Christen unter dem Verdacht, „Sozialdarwinisten“ zu sein. Man muss nicht allen Blödsinn widerlegen wollen. Damit das aber mal geklärt ist, werde ich es trotzdem tun.

Im Gegensatz zu vielen anderen Weltanschauungen teilen die Humanisten die Menschheit nicht in Auserwählte und Verdammte, in minderwertige und hochwertige Menschen ein, sondern sie erstreben eine gerechte und lebenswürdige Welt für alle Menschen.

Der Sozialdarwinismus ist ein missverstandener Darwinismus, bei dem die angeblichen Gesetze der Natur auf die menschliche Gesellschaft übertragen wurden. „Survival of the fittest“ (Darwin) heißt aber nicht, dass der Stärkere überlebt, sondern der am besten an die Umwelt angepasste.

Der Sozialdarwinismus wurde im 19. Jahrhundert von den Kolonialmächten als Rechtfertigung ihrer Herrschaft über angeblich minderwertigere Rassen verstanden.

Wer waren die Kolonialmächte? Es waren zu 99 Prozent „christlich“ geprägte Staaten: Portugal, Spanien, England, Frankreich, Belgien, die Niederlande, Deutschland, Italien, Russland, USA, nur Japan war’s nicht. Die Eroberung, Ausbeutung, Versklavung anderer Völker fand vom 16. bis 20. Jahrhundert unter dem Zeichen des Kreuzes statt.

Papst Nikolaus V. gab dafür grünes Licht. Er erlaubte in seinen Bullen „Romanus Pontifex“ und „Dum Diversas“ 1455 dem portugiesischen König Alfons V., alle nicht-christlichen Menschen zu versklaven und ihren Besitz zu rauben. Das ist die geschichtliche Wahrheit!

Herr S. schreibt: Ich hätte durch die Lektüre von Karlheinz Deschners „Kriminalgeschichte des Christentums“ einen verzerrten Blick auf die Geschichte

Leider muss ich annehmen, dass Herr S. meine Leserbriefe nicht regelmäßig liest und 
dass dadurch eine Bildungslücke entstanden ist.
Das größte Problem der Weltgeschichte - das habe ich immer wieder geschrieben -  sind totalitäre Herrschaften 
verschiedenster Art. Das Problem entsteht durch das Machtstrebeben sogenannter starker Männer, die deswegen nie 
unkontrollierte Macht bekommen sollten. Dafür müssen aufgeklärte Bürger sorgen. 
Das ist die wichtigste Lehre aus der Geschichte!
Wegen ihrer Machtfülle, während ihrer tausendjährigen totalitären Herrschaft ist die kath. 
Kirche auch verantwortlich zu machen, für die Verfolgungen, die Kriege, die Ausbeutung, 
die Entmündigung des Volkes. Nur die „wahre“ Geschichte hilft uns, aus der Geschichte zu lernen. 
Die Geschichte des Christentums wurde aber in vielfältiger Weise verfälscht und geschönt. 
Ich möchte nur daran erinnern, wie sehr die beiden Großkirchen ihre schuldhafte Verstrickung in das 
Naziregime verdrängen und verleugnen, wie Mörder und geistige Brandstifter zu Helden und Heiligen 
erklärt werden: Kyrill, Paulus, Konstantin, Karl, Luther, Martin…
Deswegen kann man Deschner nur dankbar sein, dass er diese Geschichte akribisch aufgearbeitet hat.
Natürlich waren und sind auch der Faschismus, der Kommunismus, der Islam, die Herrschaft Kim Jong Uns, 
die Herrschaft Assads und Erdogans…. unheilvoll, eben weil sie auch totalitär, intolerant und verfolgungswütig sind.
Die Gründe dafür und die Maßnahmen dagegen habe ich genannt. Sie sollten im Geschichtsunterricht erörtert werden.
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Schachpartien

Schachpartien

„Der 30-jährige Krieg wurde nicht mit Kanonen beendet, sondern durch mehrjährige Verhandlungen aller Beteiligter und danach gab es 150 Jahre Frieden in Deutschland.“ Dies schrieb Frank H. am 8. August in einem Leserbrief.

09.08.2018 Roland Fakler, Ammerbuch

So schön kann Geschichte sein, wenn man die Kriege ausblendet. Nun weiß ich nicht, was Herr H. unter „Krieg“ versteht. Tatsächlich waren für die Päpste, Könige und Fürsten Kriege oft nichts anderes als Schachpartien mit Figuren, die man leicht ersetzen konnte, wenn ihnen die Köpfe im Tausenderpack abgesäbelt worden waren. Kriege führen und sich gegenseitig abschlachten galt hierzulande jahrhundertelang als die männlichste aller Sportarten. Deswegen gibt es auch kein Jahrhundert ohne Kriege in Europa. Krieg gab es auf jeden Fall, wenn es ums Erbe der fürstlichen Damen und Herren ging. Im Fall des Sieges wurde die Beute redlich geteilt: Land und Macht für die Fürsten; Ruhm und Ehre für die Krüppel und Leichen.

Hier seien nur mal ein paar dieser „Schachpartien“ in und um Deutschland nach 1648 aufgeführt.

1663–1664 Türkenkriege

1672–1679 Holländischer Krieg

1674- 1679 Nordischer Krieg

1674–1679 Schwedisch-

Brandenburgischer Krieg

1683–1684 Reunionskrieg Frankreich / Deutschland

1683–1699 Großer Türkenkrieg

1688–1697 Pfälzischer Erbfolgekrieg Neunjähriger Krieg

1700–1721 Großer Nordischer Krieg

1701–1714 Spanischer Erbfolgekrieg

1733–1735 Polnischer Thronfolgekrieg

1736–1739 Russisch-Österreichischer Türkenkrieg

1740–1748 Österreichischer Erbfolgekrieg

1756–1763 Siebenjähriger Krieg

1778/79 Bayerischer Erbfolgekrieg

1792–1815 Revolutions- und Napoleonische Kriege

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Die Lehre aus der Geschichte: Es ging den adligen Herren, nie um das Wohl des Volkes, sondern sie haben das Wohl des Volkes stets für ihre Machtinteressen, für den Landerwerb, für ihren Reichtum und ihre Güter geopfert.

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